Bondmärkte
EZB-Stellungnahmen lösen Zinsrückgang aus

Die Akteure an den internationalen Anleihemärkten warten mit großer Spannung auf die Veröffentlichung neuer US-Konjunkturdaten.

FRANKFURT/M. Entscheidende Impulse für die internationalen Anleihemärkte kamen am Freitag von der Europäischen Zentralbank (EZB). Deutlich erkennbare Meinungsverschiedenheiten innerhalb der EZB in der Frage inflationärer Gefahren und einer dadurch möglicherweise notwendig werdenden Erhöhung der Euro-Leitzinsen sorgten an den Bondmärkten zunächst für Nervosität.

EZB-Direktoriumsmitglied Jose Manuel Gonzalez-Paramo hatte das derzeitige Leitzinsniveau als angemessen bezeichnet und sich damit gegensätzlich zu EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing geäußert. Die Akteure an den Bondmärkten entschieden sich schließlich dafür, die Aussagen des Spaniers in ihren Anlageentscheidungen höher zu gewichten. Daraufhin schossen die Kurse europäischer Staatsanleihen in die Höhe. Die sich gegenläufig zu den Kursen entwickelnde Rendite tendierten abwärts. Der Dezember-Bund-Future stieg um 46 Basispunkte auf 121,87; die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel von 3,29 auf 3,23 Prozent.

„Wir rechnen damit, dass der Bund-Future die Marke von 121,80 in Angriff nimmt“, stellen sich die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt auf die Seite der Zinsoptimisten. Bis ins erste Quartal 2006 hinein sieht deren Chefvolkswirt Stefan Schilbe keine Veränderung der bei 2,00 Prozent liegenden Euro-Leitzinsen. Begründet wird dies mit der müden Euro-Konjunktur. Der am Dienstag anstehende Ifo-Geschäftsklimaindex dürfte leicht steigen, die Erwartungskomponente des Index nahezu unverändert bleiben.

Anders wird die Lage am US-Kapitalmarkt gesehen, wo HSBC in diesem Quartal mit einer weiteren Anhebung der Leitzinsen durch die US-Notenbank (Fed) von 3,75 auf 4,00 Prozent rechnet. Die Experten von Lehman Brothers gehen noch weiter. Sie erwarten jetzt, dass die Fed den Leitzins im Jahr 2006 bis auf 4,75 Prozent anheben wird. Zunächst einmal widme der Markt jedoch der am Freitag anstehenden ersten Schätzung des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das dritte Quartal große Aufmerksamkeit, sagen Analysten. „Wir erwarten einen Anstieg des BIP um 3,5 Prozent, nach 3,3 Prozent im vergangenen Quartal“, sagt HSBC-Experte Schilbe. Er begründet dies mit höheren Staatsausgaben als Folge des Wiederaufbaus in den Hurrikan-Gebieten.

Ungeachtet der anhaltend positiven US-Konjunkturdaten fiel die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen am Freitag von 4,44 Prozent auf 4,39 Prozent. Noch Anfang der vergangenen Woche hatten die Titel eine Rendite von 4,53 Prozent abgeworfen. Auffallend war, dass sich die Renditedifferenz zwischen zwei- und zehnjährigen US-Staatsanleihen von 21 auf 18 Basispunkte verringerte. Zweijährige Papiere warfen nur noch eine Rendite von 4,21 (nach 4,23) Prozent ab.

Händler begründeten das damit, dass das US-Schatzamt in dieser Woche zwei- und fünfjährige Staatspapieren versteigern wird. Zweijährige Papiere dürften auch wegen der üppig zur Verfügung stehenden Liquidität auf eine positive Marktresonanz treffen, hieß es. Ein weiterer Grund ist auch darin zu sehen, dass in diesem Laufzeitenbereich ausländische Investoren traditionell sehr starkes Interesse zeigen.

Bei den fünfjährigen Titeln handelt es sich um so genannte Tips (Treasury Inflation Protected Securities). Die jüngste Auktion solcher inflationsgeschützter Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit sei gut verlaufen, so dass auch fünfjährige Titel problemlos zu platzieren sein dürften, hieß es.

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