Blackrock-Experte zu Italien
„Den Optimismus finde ich überraschend“

Der Leiter des europäischen Rententeams beim Fondshaus Blackrock erklärt, warum die Märkte so moderat auf die gescheiterte Verfassungsreform reagiert haben – und was das für sein Portfolio bedeutet.
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FrankfurtDie Abstimmung über die italienische Verfassung in Italien kostete Michael Krautzberger einiges an Schlaf. Schon vor sechs Uhr morgens traf sich der Leiter des europäischen Rentenfondsteams bei Blackrock am Montag mit seinen Kollegen im Londoner Büro. Doch dort ging es weniger hektisch zu als zunächst erwartet.

Herr Krautzberger, die Reaktion der Märkte auf die gescheiterte Verfassungsreform in Italien war relativ moderat. Wie erklären Sie das?
Dafür gibt es vor allem drei Gründe: Erstens haben gerade die Anleihemärkte schon im Vorfeld mit gestiegenen Renditen und Risikoprämien ein Nein zur Reform widergespiegelt. Zweitens haben sich jetzt die Erwartungen verfestigt, dass die Europäische Zentralbank bei ihrer nächsten Sitzung eine Verlängerung ihres Anleihekaufprogramms beschließen wird. Und drittens haben die Märkte aus den Reaktionen auf das Brexit-Referendum und den Wahlsieg Donald Trumps zum US-Präsidenten gelernt in der Schwäche zu kaufen, das heißt, bei nachgebenden Kursen rasch einzusteigen.

Was haben Sie gemacht?
Wir hatten im Vorfeld schon viel umgeschichtet. In den letzten Monaten hatten wir in unseren Anleiheportfolios italienische Staatsanleihen untergewichtet, vor allem gegenüber spanischen Anleihen. Diese Positionen hatten wir zuletzt schon wieder eher glattgestellt, eben weil die Risikoprämien in Italien gestiegen sind. Heute früh haben wir dann gar nicht so viel gemacht. Die paar Basispunkte, die italienische Anleiherenditen gestiegen sind, waren uns nicht genug, um nachzukaufen.

Besteht jetzt nicht doch die Gefahr, dass wieder Sorgen vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone hochkochen?
Die Gefahr, dass die Euro-Zone auseinanderbricht ist weit weg von unseren Szenarien bei Blackrock, darauf stellen wir uns derzeit nicht aktiv ein.

Auch dann nicht, wenn die Euro-kritische Fünf-Sterne-Bewegung bei Neuwahlen an die Macht kommen würde?
Erstens ist das alles andere als ausgemacht. Und zweitens: In der Opposition ist es leicht, gewagte Thesen aufzustellen. Wenn Italien die Euro-Zone verlassen würde, würde das Italiens Wirtschaftswachstum sehr schaden und die Anleiherenditen, sprich Italiens Refinanzierungskosten in die Höhe treiben. Das weiß auch die Fünf-Sterne-Bewegung.

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