Ausfallversicherungen
Banken fürchten Italien-Pleite

Viele Banken sind offenbar skeptisch, was Italien betrifft. Sie kaufen in großem Stil Kreditausfallversicherungen, sogenannte Credit Default Swaps (CDS). Am kräftigsten langt ein Institut aus der Schweiz zu.
  • 29

New YorkDie Großbanken JPMorgan Chase & Co., UBS AG und die Credit Suisse Group AG haben im zweiten Quartal einen größeren Anteil ihrer Bestände an italienischen Staatsanleihen durch Credit Default Swaps (CDS) abgesichert. Das zeigt eine Analyse der aktuellen Quartalsberichte der Banken.

Demnach erhöhte JPMorgan den Anteil im Verlaufe der drei Monate von 52 auf 61 Prozent. Bei der Credit Suisse kletterte die Quote von 69 Prozent auf 90 Prozent. Etwas geringer stieg der Anteil beim Konkurrenten UBS - hier ging es von 60 auf 62 Prozent nach oben.
Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen war in der vergangenen Woche deutlich über die Marke von sechs Prozent gestiegen. Am Freitag konnten sich die Bonds wieder etwas erholen. Am Markt wurde vermehrt auf Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank EZB spekuliert.
Bei den deutschen Bundesanleihen sind die Kurse zu Wochenbeginn gestiegen. Das vom Forschungsinstitut Sentix ermittelte Investorenvertrauen ist weniger schwach ausgefallen als erwartet. Die Stimmung verschlechterte sich von minus 29,6 Indexpunkten im Juli auf minus 30,3 im August. In einer Umfrage von Bloomberg News unter Ökonomen war ein Rückgang auf minus 31,0 erwartet worden.

Die Rendite der Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren lag zuletzt drei Basispunkte tiefer bei 1,39 Prozent. Der Terminkontrakt Bund-Future stieg um 22 Basispunkte auf 143,17 Prozent.

Zehnjährige Portugal-Bonds fielen mit deutlichen Kursgewinnen auf. Die Rendite sank um zuletzt 25 Basispunkte auf 10,33 Prozent. Portugiesische Staatspapiere haben den Investoren in den ersten sieben Monaten dieses Jahres einen Ertrag von 28 Prozent eingebracht. Das ist die beste Entwicklung unter 26 Anleihemärkten, wie Indizes von Bloomberg und der European Federation of Financial Analysts Societies (EFFAS) zeigen. Bundesanleihen brachten den Investoren 4,1 Prozent ein, mit spanischen Staatspapieren kamen sie auf Verluste von 5,1 Prozent.

Am Markt für US-Staatsanleihen gab es leichte Kursgewinne. Die Rendite der zehnjährigen Treasuries sank um einen Basispunkt auf 1,55 Prozent. Händler gehen mehr und mehr davon aus, dass die Notenbank Federal Reserve die Leitzinsen tatsächlich bis 2014 auf dem rekordniedrigen Niveau von nahe null belassen wird. Renditen von 1,0 Prozent bei zehnjährigen Papieren gelten als möglich. “Ich werfe das Handtuch” und kaufe, sagte Jay Mueller, Vermögensverwalter bei Wells Capital Management in Milwaukee.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • 'popper' sagt
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    Daran sieht man, dass die Schulden nicht das Problem sind. Japan ist seit 20 Jahren noch höher verschuldet.
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    Stimmt.

    Allerdings ist der japanische Staat bei seinen eigenen Bürgern verschuldet - und nicht bei ausländischen Banken und Steuerzahlern wie unsere PIGS.

    Das macht einen großen Unterschied.

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    'popper' sagt
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    Und Portugal, Spanien und Irland sind sogar geringer verschuldet als Deutschland.
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    Irlands Verschuldung lag mit 108% BSP 2011 allerdings wesentlich über der deutschen Staatsverschuldung von 87% BSP, und ebenso Portugal mit 107,8% (Bitte Eurostat verwenden, nicht Phantasiezahlen).

    Was sie da sagen trifft also schon 'mal nur auf Spanien zu.

    Wobei Spanien dieses Jahr voraussichtlich Deutschland überholen wird.

    Woran man schön sehen kann, daß das hauptsächliche Problem in der Tat nicht die absolute Höhe der Schulden ist, sondern die Geschwindigkeit mit der sie wachsen. Und die betrug 2011 in Spanien 8% BSP, in Portugal 14,4% BSP (wenn auch wg. Einmaleffekt), in Irland 15,7% BSP und in Deutschland 0,3% BSP.

    Merken Sie was?

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    'popper' sagt
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    Nur der "Deutsche Michel" lässt sich immer wieder einreden, die Schulden seien das Problem. Die Konstruktion der Währungsunion und der EZB sind das Problem, weil besonders Deutschland verhindert, das wirkungsvolle Mittel der Problembeseitigung, nämlich die EZB als Lender of last Resort, eingesetzt werden.
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    Klar wenn die Notenbank als "Lender of last resort" die Schulden der "Spender of first resort" finanziert, dann kann sich das Schuldenkarusell fröhlich weiterdrehen, die Währung inflationieren, realwirtschaftliche Anpassungen können vermieden werden, Staatsschulden und Auslandschulden wachsen wie in USA und Großbritannien solange bis die Chinesen den Stecker ziehen.

    Nur gut, daß wir das nicht so machen.

  • O-Ton 'Handelsblatt'
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    Die Großbanken JPMorgan Chase & Co., UBS AG und die Credit Suisse Group AG haben im zweiten Quartal einen größeren Anteil ihrer Bestände an italienischen Staatsanleihen durch Credit Default Swaps (CDS) abgesichert.
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    Schnee von gestern - das zweite Qartal ist seit 36 Tagen vorbei.

    Futures auf italienische Anleihen an der Eurex implizieren momentan eine Rendite von 6,02%. Das ist ein Spread über Bunds von etwa 4,7%.

    Nicht gerade niedrig, aber auch nicht extrem hoch.

    ++++++++++

    Für jedes CDS-Geschäft der genannten Banken gab es auch einen Kontrahenten.

    Der das Risiko ausreichend bepreist fand.

  • Jein... Wegen Japan und USA bitte mal Sarrazins Buch lesen. Dort beschreibt er es sehr logisch. Schulden sind nicht gleich Schulden. Die Frage ist immer welche Schulden habe ich netto im Ausland. Das ist der Knackpunkt.

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