Bankenbonds
Ein Vertrauensbeweis für Anleihen – mehr nicht!

Der Bund will im Rahmen seines Rettungspakets unter anderem bestimmte Bankenanleihen garantieren. Experten zweifeln aber daran, dass viele Banken die geplanten Garantien für neue Anleihen nutzen werden.

Nur wenige Banken werden nach Meinung von Experten die geplanten Garantien der Bundesregierung nutzen, um neue garantierte Bankenbonds zu begeben. Im Rahmen des Finanzmarktstabilisierungsgesetz, das in den nächsten Tagen verabschiedet werden soll, will der Bund bis Ende 2009 unter anderem neu ausgegebene vorrangige Bankenanleihen mit Laufzeiten von bis drei Jahren garantieren. Für die Garantie sollen die Banken eine Gebühr von mindestens zwei Prozent des emittierten Volumens zahlen. Ähnliche Pakete sind in anderen Ländern geplant.

"Die Gebühr von zwei Prozent ist sehr hoch und wird viele Banken davon abhalten, die geplanten Garantien zu nutzen", sagt Jörg Birkmeyer, Leiter des Researchs für Bankenanleihen bei der DZ Bank. Auch die Kreditexperten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) kritisieren die geplanten Gebühren in einer Studie als "deutlich zu hoch". Außerdem sehen sie die Gefahr, dass die Inanspruchnahme der Garantien vom Markt als "negatives Signal" - also als händeringende Suche nach Kapital - interpretiert werden könnte. Dies würde nur vermieden, wenn der gesamte deutsche Bankensektor garantierte Anleihen begeben würde. Dies sei aber nicht abzusehen.

Die Gebühren für die Garantie würden die Anleihen nach Ansicht von Birkmeyer so teuer machen, dass Banken über die Refinanzierung voraussichtlich ein Minusgeschäft machen würden. Denn auch mit Garantie müssten die Banken für ihre Anleihen wohl mehr Rendite als der Bund für seine Bonds bezahlen. Gründe dafür seien, dass Bankenanleihen nicht so liquide wie Bundesanleihen sind und Investoren daher einen Aufschlag (Liquiditätsprämie) für alle Anleihen forderten, die nicht ganz direkt vom Bund kommen, sondern nur durch ihn garantiert werden. So muss zum Beispiel die staatliche KfW Bankengruppe für ihre Anleihen Renditeaufschläge von etwa einem halben Prozentpunkt im Vergleich zu Bundesanleihen zahlen. Die Aufschläge für Anleihen europäischer Banken haben sich seit Anfang September nochmals mehr als verdoppelt und liegen bei im Schnitt 2,6 Prozentpunkten über Bundesanleihen. Seit über sechs Wochen haben Banken angesichts der hohen Risikoprämien und der Unsicherheit der Investoren keine neuen Bonds mehr platziert.

Fachleute gehen aber davon aus, dass die geplante Garantie generell die Renditen und Risikoaufschläge, die Banken für ihre Anleihen zahlen müssen, senken werden. "Die Maßnahmen zielen vor allem darauf ab, das Vertrauen wiederherzustellen", erklärt Birkmeyer. Denn inzwischen gehe es vor allem um die Frage, ob Banken im Zweifelsfall noch genügend Liquidität bekommen. Dies sei durch die Garantien gesichert.

Jim Reid, leitender Kreditstratege bei der Deutschen Bank, geht ebenfalls davon aus, dass die Risikoaufschläge von Bankenbonds zurückgehen werden. Hauptgrund dafür sei, dass die Regierungen jetzt mehr oder weniger explizit alles täten, um den weiteren Ausfall einer wichtigen Bank zu verhindern. Gleichzeitig erwartet Reid, dass Investoren für Staatsanleihen künftig höhere Renditen verlangen, weil die Staaten durch die Garantien enorme Bürden zu tragen hätten.

Peter Müller, leitender Zinsstratege bei der Commerzbank, sieht dies anders: "Auf absehbare Zeit werden die Konjunkturrisiken noch dafür sorgen, dass die Flucht in ausfallsichere Staatsanleihen anhält". Dies sollte dafür sorgen, dass auch die Renditen von Staatsanleihen noch moderat zurückgehen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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