Bankenrettung
Irland bittet alle Gläubiger zur Kasse

Die irische Regierung macht Ernst: Nach den Besitzern nachrangiger Anleihen sollen sich auch erstrangige Gläubiger an der Sanierung irischer Banken beteiligen – freiwillig. Wie diese Beteiligung aussehen könnte, ist allerdings noch unklar.
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LONDON. Irland könnte doch mehr Anleihegläubiger für die Rettung seiner angeschlagenen Banken in die Pflicht nehmen als bisher angekündigt. Finanzminister Brian Lenihan machte klar, dass inzwischen auch eine Beteiligung der Besitzer vorrangiger Anleihen (Senior Bonds) der in Schieflage geratenen Banken Anglo Irish und Irish Nationwide denkbar sei. Dabei gehe es allerdings um freiwillige Vereinbarungen mit den Gläubigern.

"Wenn die Banken Gespräche mit Investoren zu einem beiderseitigen Vorteil suchen, würde ich diese Gespräche unterstützen", sagte Lenihan. Die verstaatlichten Banken müssten die Initiative für solche Verhandlungen allerdings selbst ergreifen, das sei nicht Aufgabe der Politik.

EU muss einer Beteiligung der Anleiheinvestoren zustimmen

In der irischen Bevölkerung ist die Wut groß über die enormen Summen, die die Regierung in die Sanierung ihrer von der Finanz- und Immobilienkrise gebeutelten Banken stecken muss. Deshalb hatte Irland in der vergangenen Woche angekündigt, die Gläubiger von nachrangigen Bankenanleihen an der Rettung zu beteiligen.

Noch ist unklar, wie diese Beteiligung aussehen soll, eine Möglichkeit wäre, dass die Banken die Papiere mit einem Nominalwert von 2,4 Mrd. Euro schon bald mit einem Abschlag zurückkaufen. Eine andere Möglichkeit wäre, dass ein Teil der nachrangigen Schulden der Institute in Eigenkapital umgewandelt wird.

Dazu muss die irische Regierung aber zunächst ein Gesetz erlassen, dem die EU zustimmen muss. Wann und zu welchem Preis die Anleihen zurückgekauft werden, ist noch völlig unklar. An den Börsen aber steigt seit vergangener Woche die Nervosität. Die Kurse der nachrangigen Anleihen der Anglo Irish und Irish Nationwide fielen um bis zu 80 Prozent.

Besitzer vorrangiger Anleihen könnten später ausbezahlt werden

Eine Beteiligung der Gläubiger vorrangiger Anleihen an den Verlusten hat Irland dagegen mehrfach ausgeschlossen, um die internationalen Investoren nicht zu vergraulen. "Ein von der EU erlaubter Rückkauf mit Abschlag wäre ein sehr negatives Signal für den gesamten Senior-Bond-Markt", sagt Michael Cummins, Direktor der Bankenanleihen-Analyse beim irischen Anleihespezialisten Glas Securities in Dublin. "Das könnte Panik unter den Investoren auslösen und eine Verkaufswelle lostreten."

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  • @ A. Prenden : Ja klar, uns wird dann gleich zweimal in die Taschen gegriffen, von innen und von außen und wir müssen das Maul halten, weil wir den Krieg verloren haben. Es wäre Zeit, den alten Politfilz abzustreifen, den Euro aufzugeben und sich von der EU zu trennen. Erst dann kann sich Deutschland neue, zu ihm passende Partner suchen.
    Nehmen wir uns die Schweiz zum Vorbild, die keine Gelder über brüssel verlustreich umleiten und noch zuschießen muß, um ihre eigene nationale Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie zu erhalten - und siehe: Es funktionert und wird weiter funktionieren bei Vollbeschäftigung und Fachkräftezuwanderung aus zivilisierten Ländern ohne Terrorismushintergrund!
    ...

    Nun warten wir ab, was uns demnächst die Griechen und Portugiesen offenbaren... - wir können leider nicht sagen: "Güatsi - moachts guat!"

  • Aha, Panik bei den investoren also. Was ist denn mit den enormen Schulden die dann auf den bürgern lasten, haben die denn keinen Grund zur Panik? Was spielt denn der nicht demokratisch legitimierte EU-Apparat für eine Rolle? Uns Deutschen steht das große Endpsiel ja noch bevor.

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