Bondmarkt: Gläubiger schröpfen Pump-Staaten

Bondmarkt
Gläubiger schröpfen Pump-Staaten

Die Rendite für Portugal-Anleihen schießen auf ein Rekordhoch und auch Spanien muss Gläubiger mit höheren Aufschlägen besänftigen. Die Märkte zweifeln an der Solvenz der Iberer.  
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FrankfurtDie Rendite für fünfjährige portugiesische Staatsanleihen ist am Donnerstag mit 7,126 Prozent auf den höchsten Stand seit der Euro-Einführung gestiegen. Händler begründeten den Renditeanstieg mit einem Bericht der Zeitung „Jornal de Negocios“, Deutschland übe Druck auf Portugal aus, die internationale Gemeinschaft noch vor dem nächsten EU-Gipfel im März um Finanzhilfe zu ersuchen. Bereits Ende vorigen Jahres hatte die Bundesregierung nach dem Auftauchen ähnlicher Gerüchte mitgeteilt, sie dränge niemanden unter den Rettungsschirm. Dies entspreche nicht ihrer Strategie.

Der portugiesische Kabinettsminister Pedro Silva Pereira betonte unterdessen, sein Land unternehme alle Anstrengungen zur Lösung der Schuldenkrise. Falls Europa jedoch mit einer umfassenden Antwort auf die Krise zögere, werde dies den Euro und alle EU-Mitgliedstaaten beschädigen. „Deshalb lautet unsere Botschaft: Portugal macht seine Arbeit. Aber Europa muss auch seinen Part übernehmen“, sagte der Minister.

Der Renditeaufschlag für zehnjährige portugiesische Anleihen zur Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit kletterte um 13 auf 432 Basispunkte. Auch die Regierung in Spanien musste nachbessern: Madrid hat Anleihen über knapp 3,5 Milliarden Euro aufgestockt. Dabei wurde besonders die 30jährige Anleihe für Madrid teuer. Die durchschnittliche Rendite lag bei 5,96 Prozent und damit ein halbes Prozentpunkt höher als noch im November. Für die Anleihe mit knapp zehn Jahren Laufzeit lag die Rendite mit 5,2 Prozent dafür 0,34 Prozentpunkte niedriger als bei der letzten vergleichbaren Bond-Auktion im Dezember. Die Nachfrage nach beiden Anleihen war etwas niedriger als zuletzt, aber es gab immer noch mehr als genügend Käufer.

Seit Griechenland und Irland sich nicht mehr über die Märkte, sondern nur noch über internationale Kredithilfen finanzieren, beobachten Investoren die Anleiheplatzierungen von den anderen europäischen Krisenländern mit Argusaugen. Dabei steht Portugal noch stärker im Fokus als Spanien. Der nächste Test für Spanien steht spätestens am 3. März an, wenn die Iberer eine fünfjährige Anleihe aufstocken. Zuvor erwarten Analysten wie David Schnautz von der Commerzbank noch eine neue Anleihe mit Laufzeit von 15 Jahren, die über Banken platziert werden soll.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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  • Die Lösung des Problems würde eine Weitsicht voraussetzen, die ich den Europäer im Allgemeinen aber den Deutschen und Franzosen besonders, nicht zu traue. (wer verzichtet schon freiwillig auf Vorteile?)
    Opfer heute bringen um für übermorgen zu sorgen, das ist mehr als man vom normalen Mensch erwarten kann.
    Es sei denn dass das Kapital dem normalen Mensch in seiner Weisheit dermaßen überlegen dass es die unverzichtbare Fiskalunion gegen dessen Willen durchsetzt kann.
    Die gemeinsame Währung Euro hat im vergangenen Jahrzehnt die Volkswirtschaften der Eurozone so weit auseinander zerren können nur wegen des Fehlens einer Fiskalunion.
    Der Euro ohne Fiskalunion hat für manche Euroländern nur Exportnachteile, für andere nur Exportvorteile gebracht ohne dass sie nennenswerte Gegenleistungen dafür erbringen müssen.
    Eine Zwischenlösung wäre eine starke Besteuerung der Handelsüberschüsse innerhalb der Währungsunion und mit diesen Steuereinnahme die Verlierer der Währungsunion in der Entwicklung ihrer Infrastrukturen zu unterstützen.

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