Bösewichte oder Prügelknaben?
Angriff auf die Ratingagenturen

Zu früh, zu spät, zu hart, zu milde, und auch noch zu teuer - Kritik an Ratingagenturen kommt von allen Seiten. Doch alle Maßnahmen, die die Macht von S&P, Moody's und Fitch brechen sollen, sind nur Aktionismus.
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DüsseldorfWenn es darum geht, wer schuld an der Finanzkrise ist, dann werden zuerst die Banken genannt - und im zweiten Atemzug die Ratingagenturen. Anders als die Banken sind Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch glimpflich davon gekommen. Sie verdienen weiter kräftig, strengere Auflagen mussten sie – trotz aller Kritik – nicht befürchten. Bis jetzt. Doch nun geht es auch den Bonitätswächtern an den Kragen.

Noch nie haben die großen Ratingagenturen so viel Gegenwind zu spüren bekommen wie in diesen Tagen. Die Europäische Union würde unbequeme Ratings am liebsten ganz verbieten. Zudem sollen die Agenturen für fehlerhafte Ratings haften. Manager müssen sich vor Gericht verantworten. Und was die Ratingagenturen am meisten trifft: Auch diejenigen, die für die Ratings bezahlen, die Unternehmen, wenden sich ab. Sie klagen über Preistreiberei und überteuerte Ratings.

Die Kritik an den Agenturen kommt von allen Seiten. Daran sind die Angeklagten selbst nicht unschuldig. Sie vergaben jahrelang Bestnoten für Wertpapiere, in denen zum Beispiel faule US-Immobilienkredite verbrieft waren. Damit befeuerten sie den schwunghaften Handel mit entsprechenden Papieren. Den Zusammenbruch des Marktes wollten oder konnten die Ratingagenturen nicht vorhersehen. Anleger, darunter gerade auch deutsche Banken, fühlten sich in die Irre geführt. Experten sprachen von Versagen.

Das Problem: Nur drei große Ratingagenturen dominieren den Markt. Alle drei sind in den USA beheimatet. Und sie werden bezahlt von denjenigen, die sie bewerten sollen. Die Wissenschaftler Hanno Beck und Helmut Wienert von der Hochschule Pforzheim sprechen von einem „engen Oligopol mit hohen Gewinnspannen und schlechter Bewertungsleistung“.

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  • Wer gibt eigentlich ein Rating der griechischen Staatsanleihen in
    Auftrag. Und wie soll es möglich sein die Kriterien eines solchen
    Ratings transparenter darzustellen? Basiert ein solches nicht auch auf Informationen, deren Zustandekommen eine Rating-Agentur geheimhalten
    will, weil sie schließlich der Konkurrenz ihr Fachwissen nicht
    freihaus liefern will? Damit nähme sie sich doch selbst die Lebensgrundlage.

  • Daß und warum die Ratingagenturen korrupt sind, wurde hinreichend begründet. Also ignorieren!
    Warum eine Ratingagentur im Rahmen des korrupten Europasystems in Brüssel, Straßburg etc. nicht korrupt sein sollte, habe ich noch nicht gehört.

    Die von allen entscheidenden deutschen Politikern gehätschelten, parteipolitisch durchseuchten "Wirtschaftsweisen"/Kaffeesatzleser sollten ähnliches leisten können. Fast immer ist die Beurteilung der "Weisen" falsch. Nur ist diese Tatsache - wenn überhaupt - später eine kleine Fußnote, wird ignoriert und die Autoren behalten ihren Heiligenschein.
    Kurzum, abschaffen und ab zur Erntearbeit aufs Land!

  • Kontrolle und Überwachung der 3 US-Ratingagenturen?

    Das dürfte äußerst schwierig sein! Wie will man geheime Absprachen beweisen? Eine Agentur gibt einer Bank oder einem Hedgefonds einen Tipp: "am nächsten Montag stufen wir Ungarn ab". Verbunden mit der freundlichen Aufforderung: "Bitte überweist eine kleine Spende auf Konto xyz auf den Cayman Inseln".

    Die Bank (der Hedgefonds...) weiß, wie man aus dieser Information Kapital schlägt (Spekulation mit CDS...).

    Nein, die einzig vernünftige Lösung ist die Implementierung mindestens einer großen europäischen Ratingagentur. Es gibt doch EU-Institutionen, die zumindest formal unabhängig sind (Europäischer Gerichtshof, EZB...). Vielleicht gibt es ja eine Verbraucherzentrale auf europäischer Ebene.

    Wenn man bedenkt, dass die (evtl. ungerechtfertigte) Herabstufung eines Landes dieses u. U. Milliarden kostet, dann sollte die Einrichtung einer Ratingagentur nicht am Geld scheitern.

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