Börsenplatz Budapest
Ungarn-Anleihen laufen gut

Bonds aus Budapest profitieren von der Etatsanierung, weitere Reformen der Regierung sind geplant. Doch die Anleihen sind teuer. Es ist zudem zweifelhaft, ob die Regierung alle Vorhaben durchsetzen kann. Auch die Inflation macht Analysten zu schaffen.

FRANKFURT. Ungarns Regierung steht mit dem Rücken zur Wand. Das Eingeständnis des Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsany, den Bürgern vor der Wahl nicht die Wahrheit über die Haushaltssituation gesagt zu haben, hatte im Herbst vergangenen Jahres Massenproteste ausgelöst. Doch weder die Unruhen noch die Verschiebung des Beitritts zur Währungsunion haben den Anleihen Ungarns oder dem Forint etwas anhaben können. Zinspapiere und Landeswährung gerieten nur kurz unter Druck. Und seitdem die wiedergewählte Regierung unter Gyurcsany das Budget konsolidiert, haben sich der Forint und die Bonds sogar gut entwickelt.

Seit September hat der Forint gegenüber dem Euro rund zehn Prozent an Wert gewonnen und damit mehr als die meisten anderen Währungen in der Europäischen Union. Aktuell kostet ein Forint knapp 255 Euro. Die zehnjährige ungarische Forint-Anleihe bietet mit gut sieben Prozent zwar immer noch mehr Rendite als andere EU-Bonds, ist aber schon kräftig gesunken. Und auf Euro lautende Anleihen der Magyaren rentieren je nach Laufzeit zwischen vier und viereinhalb Prozent und damit nur wenige Basispunkte höher als die Anleihen anderer osteuropäischer EU-Länder.

„Die Märkte preisen die positiven Signale aus dem Konsolidierungsprogramm bereits ein“, sagt Stefan Grünwald, Fondsmanager bei der österreichischen Raiffeisen Capital Management. Die ersten Schritte des Programms seien zwar schnell umgesetzt worden, ob das Konzept aber tragfähig sei, müsse sich erst zeigen.

Ungarn will das hohe Budgetdefizit von 10,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr auf 6,4 Prozent senken. Bislang erhöht der Staat dafür aber vor allem seine Einnahmen: Die Steuern steigen, und wichtige Subventionen zum Beispiel für Gaspreise wurden schon gesenkt. Das Kernproblem seien aber die hohen Ausgaben des Staates im Sozialbereich, sagt Grünwald. Diese müssten deutlich gesenkt werden.

Die geplanten Reformen im Gesundheits- und Rentensystem stehen aber erst am Anfang. So hat die Regierung unter anderem eine schrittweise Anhebung des Rentenalters beschlossen und eine Grundgebühr für Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte eingeführt. Weitere Schritte sollen erst in zwei Jahren umgesetzt werden.

Dies stimmt Thomas Gitzel, Rentenanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, skeptisch. „Es ist sehr zweifelhaft, ob die Regierung kurz vor den nächsten Wahlen im Jahr 2010 die Einschnitte im Gesundheits- und Rentensystem durchsetzen kann.“

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