Banken stellen Kunden wieder An- und Verkaufskurse für Rheinboden-Papiere
AHBR-Krise sorgt für Diskussionen am Markt für Jumbo-Pfandbriefe

Die Krise der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) hat die Diskussionen um das so genannte Market Making bei Jumbo-Pfandbriefen wieder aufflammen lassen.

cü FRANKFURT/M. Unter Market Making versteht man das Stellen von An- und Verkaufskursen in engen Spannen. Bei Jumbo-Pfandbriefen ist die Verpflichtung dazu ein zentrales Verkaufsargument.

Jumbo-Pfandbriefe sind mit Hypotheken- oder Staatskrediten gedeckte Anleihen über mindestens eine Mrd. Euro. Pfandbriefe gelten als sehr sicher. Die AHBR ist mit Jumbos über 37,4 Mrd. Euro der drittgrößte Emittent an diesem über 610 Mrd. Euro schweren Markt.

In der vergangenen Woche hatte der Verkauf der Bausparkasse BHW durch die Gewerkschaftsholding BGAG an die Postbank Ängste vor einem Zusammenbruch der AHBR geweckt. Die BHW hielt 49 Prozent an der AHBR, die in eine separate Gesellschaft ausgegliedert wurde.

Die Kurse der AHBR-Jumbo-Pfandbriefe fielen daraufhin deutlich. Die Banken stellten das Market Making untereinander ein. Selbst gegenüber Kunden wurden nur vereinzelt Preise gestellt. Dies hatte Henning Rasche, Vorstand der Eurohypo – des größten Jumbo-Emittenten – scharf kritisiert. Am Freitag verkündeten daraufhin die Eigentümer der Eurohypo – Deutsche Bank, Commerzbank und Dresdner Bank – sowie die Hypo-Vereinsbank in einer gemeinsamen Presseerklärung, dass sie den Kunden jetzt wieder Preise stellten. Zum Teil hätten sie das auch schon vorher getan. Kurze Zeit später vermeldete auch die DZ Bank, dass auch sie von Anfang den Investoren Jumbos abgekauft habe.

Für die AHBR-Pfandbriefe fanden sich am Freitag wieder Käufer, so dass sich die Kurse erholten. Bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sagte ein Investmentbanker, dass es eine Selbstverständlichkeit sei, den Kunden Kurse zu stellen. Die Presseerklärungen bezeichnete er deshalb als „Marketing-Gag“.

Wann auch die Banken untereinander wieder das Market Making aufnehmen, bleibt abzuwarten. „In einem extrem schwierigen Umfeld wie derzeit sind feste Geld-Brief-Spannen für die Händler nur schwer zu halten, so dass als Notbremse das Market Making eingestellt wird“, sagte Ralf Grossmann, Pfandbriefanalyst bei Ixis Corporate and Investmentbank. Eine Lösung sei möglicherweise, die An- und Verkaufsspannen nicht mehr so eng zu definieren. Abgesehen davon sei die Diskussion um das Market Making angesichts der Krise um die AHBR eher ein „Kurieren am Symptom“.

Der Verband deutscher Pfandbriefbanken (VDP) will das Thema Market Making in der kommenden Woche im Pfandbriefausschuss erörtern. Der VDP gilt als wichtigste Lobby-Vereinigung für Pfandbriefe. Als erste öffentlich-rechtliche Bank wird jetzt die LBBW dem VDP beitreten, der früher als Verband deutscher Hypothekenbanken (VDH) firmierte. „Wir sind zuversichtlich, dass wir demnächst noch weitere Mitglieder aus dem öffentlich-rechtlichen Sektor bekommen“, sagte Louis Hagen, Hauptgeschäftsführer des VDP, dem Handelsblatt.

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