Börsenweisheit
Ruhiger schlafen dank Anleihen? Von wegen!

Droht ein Crash am Anleihemarkt? Die Deutsche Bank sieht zumindest Anzeichen für eine Blase – und nicht nur sie. Anleger, die sich am Bondmarkt in Sicherheit wähnen, dürften bald nicht mehr ganz so gut schlafen.
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DüsseldorfVor nichts fürchten sich Börsianer mehr als vor einer Blase. Denn wenn sie platzt, gibt es einen schrecklichen Crash. So geschehen 2007/2008, als die Immobilienblase in den USA platzte und die Welt in die Finanzkrise schlidderte. Oder Anfang des Jahrtausends, als die Internetblase platzte und die Börsen in die Tiefe stürzten. Doch aktuell sind es nicht die Aktienmärkte, die heiß gelaufen sind. Die größte Gefahr sehen Experten derzeit am Anleihemarkt.

Blasen gehören zum Finanzmarkt wie Hausse und Baisse, wie Rekordstände und Seitwärtsbewegungen.  „Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten beobachten können, dass in der Weltwirtschaft eine Blase auf die nächste folgte, die Exzesse aber nie völlig aufgelöst wurden“, schreibt Jim Reid von der Deutschen Bank in einer aktuellen Studie.  Schuld ist die Politik, die die Überhitzung einzelner Anlageklassen begünstigt, ja sogar befeuert. Die jüngste Blase macht Reid an den Anleihemärkten aus. Allerdings erwartet der Experte nicht, dass sie zeitnah platzt.

Aber natürlich müssen sich Anleger mit den hohen Preisen und niedrigen Renditen der Papiere auseinandersetzen. In Zeiten, in denen Zinsen mehr oder weniger abgeschafft sind, und die Notenbanken rund um den Globus die Märkte mit billigem Geld fluten, ist es an der Zeit umzudenken. Risiko muss neu definiert werden.  Viele Regeln, die über Jahrzehnte gültig waren, müssen zumindest überdacht werden. Manche sind auch schlichtweg überholt.

Wie etwa die alte Börsenweisheit: „Besitzer von Zinspapieren schlafen gut. Aktionäre hingegen leben gut.“ Sie spielt auf die planbaren Erträge der Anleihen und höheren Chancen von Aktien – allerdings bei stärkeren Kursschwankungen – an. Experten sind sich allerdings einig, dass die Welt so einfach nicht mehr ist.  „Die Börsenregel ist ein Relikt aus 30 Jahren tendenziell fallender Zinsen“, sagt Anja Welz, Vorstand von Laureus Privat Finanz, der Vermögensverwaltung der genossenschaftlichen Sparda Bank West. „Inzwischen ist das Kurspotenzial am Anleihemarkt deutlich begrenzt und mögliche Kursverluste werden auch nicht mehr durch hohe Kupons abgefedert wie in der Vergangenheit.“

Früher habe diese Regel gestimmt, doch heute ist ihre Gültigkeit äußerst fragwürdig, meint auch Christoph Bruns, Mitinhaber der Fondsgesellschaft Loys. Die Aktienmärkten würden funktionieren wie eh und je, doch die Zinsmärkte würden seit Jahren von den Notenbanken manipuliert. „Damit ist die Funktionsweise der Anleihemärkte eingeschränkt, gehorchen sie doch den politischen Absichten der Zentralbanken“, sagt der Fondsmanager. Die Anleihemärkte seien überteuert, die Politik der Notenbanken „heiß gelaufen“. „Platzen kann die sichtlich spekulative Blase an den Anleihemärkten wohl erst dann, wenn die Zentralbanken ihre Nullzinspolitik aufgeben“, sagt er.

Kommentare zu " Börsenweisheit: Ruhiger schlafen dank Anleihen? Von wegen!"

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  • Was war doch noch mal ein MARKT?
    Das war doch so eine Veranstaltung, zu Zeiten des Kapitalismus, bevor wir in den Genuss des Wohlstandes auf Knopfdruck kamen, oder?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Markt#Marktbegriff_in_der_Wirtschaft

  • Auf dem Bild ist doch der Schlafmichel.

  • Ich kann nur sagen: schön weiter Papier kaufen! Einer muss schließlich die Party bezahlen...

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