Bill Gross
Abkehr von US-Anleihen zahlt sich (noch) nicht aus

Bill Gross hat die Finanzwelt in Aufruhr versetzt. Der Anleiheinvestor der Allianz-Tochter Pimco kündigte an, alle US-Staatsanleihen aus dem Depot zu verbannen. Bislang jedoch war das keine gute Idee.
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DüsseldorfEs war ein Misstrauensvotum gegen die US-Regierung und deren Schuldenpolitik. Als Bill Gross im Februar ankündigte, er habe alle US-Staatsanleihen verkauft, sorgte er damit für einen mittleren Erdrutsch. Bill Gross ist nicht irgendwer - der Manager bei Pacific Investment Management (Pimco) ist vielleicht der einflussreichste Anleiheinvestor der Welt. Gross bewegt die Märkte.

In der Vergangenheit lag er öfter richtig als falsch. Die Entscheidung, auf US-Anleihen zu verzichten, hat sich bis jetzt allerdings nicht ausgezahlt. Sein Total Return Fund mit einem Volumen von 243 Milliarden Dollar verzeichnet dem Datenanbieter Bloomberg zufolge seit Februar gerade mal einen Zuwachs von 2,52 Prozent. Andere haben in dieser Zeit deutlich mehr verdient. Gross liegt nur im Durchschnitt - für ihn noch kein Grund die Nerven zu verlieren. "Ich bedauere nichts", sagte Gross in einem Interview mit Bloomberg News am Mittwoch in Chicago. "Wir haben den Markt um 50 Basispunkte geschlagen. Wir sind nicht völlig zufrieden, aber es ist keine negative Schlagzeile." Gross denkt langfristig, bleibt bei seiner Einschätzung, dass die seit 30 Jahren anhaltende Rally bei US-Staatsanleihen vorüber ist.

Damit steht Gross nicht alleine da. "Wir würden an eine haushaltspolitisch unverantwortliche Organisation mit unattraktiven realen Renditen kein Geld ausleihen", sagt Thomas Atteberry, Vermögensverwalter bei First Pacific in Los Angeles, gegenüber Bloomberg.

Aber es gibt auch kritische Stimmen. "Er hat die Rally verpasst", sagt Edward Lashinski, Anleihe-Stratege bei ABN Amro. "Letztendlich mag er Recht haben. Doch selbst der smarteste Investor liegt nicht immer richtig. Gross hat die Aussichten für kurzfristig niedrigere Treasuries-Renditen deutlich unterschätzt", erläutert er.

Dass Gross gar keine Staatsanleihen mehr hält, ist übrigens nicht ganz richtig. Bei der Veröffentlichung der Zahlen im vergangenen Monat war die Kategorie "Staatsanleihen und ähnliches" im Total Return Fund bei noch mit einem Anteil von minus vier Prozent geführt worden. Allerdings fielen in diesen Bereich auch Swaps und andere Investments, die nun erstmals in einer eigenen Kategorie gelistet und mit minus neun Prozent angegeben werden. In der Kategorie Staatsanleihen wird gleichzeitig der Anteil von US-Staatsanleihen mit fünf Prozent ausgewiesen.

Kommentare zu " Bill Gross: Abkehr von US-Anleihen zahlt sich (noch) nicht aus"

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  • US Bonds, die kaum Zinsen bringen, braucht niemand im Depot.

    Wie kann also Pimco da falsch liegen?

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