Berlin nimmt 1,75 Milliarden Euro auf
Neue Anleihen treffen auf rege Nachfrage

Berlin und die Allgemeine Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) standen gestern im Blickpunkt des Marktes für neue Bonds. Berlin begab eine zehnjährige Anleihe über 1,75 Mrd. Euro und die AHBR einen mit Hypotheken gedeckten fünfjährigen Jumbo-Pfandbrief über 1,5 Mrd. Euro.

FRANKFURT/M. Beide Emissionen waren laut Bankern mit Kaufaufträgen über jeweils rund 2,3 Mrd. Euro sehr gefragt. Nach der Emission stiegen die Kurse beider Papiere leicht, und die Renditeaufschläge sanken. Das große Interesse lag auch daran, dass beide Emissionen etwas höhere Renditen als vergleichbare Anleihen bzw. Jumbo-Pfandbriefe boten. Zudem ist die Sommerflaute am Primärmarkt erst jetzt beendet, und Investoren haben viel Liquidität.

Die zehnjährige Berlin-Anleihe, die von Deutscher Bank, Hypo-Vereinsbank (HVB) und Merrill Lynch als Konsortialführer betreut wurde, bot bei der Emission einen Risikoaufschlag von 0,118 Prozentpunkten auf die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe. Trotz hoher Verschuldung bewertet die Ratingagentur Fitch Berlin – wie alle Bundesländer – auf Grund des Länderfinanzausgleichs mit dem Spitzenrating „AAA“. Moody’s sieht Berlin mit „Aa3“ drei Stufen unter der Höchstnote.

Insgesamt gab es für den Berlin-Bond über 110 einzelne Kaufaufträge. 53 Prozent des Emissionsvolumens wurden in Deutschland platziert, 14 Prozent in Großbritannien und Irland, 3,5 Prozent in Asien. 70 Prozent der Investoren waren Banken; Fonds und Zentralbanken nahmen 9,5 bzw. neun Prozent. Ursprünglich wollte Berlin 1,5 Mrd. Euro begeben, stockte das Volumen angesichts der großen Nachfrage jedoch auf.

Das galt auch für den Jumbo-Pfandbrief der AHBR, der mit einer Mrd. Euro angekündigt worden war. Der fünfjährige AHBR-Jumbo bot einen Aufschlag von 0,205 Prozentpunkten über der etwas kürzer laufenden Bundesobligation. Die AHBR steht zum Verkauf und gilt als die schwächste Hypothekenbank in Deutschland. Die Ratingagentur Standard & Poor’s bewertet die Hypothekenpfandbriefe der AHBR mit „AAA“, Moody’s mit „Aa3“. Pfandbriefe haben wegen ihrer großen Sicherheit stets bessere Ratings als die Emittenten. Nach Angaben der Konsortialführer Barclays Capital, DZ Bank und HVB gab es für den AHBR-Jumbo 130 einzelne Kaufaufträge. Knapp ein Drittel der Emission ging nach Deutschland, 21 Prozent nach Skandinavien, 15 Prozent nach Großbritannien und Irland und neun Prozent nach Asien. Banken nahmen 45 Prozent der Emission, Fonds 25 Prozent und Zentralbanken 14 Prozent.

Beide Emissionen wurden am oberen Ende der zuvor angekündigten Spanne gepreist. Für Berlin und die AHBR war die Refinanzierung angesichts des weiter historisch niedrigen Niveaus der Kapitalmarktzinsen dennoch günstig. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe zog gestern leicht an und erreichte 3,10 Prozent. Der Terminkontrakt Bund-Future verlor 0,20 Prozentpunkte auf 124,01 Prozent. Händler sprachen angesichts des sinkenden Ölpreises von Gewinnmitnahmen. Dennoch wird nicht ausgeschlossen, dass der Bund-Future erneut sein Allzeit-Hoch von 124,60 Prozent vom vergangenen Freitag in Angriff nimmt.

In den USA rentierten zehnjährige Staatsanleihen mit 4,14 Prozent deutlich höher als am Vortag. Das Kursplus der US-Anleihen wurde von den im zweiten Quartal um 2,5 Prozent gestiegenen Lohnstückkosten kaum gebremst. Volkswirte hatten ein Plus von 1,8 Prozent erwartet.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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