Bill Gross
„Die US-Zinswende beginnt im August“

Bill Gross, früherer Chefstratege des weltgrößten Anleihehauses Pimco, glaubt, dass die US-Notenbank Fed im Spätsommer die Leitzinsen erhöht – unabhängig von den Beschäftigungszahlen. Der Markt ist da nicht so sicher.
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New YorkBill Gross zufolge wird die Federal Reserve im August oder September mit der Erhöhung der Zinsen beginnen. Daran ändere auch die Verlangsamung beim Arbeitsplatzaufbau in den USA nichts. Die Währungshüter wollen seiner Meinung nach die Geldpolitik normalisieren, nachdem sie die Zinsen seit 2008 nahe der Marke von null gehalten haben.

„Sie wollen die Null hinter sich lassen. Auch wenn es nur dazu dient, zu beweisen, dass sie nicht für eine sehr, sehr lange Zeit bei null bleiben müssen“, sagte Gross, einstiger Chefanlagestratege beim weltgrößten Anleihehaus Pimco und heute Stratege bei Janus Capital. Laut Gross wird die US-Notenbank den Leitzins in jedem Jahr um 50 Basispunkte anheben und ihn bis zum Jahr 2018 auf dann zwei Prozent ansteigen lassen.

Damit würde der Leitzins signifikant unterhalb der eigenen Prognose der Federal Reserve bleiben. Die Währungshüter rechnen mit 3,75 Prozent. Arbeitgeber in den USA hatten im März die geringste Zahl an Arbeitsplätzen seit Dezember 2013 geschaffen, während die Arbeitslosenquote bei 5,5 Prozent blieb. Das gab das Arbeitsministerium am Freitag bekannt.

Den Daten zufolge entstanden im März 126.000 neue Stellen. Dieser Wert ist geringer als die pessimistischte Erwartung in einer Bloomberg-Umfrage. In dieser hatte die Median-Prognose bei einem Plus von 245.000 Jobs gelegen. Im Vormonat waren 264.000 Arbeitsplätze geschaffen worden.

Die Inflation liegt zudem seit nahezu drei Jahren unter dem Ziel der Federal Reserve. Im Einzelhandel sind die Umsätze seit drei Monaten rückläufig. „Offensichtlich kühlt sich die Wirtschaft ab“, sagt Gross. „Es ist eine schwächere Konjunktur im Moment.“

Der 70-jährige Gross war bis zu seinem plötzlichen Abgang im vergangenen September Investmentchef bei Pacific Investment Management (Pimco), einer Tochter des deutschen Versicherers Allianz. Er hatte sich einen guten Ruf verdient, als er Pimco zu einem in Spitzenzeiten zwei Billionen Dollar schweren Verwalter von Geldern aufbaute – mit einigen der höchsten Erträge in der Branche. Der Pimco Total Return Bond Fund, den er bis zu seinem Abgang verwaltete, erreichte im April 2013 ein Volumen von 293 Milliarden Dollar. Danach schrumpfte er, als die Erträge nachließen und Kunden Gelder abzogen.

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  • Das was Ihr vermarktet ist mentaler Völkermord. Wenn Ihr auch nur eine Sekunde Interesse gehabt hättet Kinder und Menschen zu schützen hättet ihr Euch anders Verhalten.

  • Aktueller Schuldenstand nach Angaben des US-Kongressbüros für den Haushalt, für 2015 :18,5 Billionen US-Dollar.Bis zum Jahr 2021 weitere Anstieg auf 22,2 Billionen prognostiziert.Da glaubt doch nur ein Träumer an einen von der FED selbst eingeleiteten Zinsanstieg.
    https://www.cbo.gov/sites/default/files/cbofiles/attachments/49892-Outlook2015.pdf

  • Angenommen Bill Gross hat recht, dann würde nach jeweils 6 Monaten eine Zinserhöhung der Fed um 0,25 Prozent erfolgen. Danach würde man ein Halbes Jahr die Wirkung abwarten. Bei ungewollten Wirkungen würde man den Zinserhöhungszyklus unter brechen oder gar umkehren? Zinstermine wären dann jeweils September und März. Die Zweiprozentmarke würde also erst im März 2019 erreicht. Dann ist aber der Höchstzins der Fed erreicht, oder etwa nicht? Die EZB wird sich davon nicht ablenken lassen. Die beginnt frühestens 2020 mit Zinserhöhungen. So viel Zeit muss sein, damit sich die Eurokrisenstaaten an steigende Zinsen gewöhnen können.

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