Bill Gross Bondkönig unter Wasser

Der Einbruch an den Anleihemärkten fordert ein prominentes Opfer: Bill Gross. Der berühmte Investor, genannt „Bondkönig“, hat die Rechnung ohne die Fed gemacht. Er verliert Milliarden. Droht ihm jetzt der Untergang?
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Bondkönig unter Wasser: Im Juni hat der Fonds von Bill Gross fast zehn Milliarden an Kundengeldern verloren. Quelle: Getty Images

Bondkönig unter Wasser: Im Juni hat der Fonds von Bill Gross fast zehn Milliarden an Kundengeldern verloren.

(Foto: Getty Images)

Vor seinem Leben als Anleihemanager war Bill Gross ein Seemann. Allerdings kein besonders Guter. Einmal brachte er sein Schiff in der südchinesischen See an den Rand des Kenterns. Als er schließlich den Dienst bei der US Navy quittierte, war das ein Segen für die Seeschifffahrt. Das sagt er selbst. Die alten Geschichten sind lange her. Doch in diesen Tagen holt ihn die Vergangenheit ein. Gross ist in Seenot geraten.

Bill Gross darf von sich behaupten, dass er zu den erfolgreichsten Investoren der Welt zählt. Seine Verdienste haben Gross den Spitznamen „Bond King“ eingebracht, zu deutsch: „König der Anleihen“. Er hat Pacific Investment Management Co., kurz Pimco, gegründet. Die Gesellschaft ist der mächtigste Anleiheinvestor der Welt, sozusagen der Supertanker auf dem Kapitalmarkt. In den vergangenen Wochen brach jedoch ein Sturm los, der Gross und Pimco mit voller Breitseite erwischte. Weltweit stürzten die Kurse von Anleihen ab. Der Pimco Total Return Fund, der weltgrößte Anleihefonds, verlor im Juni Kundengelder in Höhe von 9,9 Milliarden Dollar. Damit verfügt der Fonds noch über 268 Milliarden Dollar.

„Was vermeintlich alte Hasen wie meine Wenigkeit nicht ahnten, war, dass alle Anleihen – und ja, auch Aktien – Gefahr liefen, durch einen perfekten Sturm zum Kentern gebracht zu werden“, schreibt Gross in seiner Kolumne.

Bill Gross, der "Bond-König" von Pimco, prophezeit eine Zeitenwende. Quelle: dapd

Bill Gross, der "Bond-König" von Pimco, prophezeit eine Zeitenwende.

(Foto: dapd)

Gross hat den Sturm nicht kommen sehen, genauer gesagt: Er hat ihn von anderer Seite erwartet. Damit war er zwar nicht allein. Weltweit waren Investoren in den vergangenen Wochen über Bord gegangen. Aber Gross erwischte es besonders schlimm. Nach Daten von Bloomberg liegt er in diesem Jahr hinter 87 Prozent seiner Wettbewerber zurück.

Auslöser für den Absturz war Ben Bernanke. Der Chef der US-Notenbank hatte Ende Mai angedeutet, dass die Federal Reserve ihr Anleihekaufprogramm – monatlich 85 Milliarden Dollar – noch in diesem Jahr zurückfahren könnte. Zumindest war es das, was die Investoren in seine Worte hineininterpretierten. Sofort setzen Spekulationen ein, dass auch Zinserhöhungen nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen seien, sollte sich die US-Wirtschaft weiter erholen.

In Erwartung, dass die Zinsen tatsächlich steigen könnten, wollte keiner auf niedrig verzinsten Papieren sitzen bleiben. In vorauseilender Panik trennten sich die Anleger von Anleihen, rund um den Globus. Besonders stark waren die Verluste mit Papieren aus Schwellenländern, aber auch US-Staatsanleihen fielen deutlich.

„Während dieser Schritt der US-Notenbank im Nachhinein besser zu verstehen oder sogar lobenswert sein dürfte, versetzte er die Märkte ohne Zweifel in Panik“, schreibt der Investor. Dabei hatte Gross durchaus geahnt, dass sich auf dem Anleihemarkt etwas zusammenbraute. Bereits Anfang des Jahres warnte er vor einem Crash am Anleihemarkt, oder - wie er es damals ausdrückte - einer „Supernova-Kreditexplosion“. Als Risiko betrachtete der Manager die Geldpolitik, insbesondere in Amerika.

Wette auf Inflation geht schief
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13 Kommentare zu "Bill Gross: Bondkönig unter Wasser"

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  • Es ist auch Blödsinn. Die Umlaufrendite ist in der letzten Woche dynamisch noch oben ausgebrochen und hat damit bei den Langläufern die Zinswende eingeläutet. Die Renditen werden steigen und die Notenbanker sind mittlerweile machtlos. Draghi kann erzählen, was er will. Der Anleihemarkt wird dem Zinsmanipulator in die Knie zwingen. Was will der arme Fritze denn machen. Negative Zinsen auf Spareinlagen? Dann gibt es einen Bank-Run. Will er auch noch alle Langläufer in die EZB Bilanz aufnehmen? Dazu ist der Anleihemarkt einfach zu gross. Wie man es dreht und wendet. Die EZB und auch die FED kommen aus diesem selbstverschuldeten verfahrenen Situation nicht mehr raus. Das wird für uns alle sehr bitter enden. Man sollte einen Teil seines Geldes in Form von Edelmetallen in Sicherheit bringen, solange es noch geht.

  • Erst lese ich mir den ganzen Müll durch.
    Sehr anstrengend.
    Dann bastelt sich der kleine Handwerker seine Meinung.
    Dann tue ich immer das, was ich persönlich für richtig halte.
    Klappt meistens, ab und zu gibt's was auf die Nase.
    Da bleib'n wir dabei ;-)

  • ... und in Short Bund ETFs darf er wohl nicht anlegen.

  • Machen wir uns nichts vor: Die von ihm und PIMCO verwalteten Fonds (primär Pensionsfonds) sind doch schon längst geplündert und leer. Es werden nur noch ungedeckte Fiktivwerte hin und her geschoben.

  • Soll jemand heute für rd. 4% effektiv z.B. darauf setzen, daß HeidelbergCement in 7 Jahren (!!!) zu 100% zurückzahlt? Wir reden hier von einem typischen DAX highyield Bond (z.B. a1c90n), dem man noch etwas mehr vertrauen kann als dem typischen Mittelstandsmurks von Hemd und Bier.

    Noch besser sind Bundesanleihen. Wer die in den letzten Monaten gekauft hat, hat keinen blassen Schimmer von Finanzen. Wenn dort der Kurs auch nur etwas zurückgeht und man nicht bis Laufzeitende warten kann, hat man voll geloost. Wer bis Laufzeitende wartet, hat 1,x %. Beidesmal ist es superdumm gelaufen.

    Beide Extreme zeigen, daß man aktuell (noch) besser aus Bonds bleiben sollte.

    Nur Hr. Gross weiß das alles soviel besser.

  • So ist es!

  • Gross hat sich im Jahr 2010 mit Anleihen aber ganz gründlich verschätzt. Alles Marketing. Aber wenn es zieht: "deren Meinung bei mir ganz hoch im Kurs steht" sind auch jene, die keine eigene Meinung haben. Tatsache ist doch, dass die ganze Welt, zunehmend auch Brasilien, Indien, China als einziges Wachstum das der Schulden hat. Da sind Anleihen: Schrottanleihen wie seinerzeit Kriegsanleihen. Selbst ernannte Könige gab es immer, sonst wären sie keine solchen und alle gleich gewesen.

  • Was soll er auch sonst tun, wenn von seinen Fonds die meisten auf Jahressicht unter Wasser sind:

    http://de.pimco.com/DE/Funds/Pages/Mutual-Funds.aspx

    Den Leuten sagen, daß sie nach Hause gehen und bessere Zeiten abwarten sollen? Vor 2 Monaten haben die Leute noch begeistert die 30 jährige Apple-Anleihe mit 3,85% Zinsen gezeichnet, die dann in der Spitze 14 Prozentpunkte - mehr als die Zinsen von 3 Jahren - verloren hat. Was war Apple vor 30 Jahren - und was wird in 30 Jahren sein, was es der Firma dann hoffentlich ermöglicht, die Anleihe zurückzuzahlen? Vor 10 Jahren hätte doch auch niemand gedacht, daß Dell heute dort steht, wo es sich jetzt befindet. Schön war die Zeit, wo stets weiter sinkende Zinsen den Käufern langlaufender Anleihen satte Kursgewinne ermöglichte. Aber die Party ist wohl vorläufig vorbei. Immerhin: wer eine Anleihe bis zum Ende durchhält und wenn der Emittent zwischendrin nicht pleite geht erhält sein Geld zu 100% zurück...

  • Wer ist dann derjenige, der die Milliarden eingesteckt hat? Oder verteilt sich das Ganze schön breit?

  • Das ist totaler Quatsch. Gerade das HB war seit langem Plattform für Gross, um seine Meinung zu äußern. Spätestens seit Herst 2012 war seine Meinung auch glassklar: raus aus Bonds, die Anlageklasse wird verlieren.

    Schön, wenn man Marktmanipulation so genau studieren kann.

    Schöner, wenn der Manipulator selber der Dumme ist.

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