BNP Paribas Rating-Riese stuft BNP Paribas ab

Für die amerikanischen Ratingagenturen sind die europäischen Großbanken nicht krisensicher. Nun hat Standard & Poor's auch die französische BNP Paribas abgestuft. Fitch droht sieben weiteren Großbanken.
Update: 14.10.2011 - 21:12 Uhr 24 Kommentare
BNP-Chef Baudouin Prot. Quelle: Reuters

BNP-Chef Baudouin Prot.

(Foto: Reuters)

New York/FrankfurtDie meisten weltumspannenden Banken sind nach Auffassung der Ratingagenturen nicht krisenresistent genug. Am Abend senkte die Ratingagentur Standard & Poor's das Langfrist-Rating der französischen Großbank BNP Paribas auf „AA-“ von „AA“. In Sachen Refinanzierung und Liquiditätsbeschaffung seien die französischen Banken in schwierigen Umständen verletzlicher als bisher angenommen, begründeten die Analysten ihren skeptischeren Blick auf die Bonität des Instituts. Auch hätten sich die Kredite an Staaten am Rande der Eurozone als riskanter entpuppt, was die Gewinnaussichten der französischen Banken verschlechtere. Die Ratings vier weiterer Banken - darunter Societe Generale und Credit Agricole - bestätigte S&P, schränkte aber ein: Darin sei nun staatliche Unterstützung einberechnet. Das sei vorher nicht der Fall gewesen. 

Die BNP-Sprecherin Julia Boyce erklärte am Abend, die Bank bleibe trotz des Schrittes noch immer eine der am besten bewertetet Institute weltweit. Mehrere französische Banken waren in den vergangenen Wochen wegen eines starken Engagements in Griechenland zunehmend unter Druck geraten.

Die amerikanische Ratingagentur Fitch droht sieben der größten Investmentbanken - darunter auch der Deutschen Bank - mit einer Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Die Agentur moniert, dass die Institute wegen ihrer großen Abhängigkeit vom Kapitalmarktgeschäft zu sehr in Mitleidenschaft von den Schwankungen an den Märkten gezogen würden, die etwa durch die Schuldenkrise entstehen. „Zudem ist es wegen der Komplexität ihrer Geschäftsmodelle und der Anfälligkeit für Klumpenrisiken schwer zu durchschauen, wie hoch ihre Verluste wären, die sich bei unerwarteten Ereignissen schnell anhäufen könnten“, rügte Fitch. 

Am Frankfurter Aktienmarkt nahmen Anleger die drohende Herabstufung zum Anlass, sich von Deutsche-Bank-Aktien zu trennen. Mit einem Abschlag von rund 1,2 Prozent zählte sie zu den größten Verlierern im Leitindex Dax. Was der Deutschen Bank droht, ist für die UBS bereits Realität. Die größte Schweizer Bank wurde auf „A“ von „A+“ herabgestuft - aber aus einem anderen Grund. Sie könnte anders als während der Finanzkrise nicht mehr damit rechnen, eher vom Staat gerettet zu werden als ihr Erzrivale Credit Suisse , argumentierte Fitch. UBS-Aktien verloren bis zu drei Prozent. 

Die Deutsche Bank steht mit „AA-“ noch zwei Stufen höher als UBS. Sie muss eine Herabstufung ihrer Bonität um einen Schritt auf „A+“ fürchten, die Entscheidung sei in Kürze zu erwarten. Dadurch könnte sich die Refinanzierung für Deutschlands größtes Geldhaus verteuern. Den Fitch-Experten ist ein Dorn im Auge, dass sie den Löwenanteil der Gewinne immer noch im Investmentbanking erwirtschaftet. Künftig müsse mehr aus dem Filialgeschäft kommen. Vorstandschef Josef Ackermann hat das Ziel ausgegeben, in den weniger schwankenden Sparten die Hälfte des Konzerngewinns zu verdienen. Das Ziel könnte er schneller erreichen, seit im Investmentbanking viele Blütenträume in der Krise geplatzt sind - womöglich aber auf niedrigerem Niveau. 

50 von 91 Großbanken bestehen den "Blitz-Stresstest" nicht
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24 Kommentare zu "BNP Paribas: Rating-Riese stuft französische Großbank ab"

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  • .
    Was ich damit sagen möchte ?

    Kannst Du hier lesen:

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/frankreich-lebt-ueber-seine-verhaeltnisse/4737430.html


    Deutschland wird demnächst auch so weit sein.
    .

  • …Es ist also nur >gerecht<, dass >Deutschland< sich auch an den Folgekosten der Exportorgie beteiligt. . Woher denken Sie, kommen die >14 Milliarden Leistungsbilanzüberschuss<?...
    Genau. Bitte beantworten Sie die Frage: was meinen Sie mit „Deutschland“ und wer zahlt den Leistungsbilanzüberschuss?

  • Gerade die Amis. Die machen es doch vor mit ihrer FED, wie es NICHT geht!
    Sie drucken auf Teufel komm raus Papiergeld ohne Deckung!
    Hinzu kommt, dass der Euro vom Wert des Dollars auch noch abhängt, weil der Dollar die Lei(d)währung ist!

  • Zumal es hier nur um Luftbuchungen geht. Den echten Schaden hat nur der, der durch seine Arbeit einen Wert schafft, den diese skrupellosen Bankzocker dann absahnen. Ich würde die Börsen verbieten und die Luftnummern mit dem Drucken des Papiergeldes ohne Deckung einfach streichen. ENDE des Grauens!- Geld gegen Gold! Nichts anderes.

  • Ich schlage eine "Bedingungslose Kapitulation" vor. Die Amis kommen und helfen uns wieder auf die Beine. Dann müssen sie aber bleiben, sonst geht es, nach einer Karenzzeit, wieder los. Europa der Nationen ist wie ein Krebsgeschwür, unheilbar, wir werden dran sterben.

  • @ Bibi,
    Die Ratingagenturen haben nur den Vicious circle gestoppt. Seit etliche Jahre wurde auf Kredite Exportiert. Das heißt dass die Exporteure, viele deutsche darunter, ihr Geld bekommen haben weil die Importeure, meistens arme Peripherieländer, vom niedrigen Zinsniveau verführt, das Geld von den Banken, oft auf Anweisung der jeweiligen Regierungen, bekommen haben. Auf dem Papier also lief alles wunderbar. Die Gewinne flossen wieder als Kredite in diese arme Ländern zurück (und die Banken haben gut daran verdient). Die Verschuldung nahm permanent zu. Es war so was wie eine Endlose Schraube. In Wirklichkeit war das eine Scheinkonjunktur die irgendwann, zwangsläufig, platzen müsste, genau so wie die Immobilienblase in den USA geplatzt ist. Man kann den Ratingagenturen doch deswegen keinen Vorwurf machen! Und wenn ja, dann dass sie sehr spät darauf aufmerksam gemacht haben, aber früher hätte auch keiner sie geglaubt. Es war doch so schön!

  • @ Bibi,
    Die Ratingagenturen haben nur den Vicious circle gestoppt. Seit etliche Jahre wurde auf Kredite Exportiert. Das heißt dass die Exporteure, viele deutsche darunter, ihr Geld bekommen haben weil die Importeure, meistens arme Peripherieländer, vom niedrigen Zinsniveau verführt, das Geld von den Banken, oft auf Anweisung der jeweiligen Regierungen, bekommen haben. Auf dem Papier also lief alles wunderbar. Die Gewinne flossen wieder als Kredite in diese arme Ländern zurück (und die Banken haben gut daran verdient). Die Verschuldung nahm permanent zu. Es war so was wie eine Endlose Schraube. In Wirklichkeit war das eine Scheinkonjunktur die irgendwann, zwangsläufig, platzen müsste, genau so wie die Immobilienblase in den USA geplatzt ist. Man kann den Ratingagenturen doch deswegen keinen Vorwurf machen! Und wenn ja, dann dass sie sehr spät darauf aufmerksam gemacht haben, aber früher hätte auch keiner sie geglaubt. Es war doch so schön!

  • @ Verrat,

    französische Banken haben Kredite an Griechenland gegeben, der deutsche Rüstungsexport hat davon am meisten profitiert. Es ist also nur gerecht dass Deutschland sich auch an die Folgekosten der Exportorgie beteiligt. Woher denken Sie kommen die 14 Milliarden Leistungsbilanzüberschuss die Deutschland "MONATLICH" aufweist? Irgendwo müssen diese 14 MILLIARDEN fehlen!
    Rechnen Sie selbst aus wie-viel Milliarden nach 20 Jahren z.Bsp das sind!
    Sie werden verstehen warum Griechenland pleite ist, was man aber nicht verstehen kann ist dass Deutschland eigentlich auch Pleite ist, nur nicht ganz so pleite wie Griechenland!

  • OJDM
    Für mich stellt sich die Frage, wer profitiert von dem ständigen Herunterstufen, von Staaten, Banken usw.
    Alle Rating-Agenturen kommen aus den USA, lenkt man über die Rating-Agenturen von eigenen Problemen ab und stellt die EU-Finanzwelt als Sündenpfuhl dar. Mit jeder Abwertung kommt man der (Selbst) Erfüllung der Prophezeiung ein Stück näher.

    Oder die "Krise" auf dem "Papier" oder den Börsenrechnern dient zum Drücken von Rohstoffpreisen. Ich weiss nicht so recht!

  • Diese ganze Sache mit den Ratingagenturen wäre doch ein ideales Thema für die Aktiven von „Occupy Wallstreet“!!

    Wer glaubt schon noch einer Ratingagentur die von einem Staat abhängt, der jeden Tag an der eigenen Pleite vorbei schrammt und alle Register ziehen muss, um vom eigenen Unvermögen abzulenken??

    Solange keine multinationalen Ratingagenturen am Markt aktiv sind, kann man diese Aussagen getrost in den Müll entsorgen!

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