Bond-Erträge
Portugal setzt Spanische Anleihen unter Druck

Spanische Anleihen verlieren Glanz, seit die Regierungskrise im benachbarten Portugal die politischen Risiken wieder vor Augen führt. Experten empfehlen, eine realistische Differenz zum italienischen Pendant zu zeichnen.
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Optimismus, dass es unter Führung von Ministerpräsident Mariano Rajoy zu einer Verbesserung der Konjunktur kommt, hatte im ersten Halbjahr dafür gesorgt, dass spanische Bonds doppelt so hohe Erträge erzielten wie entsprechende italienische Papiere. Seit Anfang des Monats hat sich die Entwicklung umgekehrt. Nachdem der Renditeaufschlag zehnjähriger spanischer Papiere gegenüber italienischen letzte Woche auf ein Dreimonatstief gefallen war, ist sie inzwischen wieder um 13 Basispunkte angestiegen, wie Daten der Agentur Bloomberg zeigen.

Die Kursentwicklung italienischer Bonds war hinter der spanischer Anleihen zurückgeblieben, da das Land nach den Wahlen im Februar Schwierigkeiten mit der Regierungsbildung hatte. Spanien hat zwar in den letzten vier Monaten seine Arbeitslosigkeit jeweils verringert, doch noch immer leben 30 Prozent aller Arbeitslosen der Eurozone auf der iberischen Halbinsel. Das macht Spanien anfällig für politische Krisen wie die, die die portugiesischen Renditen nach dem Rücktritt zweier Minister auf ein Siebenmonatshoch getrieben haben.

„Spanien hat ein erhöhtes Risiko für ein plötzliches Negativereignis”, sagt Gianluca Ziglio von Sunrise Brokers LLP in London. „Die spanischen Renditen sind im Vergleich zu den italienischen übermäßig gesunken.”

Die Kreditkosten für die spanische Regierung sind bei einer Auktion am Donnerstag angestiegen; es war die erste Anleiheemission, seit die Regierungskrise in Portugal die Anleiherenditen von Europas höchstverschuldeten Ländern ansteigen ließ.

Die Renditeprämie, die Investoren bei zehnjährigen spanischen Bonds gegenüber italienischen Anleihen verlangen, lag am Freitag bei 25 Basispunkten. Am 27. Juni betrug der Spread nur zwölf Basispunkte. Am 22. Februar, dem letzten Handelstag vor den Wahlen in Italien, lag er bei 70 Basispunkten.

Der Unterschied hatte sich verringert und zwar im Gefolge des politischen Patts in Italien, das erst beendet wurde, als Enrico Letta am 28. April nach einer Einigung mit Silvio Berlusconi Ministerpräsident wurde.

Die Kursentwicklung der Spanien-Bonds im Vergleich mir ihren italienischen Pendants könnte weiter in Gefahr geraten, sollte Portugal ein weiteres Hilfspaket beantragen müssen. Vor allem, wenn das zu Diskussionen führen sollte, Privatanlegern Verluste aufzubürden, sagte Harvinder Sian, Leitender Rentenstratege bei Royal Bank of Scotland Group Plc in London.

„Portugal könnte einen vollen Bailout und nicht nur einen unter Auflagen brauchen. Das könnte auch einen Bail-In ins Gespräch bringen, und das wäre für Spanien weit schädlicher”, sagte Sian in einem Telefoninterview.

Zur guten Kursentwicklung bei den spanischen Anleihen haben auch die monetären Stimuli der Zentralbanken in Japan und den USA die Nachfrage nach höher rentierenden Anlagen steigen ließ. Die Papiere brachten in den ersten sechs Monaten des Jahres 5,3 Prozent ein, verglichen mit 2,1 Prozent bei italienischen Anleihen, zeigen Indizes der Bank of America Merrill Lynch. Seit Ende Juni kommen spanische Bonds auf einen Ertrag von 0,4 Prozent, verglichen mit 0,7 Prozent für italienische Staatspapiere.

Am Donnerstag fielen die Renditen in Spanien und Italien, nachdem EZB-Präsident Mario Draghi ankündigte, die Zinsen für längere Zeit niedrig halten zu wollen – eine Abkehr von der üblichen Vorsicht davor, Absichten vorab bekanntzugeben.

Die spanische Wirtschaft ist sieben Quartale in Folge geschrumpft. Das Land bemüht sich um eine Verringerung des Haushaltsdefizits. Die Arbeitslosenquote liegt bei 27 Prozent, mehr als das Doppelte der italienischen Rekordquote von 12,2 Prozent im Mai. Die OECD prognostizierte im Mai einen Anstieg der spanischen Arbeitslosenquote auf 28 Prozent im nächsten Jahr.

Diese Unterschiede werden sich stärker im Bondmarkt niederschlagen, sagt Luca Cazzulani, Leitender Rentenstratege bei UniCredit Global Research in Mailand. „Die Einengung zwischen Spanien und Italien ist etwas übertrieben worden”, sagte Cazzulani letzte Woche. „Für mich liegt der faire Spread zwischen Italien und Spanien im Bereich von 50 Basispunkten.”

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • Alles klar, dafür liegt die Verschuldung Italiens 50% oberhalb der Spaniens, die Wirtschaft schrumpft stärker als die in Spanien weshalb die Darlehen an den Mittelstand saurer werden als die spanischen usw usw.
    Ironie: der faire Spread sollte 50 Basispunkte Italien ÜBER Spanien sein.
    Der Artikel ist doch komplett für die Tonne.

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