Bondmärkte zeigen sich unter dem Strich kaum verändert
Widersprüchliche Daten halten Anleihen in Schach

Die Anleihemärkte konnten sich sowohl in der Euro- als auch in der Dollar-Zone nicht für eine klare Richtung entscheiden. Grund waren Konjunkturdaten, die widersprüchliche Indikationen über die Entwicklung der Wirtschaft lieferten.

FRANKFURT/M. Zum Handelsschluss lag der Bund-Future – die Messlatte für die Stimmung an den Bondmärkten der Euro-Zone –in der September-Lieferung um 0,03 Prozentpunkte höher bei 123,27 Prozent. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen lag unverändert bei 3,17 Prozent. In den USA lag die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe im Vergleich zum Vortag zum Schluss bei 4,17 (nach 4,18) Prozent. Anleiherenditen entwickeln sich gegenläufig zu den Kursen.

Am frühen Nachmittag hatten die deutlich stärker als erwartet zurückgegangenen Auftragseingänge für Gebrauchsgüter in den USA die Anleiherenditen fallen lassen. Die Auftragseingänge sanken im Juli gegenüber dem Vormonat um 4,9 und nicht wie erwartet um 1,5 Prozent. Verkehrsmittel herausgerechnet sanken die Auftragseingänge um 3,2 Prozent und damit ebenfalls deutlicher als um die prognostizierten 0,8 Prozent. Gerade die Bestellungen von Flugzeugen schwanken stark. Nach den Daten stieg der Bund-Future auf sein Tageshoch von 123,45 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel auf 4,15 Prozent. Konjunkturdaten, die eine Schwäche der Wirtschaft signalisieren, stützen sichere Staatsanleihen.

Als später jedoch die Daten zu Verkäufen neuer Häuser in den USA im Juli mit 1,41 Millionen einen Rekordwert erreichten und damit eine Stärke der US-Wirtschaft signalisierten, kehrte sich das Bild an den Bondmärkten um. Der Bund-Future gab einen Großteil seiner Gewinne wieder ab und auch die Renditen an den Kassamärkten stiegen.

Die so genannte Zinskurve in den USA ist weiterhin sehr flach. Der Renditeabstand zwischen zwei- und zehnjährigen US-Staatsanleihen lag gestern bei nur 0,19 Prozentpunkten. In Deutschland dagegen bringen zehnjährige Bundesanleihen rund 0,95 Prozentpunkte mehr als Zehnjährige. Dadurch ist der Renditeabstand zwischen zweijährigen US-Staatsanleihen und zweijährigen Bundesanleihen auf rund 1,80 Prozentpunkte gestiegen. Das ist der höchste Stand seit fünf Jahren.

Am Markt für neue Anleihen war es ausgesprochen ruhig. Zu den wenigen Emittenten im Euro-Bereich gehörte gestern HSBC. Die britische Großbank begab über die Finanzierungstochter HSBC Finance eine fünfjährige variabel verzinste Anleihe. Sie bietet einen Risikoaufschlag von 0,20 Prozentpunkten über dem dreimonatigen Interbankenzinssatz Euribor.

Am Primärmarkt machten erneut Gerüchte die Runde, wonach Unicredito eine nachrangige so genannte Tier-1-Anleihe plant, die sie auf ihr Kernkapital anrechnen kann. Unicredito muss die geplante Übernahme der Hypo-Vereinsbank über voraussichtlich rund 18 Mrd. Euro zum Teil auch an den Anleihemärkten refinanzieren. Ein Sprecher von Unicredito bestätigte, dass die Bank eine Anleiheemission plant. Die Details der Emission stünden jedoch noch nicht fest. Auch die Konsortialführer habe das Institut noch nicht ausgesucht. Eine italienische Zeitung hatte berichtet, dass JP Morgan, Merrill Lynch und UBM – die Investmentbanktochter von Unicredito – das Mandat für die Emission bekommen hätten. Es gebe zwar Gespräche mit diversen Banken, die Konsortialführer stünden aber noch nicht fest, hieß es auch in Frankfurter Finanzkreisen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%