Bond-Auktion
Italien kommt günstig an frisches Geld

Fast sechs Milliarden Euro bringt die jüngste Auktion von Italien-Anleihen dem klammen Staat ein. Die Rendite ist dabei so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. Für Italiens diesjährigen Kapitalbedarf sieht es gut aus.
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MailandNach der EU-Einigung auf ein Rettungspaket für Griechenland verspürt Italien am Kapitalmarkt deutlichen Rückenwind. Das südeuropäische Land platzierte am Donnerstag eine zehnjährige Anleihe im Volumen von knapp drei Milliarden Euro und zahlte dafür mit 4,45 Prozent die niedrigste Rendite seit rund zwei Jahren. Italien teilte zudem ein fünfjähriges Papier im Volumen von drei Milliarden Euro zu. Damit hat die Regierung in Rom annähernd den gesamten Kapitalbedarf für dieses Jahr gedeckt, der auf 460 bis 465 Milliarden Euro veranschlagt wurde.

Italiens Ministerpräsident Mario Monti kann damit auf ein versöhnliches Ende des Emissionsjahres blicken. Noch kurz nach dem Abgang von Regierungschef Silvio Berlusconi vor rund einem Jahr musste das Land Rekordzinsen in Höhe von 7,56 Prozent für zehnjährige Anleihen bieten. „Die jetzt gebotene Rendite von 4,45 Prozent war damals fast unvorstellbar“, erinnert sich Nicholas Spiro von Spiro Sovereign Strategy.

Schon am Dienstag hatten sich Italien und auch Spanien günstiger am Markt refinanzieren können. Zu Wochenbeginn hatte die Brüsseler Vereinbarung auf ein Griechenlandpaket das Vertrauen der Anleger gestärkt, dass Europa die Schuldenkrise in den Griff bekommt. Die Ankündigung der Europäischen Zentralbank, unter den Rettungsschirm flüchtende Länder mit Anleihenkäufen unterstützen zu wollen, hatte bereits zuvor maßgeblich zum Abbau der Verunsicherung am Markt beigetragen.

Das Euro-Land wird nun Mitte Dezember mit der Emission von Geldmarktpapieren und dreijährigen Bonds den Kapitalbedarf für dieses Jahr endgültig decken. Ende Dezember kann die Schuldenagentur dann mit der Platzierung von fünf- und zehnjährigen Papieren bereits frisches Geld für das kommende Jahr einsammeln.

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bond-Auktion: Italien kommt günstig an frisches Geld"

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  • @ Wegweiser,
    Gute Analyse, "Diese grundlegenden volkswirtschaftlichen Aspekte" müssen einfach durch Änderungen der EU-Verträge beseitigt werden.
    Wirtschaftskonvergenz und nicht Wirtschaftskannibalismus soll das Ziel und die einzige Lösung für die EU sein.
    Vertikale Arbeitsteilung innerhalb der Währungsunion.
    Nur dadurch kann ein Ausbluten Europas durch Auswanderung von junge und gut ausgebildete Fachkräfte aus den Krisenländer nach andere Kontinente, verhindert werden
    Weil wir aber, durch den Nationalismus geblendet, dies nicht einsehen wollen, werden wir gegen unseren Willen dazu gezwungen werden müssen.
    Das haben viele, vor allem aber Draghi und auf ihn kommt es an, verstanden!

  • Die Banken kaufen primär nunr noch in ganz Europa. Zur Volksverdummung taucht dieser Artikel des HB aber wieder super. Immer dem Volk vergaukeln, dass alles gut ist.
    Das HB sollte kritischer sein, sonst geht es genauso Pleite wir Frankfurter Rundschau + FTD. Volksverdummung will keiner lesen.

  • Italienische Staatsanleihen werden von italienischen Banken gekauft, die zuvor über den Liquiditätstender LTRO mit riesigen liquiden Mitteln zu Niedrigstzinsen ausgestattet worden sind. Diese neu erworbenen Staatsanleihen landen dann bei der EZB als Sicherheiten. Spanien, Portugal und Griechenland (hier noch ELA) finanzieren so auch. Man kann also zu recht schon von einer indirekten verbotenen monetären Staatsfinanzierung sprechen. Dazu kommen noch Fonds EFSF und ESM sowie die Dauernothilfe Target 2. Die EZB hat schon in der Vergangenheit italienische, spanische und griechische Staatsanleihen in einem riesigen Ausmß am Sekundärmarkt aufgekauft.

    Diese Währungszone befindet sich in einer gefährlichen und sehr tiefen systemischen Krise. Viele Eurovolkswirtschaften sind innerhalb dieser Währungszone nicht mehr eigenständig lebens- und existenzfähig. Große ökonomische Ungleichgewichte, hervorgerufen durch völlig unterschiedliche Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeiten, kommen erschwerend hinzu.

    Diese grundlegenden volkswirtschaftlichen Aspekte jedoch findet man ganz selten in der öffentlichen Berichterstattung.

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