Besseres Ergebnis
Wandelanleihen machen Aktien Konkurrenz

Die wenig beachteten Zinspapiere haben sich rückblickend über einen langen Zeitraum besser als herkömmliche Anleihen und Dividendentitel geschlagen. Experten sehen Wandelanleihen deshalb als attraktive Alternative zu Aktien.
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FRANKFURT. Wandelanleihen stehen nicht besonders im Fokus privater Anleger: Die Bewertung der Papiere – einer Mischform aus Aktien und Anleihen – ist kompliziert, die Mindestanlagesumme für ein einziges Papier liegt oft bei 100 000 Euro und mit einem Gesamtvolumen von 600 Mrd. Dollar ist der Markt wesentlich kleiner als der für Aktien oder Unternehmensanleihen. Somit führen Wandelanleihen ein gewisses Nischendasein.

Wandler machen Verluste der Aktien meist nur zu einem Drittel mit

Zu Unrecht, meint Michael Prinz zu Salm-Salm, dessen Vermögensverwaltung Salm-Salm und Partner sich auf die auch Convertibles genannten Papiere spezialisiert hat: „Über die vergangenen 15 Jahre hinweg haben sich Wandelanleihen besser als Aktien, Unternehmensanleihen und Staatsanleihen entwickelt.“

Entscheidend sei dabei die Asymmetrie der Papiere. „Bei einer Betrachtung über mindestens drei Jahre gilt als Faustregel, dass die Wandler zwei Drittel des Kursanstiegs einer Aktie mitmachen, aber nur ein Drittel des Verlustes“, meint Prinz zu Salm-Salm.

Begründet ist diese Entwicklung durch die Natur der Wandelanleihen. Sie sind festverzinsliche Wertpapiere, die am Ende der Laufzeit zu 100 Prozent zurückgezahlt und während der Laufzeit verzinst werden. Dabei sind die Zinsscheine in der Regel niedriger als bei herkömmlichen Unternehmensanleihen. Dafür haben Anleger die Option, die Wandelanleihe während der Laufzeit in Aktien des emittierenden oder auch eines anderen Unternehmens zu tauschen.

Der Tauschkurs wird bei der Emission der Convertibles festgelegt und liegt zu diesem Zeitpunkt über dem Kurs der Aktie. Der Tausch in Aktien lohnt sich für die Investoren, wenn der Kurs des zugrunde liegenden Dividendentitels so stark steigt, dass es ihn über die Wandlung günstiger gibt als über den Kauf an der Börse. Institutionelle Anleger setzen jedoch oft gar nicht auf die Wandlung, sondern nur auf die Kurssteigerungen der Wandelanleihen.

Für Christian Humlach, Produktspezialist bei der auf Wandelanleihen spezialisierten Convert Invest, eignen sich Wandelanleihen als „sanfter Einstieg“ in den Aktienmarkt. Wandelanleihen hätten sich zwar schon gut entwickelt, aber durchaus noch Chancen. Diese sieht Humlach vor allem durch das Potenzial in den Aktienmärkten begründet: „Die jetzt anlaufende Quartalssaison zeigt erneut, dass viele Unternehmen solide dastehen.“ An den Aktienmärkten spiegele sich das angesichts der Unsicherheiten über die konjunkturelle Entwicklung und die Krise in den Euro-Schuldenländern noch zu wenig wider. „Von daher sind Wandelanleihen gerade für die Investoren attraktiv, die über Aktien in Sachwerte investieren wollten, denen ein Direktinvestment in Aktien aber zu unsicher ist“, sagt Humlach.

Prinz zu Salm-Salm rät Anlegern, mindestens zehn, besser 30 Prozent ihres Portfolios in Wandelanleihen zu investieren. Für Privatanleger empfiehlt sich dabei der Kauf von Fonds. Prinz zu Salm-Salm persönlich ist von Convertibles so überzeugt, dass er weit mehr als 30 Prozent seines liquiden Privatvermögens in den Papieren angelegt hat.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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