Berlusconi-Streit
Italien muss erneut höhere Zinsen zahlen

Die drohende Regierungskrise in Italien schwebt immer noch über dem Kapitalmarkt. Italien muss deswegen Investoren erneut mehr Zinsen bieten, um sich am Kapitalmarkt Geld zu leihen.
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MailandSchlechte Nachrichten für Italien: Der hoch verschuldete Staat muss wegen der drohenden Regierungskrise so hohe Zinsen zahlen wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Ein überraschender Rückgang der Industrieproduktion lässt zudem befürchten, dass die hartnäckige Rezession im dritten Quartal anhält. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte die Führung in Rom vor einer Abkehr vom Reform- und Konsolidierungskurs.

Bei der Versteigerung einer dreijährigen Staatsanleihe mussten Investoren am Donnerstag mit einer Rendite von 2,72 Prozent gelockt werden, wie das Finanzministerium in Rom mitteilte. Bei der vorigen Auktion im Juli lag sie bei lediglich 2,3 Prozent. Die Prämie bleibt dennoch deutlich unter den Höchstständen von mehr als fünf Prozent, die das Land im Sommer 2012 berappen musste.

Die Versteigerung spülte vier Milliarden Euro in die Staatskasse, weitere 1,5 Milliarden Euro kamen bei der Auktion einer 15-jährigen Anleihen zusammen. Hier kletterte die Rendite von 2,33 auf 4,88 Prozent, den höchsten Stand seit März. "Es gibt zwar keine Anzeichen für Panik am italienischen Rentenmarkt", sagte der Kapitalmarkt-Stratege Nicholas Spiro. "Aber die Anspannung zeigt sich."

Grund für die höheren Risikoaufschläge ist die instabile politische Lage - die Entscheidung über die Zukunft des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi hängt weiter in der Luft. Sollte Berlusconi wegen seiner Steuersünden aus dem Parlament ausgeschlossen werden, könnte die Koalitionsregierung platzen.

Fragil ist auch die Konjunktur. Die Industrieproduktion schrumpfte im Juli überraschend um 1,1 Prozent zum Vormonat. Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im November 2012. Von Reuters befragte Ökonomen hatten ein Plus von 0,3 Prozent erwartet. "Die italienische Wirtschaft ist wirklich gebrechlich", sagte Deutsche-Bank-Analyst Marco Stringa. "Die Chancen für eine Erholung stehen daher schlechter als im Rest der Euro-Zone."

Angesichts der neuen Unsicherheiten ermahnte der IWF die Regierung, am Konsolidierungskurs festzuhalten. "Italien hat wichtige Fortschritte bei Reformen und der Haushaltsdiziplin gemacht. Es ist wichtig, dass diese Fortschritte erhalten bleiben", sagte ein Sprecher.

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion war im zweiten Quartal um 0,3 Prozent und damit das achte Mal in Folge geschrumpft. Das ist die längste Durststrecke der Nachkriegszeit. Arbeitsminister Enrico Giovannini bekräftigte jedoch, die Rezession werde im zweiten Halbjahr beendet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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