Banken-Rettung

EZB will Gläubiger zur Kasse bitten

Wer muss für die Rettung spanischer Banken bezahlen? Geht es nach der EZB, werden auch diejenigen zur Kasse gebeten, die sich bislang in Sicherheit wähnten. Zuletzt hatten die Notenbanker noch das Gegenteil behauptet.
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EZB-Chef Mario Draghi. Die Euro-Krise hält sich nicht an Regeln. Quelle: dpa

EZB-Chef Mario Draghi. Die Euro-Krise hält sich nicht an Regeln.

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FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) will bei der spanischen Bankenrettung einem Zeitungsbericht zufolge auch privilegierte Gläubiger bluten lassen. Wie das „Wall Street Journal“ (WSJ) am Montag unter Berufung auf drei Insider berichtete, hat EZB-Chef Mario Draghi auf dem jüngsten Treffen der Euro-Finanzminister gefordert, auch private Anleihehalter mit vorrangigem Gläubigerstatus zum Forderungsverzicht zu zwingen, sollten Banken abgewickelt werden.
Das wäre eine Abkehr von der bisherigen Notenbankposition und ein riskantes Unterfangen, denn es würde vor allem die Investoren treffen, deren Vertrauen die Euro-Retter eigentlich zurückgewinnen wollen. Die EU-Kommission zeigt sich dem Bericht nach wenig aufgeschlossen gegenüber dem EZB-Vorstoß.

Normalerweise stehen die Anleihe-Investoren der sogenannten Senior-Tranche in der Rangordnung der Gläubiger auf einer Ebene mit den Kundeneinlagen. Sie genießen also größtmöglichen Schutz vor Zahlungsausfällen und stehen bei Insolvenzen ganz vorne in der Schlange, um ihre Mittel zurückzuerhalten. Im bisherigen Verlauf der Krise wurden bevorzugte Gläubiger deshalb noch nie zur Kasse gedrängt - selbst bei absoluten Härtefällen wie den irischen Banken blieben sie durch immensen Einsatz von Steuergeldern ungeschoren.
Bislang war die Notenbank stets vehement dagegen, private Investoren zu belasten. So hatte die EZB beispielsweise beim griechischen Schuldenschnitt eindringlich davor gewarnt, auf diese Weise einen Vertrauensverlust an den Finanzmärkten zu riskieren. Damals war es die Politik, die darauf drängte, private Gläubiger mit ins Boot zu nehmen.
Laut „WSJ“ stemmt sich die EU-Kommission dagegen. „Es ist klar, dass vorrangige Gläubiger nicht mit einbezogen werden“, zitiert das Blatt einen Sprecher der Kommission. Die EZB wollte sich auf Nachfrage nicht äußern. Die Notenbank sei bei den spanischen Bankenhilfen lediglich als Berater tätig, sagte ein Sprecher.

In der vergangenen Woche hatten die Pläne zur spanischen Bankensanierung bereits für Empörung bei Kleinsparern gesorgt. Denn Privatanlegern, die in nachrangige Schuldverschreibungen und Vorzugsaktien von spanischen Banken investiert haben, drohen auf jeden Fall Abschreibungen. Diese Papiere wurden in Spanien in großem Stil als Sparprodukte an Kleinanleger verkauft.

Notenbank: Eine Halde für Schrottpapiere?

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14 Kommentare zu "Banken-Rettung: Notenbanker wollen Gläubiger zur Kasse bitten"

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  • ...hätten aber vorher die Banken nicht diese "Schuldscheine" von Pleitestaaten gekauft, mit lächerlichen Zinssätzen, wäre es nicht so weit gekommen.

    Die Griechische Regierung zB hätte früher Massnahmen zur Konsolidierung der Staatsfinanzen einleiten müssen und niemand hätte die Banken später retten müssen.

    Die Banken haben also Schuldnern katastrophaler Bonität Geld gegeben. Warum? Noch interessanter: Wohin ging das Geld dann? In Obst für die griechischen Kinder? Oder zB in Panzer für den Staat - wodurch das Geld dann letztlich bei irgendwelchen Konzernen landete.

    In der Kürze: Das Geld der Banken ging an irgendwelche internationalen Konzerne und die Steuerzahler dürfen das jetzt bezahlen.

    Das ist doch alles hoch mafiös!

  • "Bislang war die Notenbank stets vehement dagegen, private Investoren zu belasten."

    ... die Satz ist ein Skandal! Ist das eigentlich jedem klar?

    Hier wird die Hochfinanz geschützt zu Lasten der Hartz4-Empfänger.

  • Die Geldhaie werden verschont und den Kleinanlegern drohen Abschreibungen! So schaut dann die Gerechtigkeit aus ... Geld geht zum Geld und nichts wird sich ändern, weil genau diese Geldhaie haben doch die Krise herbeigeführt, weil diese sich hochgradig verspekuliert haben! Jetzt werden diese noch dafür belohnt! Der kleine Mann schaut wieder in die Röhre!

  • Sehr gute Idee mal wieder... Nachdem "Mutti" bereits die EUR-Staatsanleihen durch den "freiwilligen" Schuldenschnitt von muendelsicheren Anlagen zu Zocker-Papieren degradiert hat (mit dem Effekt: Milliarden-Verluste bei den Banken, hoehere Renditen, neue Rettungsmassnahmen) muss jetzt auch das Vertrauen in erstrangige Bank-Anleihen zerstoert werden, um die Krise zu verschaerfen. Weniger/teureres Geld fuer die Banken = weniger/teureres Geld fuer die Kunden, weniger Investitionen/Konsum, weniger Arbeitsplaetze, weniger Steuern...

  • @sprocki
    Natürlich verfügen nur die Gläubiger über das notwendige Geld zur Rettung der Staaten und Banken.
    Die bevorzugten "Rettungsmittel" : Umwandlung von Fremdkapital in Eigenkapital, Umschuldung mit Reduzierung der Zinslast etc. und als letzte "Rettungstat" : Die Abschreibung der Forderung !
    Betroffen sind eben in der Hauptsache nicht die sogenannten "Kleinsparer" sondern eher die Hochfinanziers, die das Geld ihrer vermögenden Klientel anlegen.
    Wollen Sie mit ihren gezahlten Steuern deren Geld "retten" ? Das können Sie tun, aber bitte alleine.

  • Da wird sich Europa bestimmt schnell einig da die größten Geldgeber in Spanien die Deutschen Banken sind . In Griechenland sollen es die Französichen Banken gewesen sein .

  • Die Gläubiger verfügen eben nicht über das Geld, denn sie waren ja so blöd, es zu verborgen...

    Grundsätzlich halte ich es trozdem für sehr vernünftig, wenn die, die Geld verleihen auch prüfen müssen, ob sie das Geld zurückbekommen. Wenn nun sogenannte "Kleinsparer" ernsthaft behaupten, sie hätten nichts von Risiken gewusst, wenn sie in NACHrangige Anleigen investieren, ist das nur noch grotesk. Die sollten schon für mangelnde Intelligenz zur Kasse gebeten werden.

  • Klar müssen die Debt-Equity-Swaps her, und nichts anderes.

    Im Prinzip müsste ja jeder sagen: Großartig, dann lasst uns einfach zwei Eurosysteme machen. Den Weich-Euro und den Hart-Euro, was viel für sinnvoll halten. Aber leider wären gewisse Kreise damit nicht zufrieden.
    Investoren, die in den Ländern investiert haben, z.B. Immos, würden einen ABschlag hinnehmen müssen. Z.B. sind viele Engländer in Portugal und Spanien investiert. Werten diese Länder dann ab, dann kan GB nur noch rudern, die PIIGS wären dann wieder konkurenzfähig.
    Deutschland würde auch rudern, aber irgendwie könnte man das schon noch auffangen. Und schließlich würde ein Absatzmarkt wegfallen für GB, USA, auch für DB bzw. er würde schrumpfen.

    Aber Schrumpfen ist die einzige Möglichkeit. Es gab zu viel künstliches unechtes Wachstum, die sog. Finanzindustie ist ein riesiger Wasserkopf. Aus solch einer Situation kann man auch nicht herauswachsen, z.B. durch Inflation.
    Die Finanzindustrie und die Schattenwirtschaft ist nicht in der Lage, eine Inflation anzukurbeln; nicht mal das geht.

  • @Ulrich62
    Das ist doch alles ein irrsinniges System.
    Man stelle sich das vor :
    Der Steuerzahler leiht sich bei einer Bank Geld und verleiht dieses Geld an einen Pleitier. Dieser Pleitier bezahlt mit dem Geld des Steuerzahlers einen Kredit bei der Gläubigerbank des Steuerzahlers.
    Zugunsten der Bank erfolgte ein Austausch des bankrotten Kreditnehmers durch einen Kreditnehmer guter Bonität und der zahlt der Bank die Zinsen.
    Der Steuerzahler kann dann eher früher als später die Forderung an den Pleitier incl. Zinsen abschreiben.
    Sagen wir es radikal : Ein Manager, der in der Privatwirtschaft wie der Steuerzahler handeln würde, würde "zum Mond" geschossen und das mit voller Berechtigung.
    Es ist einfach unfaßbar, dass dieses System dem Steuerzahler von der Politik als "Rettungstat" verkauft werden kann.
    Nur und wirklich nur die Gläubiger haben das Geld, um Staaten und Banken zu retten !!!!!
    Ist es so schwer, DAS zu begreifen ??

  • Man braucht in manchen Kreisen sehr lange, um sich an die Wahrheit zu gewöhnen.
    Nur die Gläubiger verfügen über das notwendige Geld zur Rettung der Staaten und Banken !!!!

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