Ausfallrisiko
Deutsche Banken fürchten den Fluch der Griechen-Bonds

Griechische Staatsanleihen finden selbst zu günstigsten Preisen keine Käufer. Ausfallversicherungen werden immer teurer. Für deutsche Geldhäuser könnte das zum Problem werden. Denn sie haben massiv investiert.
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LondonBanken in Europa versuchen nach Informationen aus der Branche seit längerem verzweifelt, ihren Bestand an griechischen Staatsanleihen im Volumen von 100 Milliarden Euro abzustoßen. Die Papiere seien aber angesichts der desolaten Haushaltslage des Landes und der drohenden Umschuldung nahezu unverkäuflich, sagten Banker dem zu Thomson Reuters gehörenden Informationsdienst IFR. Auch wenn die Papiere so günstig angeboten würden wie nie zuvor, fänden sich keine Abnehmer.

"Die große Mehrheit der Banken kann derzeit nichts tun", sagte ein europäischer Banker, der Dutzende dieser Geldhäuser beraten hat. "Der Schutz vor Ausfall ist zu teuer, und der Markt für die Anleihen ist nicht liquide. Daher sitzen viele Banken das Problem aus."

Griechische Banken sind mit Abstand am stärksten in heimische Staatsanleihen engagiert. Sie haben Papiere für etwa 50 Milliarden Euro im Bestand. Institute aus Deutschland sind mit 19 Milliarden Euro engagiert, französische mit 15 Milliarden. "Für die meisten Banken könnten ihre schlimmsten Alpträume wahr werden", sagt ein anderer Investmentbanker, der Institute auf dem Kontinent berät.

Griechische Anleihen seien aber lange Zeit zu Recht gefragt gewesen. Die Papiere seien als genauso sicher eingestuft worden wie deutsche, hätten aber mehr Rendite abgeworfen. Daher seien Banken aus ganz Europa aufgesprungen und hätten die Papiere zum Aufbau von Kapitalpuffern gekauft. "Viele Geldhäuser sind wohl deshalb eingestiegen, weil sie die Papiere als liquide und absolut risikolos angesehen haben", sagt der Banker Tim Skeet von RBS. "Es gab vernünftige Gründe für einen Einstieg."

Einigen Banken ist zu einem frühen Zeitpunkt der Ausstieg aus den Papieren geglückt. Dazu zählen etwa große europäische Geldhäuser mit eigener Investmentbanking-Sparte, dank der sie schnell reagieren können. Andere Institute aber waren zu träge, zu unentschlossen - oder davon überzeugt, dass Griechenland die Probleme in den Griff bekommt. "Viele Banken wollten einfach nicht mit Verlust aussteigen", sagt Roberto Henriques von der Bank JPMorgan. "Und als die Situation in Griechenland dann aus dem Ruder lief, bewegten sich viele Geldhäuser immer noch nicht, weil sie hofften, zu einem späteren Zeitpunkt verkaufen zu können."

Einige Institute sahen in fallenden Preisen nach Auskunft eines Bankenberaters gar noch die Chance für einen günstigen Einstieg: "Ein Finanzvorstand hat mir noch im April gesagt, ich sei ein kompletter Idiot, weil ich keine dieser Anleihen kaufe."

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  • Tja, wenn Gier und Dummheit in Gesellschaft auftreten.....
    Aber die korrupten Politiker Vasallen werden es schon richten, auf Kosten der naiven Bevölkerung.
    Es ist nicht möglich und auch garnicht gedacht die Schulden abzutragen !!!
    Der kommende Kollaps ist EINGEPLANT !!!!!!!!!!

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