Ausfallversicherungen
Investoren wetten gegen Frankreich und Deutschland

Die USA sind raus. Jetzt zählen nur noch 18 Mitglieder zum erlesenen Triple-A-Club. Die Investoren spekulieren bereits: Wer fliegt als nächstes? Daran ist auch die EZB nicht unschuldig.
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DüsseldorfDie Bundesrepublik gehört dazu, Großbritannien, Luxemburg, auch die Isle of Man. Sie sind Mitglieder im Club der Staaten, deren Bonität die Ratingagenturen mit der Bestnote "AAA" einschätzen. Doch Investoren wetten bereits darauf, wer der schwächste im Club ist und wer sein Top-Rating verlieren wird. Ein Blick auf die Anleiherenditen und Ausfallversicherungen verrät, wen sie sich ausgesucht haben: Frankreich. Manche Beobachter halten sogar Deutschland für gefährdet.

Nach der Herunterstufung der USA rücke „Kern-Europa“ in den Kreis möglicher Abstiegskandidaten, schrieben die Analysten von Brown Brothers Harriman. Frankreich stehe bereits an der Schwelle zur Herabstufung und der Druck wachse.

Die Preise der sogenannten Credit Default Swaps (CDS), also die Versicherungsprämie gegen den Ausfall von Anleihen, sind im Falle Frankreichs in den vergangenen Tagen auf 161 Basispunkte gestiegen. Anders ausgedrückt: Wer eine Summe von zehn Millionen Dollar für fünf Jahre absichern will, muss dafür jährlich eine Prämie von 161.000 Dollar bezahlen.

Das ist mehr als Anleger für eine Ausfallversicherung von Kolumbien, Malaysia oder Mexiko zahlen müssen. Und es ist deutlich mehr als noch vor wenigen Wochen. Im Juni war die Ausfallversicherung halb so teuer.

Daran ist die Europäische Zentralbank (EZB) nicht ganz unschuldig. EZB-Präsident Jean Claude Trichet kündigte Anfang der Woche an, die Notenbank werde Anleihen aus Italien und Spanien auf dem Sekundärmarkt ankaufen, um diese hochverschuldeten Länder zu stützen. Daraufhin sind nicht nur die Renditen für italienische und spanische Anleihen gesunken, sondern auch die CDS-Prämien. 

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Die Kehrseite der Medaille

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Deutschland ist Teil des Problems

Kommentare zu " Ausfallversicherungen: Investoren wetten gegen Frankreich und Deutschland"

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  • Deutsche Geld-Pumpen sind auch nicht besser.Die zahlen auch immer an die falsche Leute.

  • Schön formuliert.

    Deutschland erhält einen Dummheits-Malus.
    Und ALLE unsere Parlamentarier wünschen noch mehr Malus über die Transferunion (vor allem SPD & Grüne) - vielleicht ist das einer ganz außerordentlichen Beschränktheit dieser Leute angemessen, aber müssen wir alle darunter leiden?

  • Der "Nord-Euro" ist auch so ein Spuk, der insbesondere durch BDI-Präsidenten Olaf Henkel ins Spiel gebracht wurde. Der Witz: Wir hatten ihn doch praktischerweise schon. Die Niederlande, die Schweiz, Österreich und Deutschland hatten doch z.B. schon einmal mehr oder weniger konstante Relationen in ihren Währungenparitäten zueinander. Es bedarf doch nur einer kohärenten Finanz- und Strukturpolitik jeden einzelnen (!) Landes, um diesen Gleichklang herzustellen. Der Vorteil: Jeder Staat bleibt unabhängig auch in seiner Geldpolitik und kann sich strategisch ohne große Anpassungskosten neu ausrichten, wenn dieser es als opportun erachtet. Die ganze Euro-Geschichte ist von Anfang an an den Haaren herbei gezogen und hat sehr viel Unsicherheit und "Moral Hazard" (Moralisches Ausbeuten) in die Finanzwelt gebracht. Alle sollten sich so schnell wie möglich von diesem teueren Experiment verabschieden. Es bleibt eine Grundwahrheit: Ein Land, eine eigene Währung. Alles andere ist Unfug!

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