Bondmarkt
Käuferstreik belastet Bundesanleihen

Die schwache Nachfrage nach neuen 30-jährigen Staatsanleihen aus Deutschland hat die Kurse der Bundesanleihen gedrückt. Die Zinsen Deutschlands sind für einige Investoren mittlerweile zu niedrig.
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FrankfurtDie geringe Nachfrage nach langlaufenden Bundesanleihen hat am Mittwoch die Kurse der meisten europäischen Staatspapiere ins Minus gedrückt. Überlegungen der Bank of England (BoE) über eine mögliche Zinserhöhung schon Anfang 2011 erhöhten den Druck auf britische Papiere. Dem Pfund Sterling verschaffte die Nachricht allerdings eine Erholungspause. Am Vortag hatten die Anleger angesichts einer schrumpfenden britischen Konjunktur im vierten Quartal noch eine Zinserhöhung ausgepreist und damit die britische Währung gedrückt. Der Euro notierte am Nachmittag bei 1,3650 Dollar. Sein Tageshoch von 1,3720 Dollar konnte er nicht behaupten.

Die Anleger am Rentenmarkt hatten vor allem keinen Appetit auf langlaufende Papiere. Hatten sie am Vortag dem europäischen Rettungsfonds EFSF noch die Anleihen förmlich aus den Händen gerissen, hielten sie sich bei der Aufstockung von 30-jährigen Bundesanleihen am Mittwoch vornehm zurück: Die Finanzagentur bekam nur Angebote im Volumen von 1,972 Milliarden Euro. Sie hatte Papiere für zwei Milliarden Euro verkaufen wollen.

Die Durchschnittsrendite lag bei 3,58 Prozent. Zugeteilt wurden Gebote im Volumen von 1,616 Milliarden Euro. Der Kurs der 30-jährigen Bundesanleihe fiel in der Folge um fast einen ganzen Punkt, so dass die Rendite auf 3,64 Prozent von 3,60 Prozent am Vortag stieg. Händler führten die geringe Nachfrage auch auf die geringe Verzinsung zurück. Denn eine zehnjährige Bundesanleihe rentiert schon bei 3,19 Prozent.

Warten auf die US-Notenbank

Zwar sehen Analysten in der geringen Nachfrage nach den deutschen Papieren grundsätzlich keinen Grund zur Sorge. Doch ist die Stimmung am Rentenmarkt dieser Tage eher getrübt, weil viele Börsianer angesichts steigender Inflationsraten mit einem baldigen Ende der Nullzinspolitik der Notenbanken weltweit rechnen. So wurden einige Anleger von der Veröffentlichung des Protokolls der Bank of England (BoE) auf dem falschen Fuß erwischt. Demnach haben die Währungshüter im Januar auch über eine Zinserhöhung diskutiert und der Vorschlag, den Zins von 0,5 Prozent anzuheben, wurde überraschend sogar von zwei Notenbankern unterstützt, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Protokoll hervorgeht. Dem am Vortag wegen des Einbruchs der britischen Konjunktur schwachen Pfund Sterling half dies ein wenig auf die Beine. Zum Doller kletterte die britische Währung auf 1,5860 von 1,5822 Dollar.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Januar die Spekulationen auf eine Zinswende angeheizt, als sie vor steigenden Inflationsraten warnte. Von der US-Notenbank (Fed) wird dagegen vorläufig keine Straffung der Geldpolitik erwartet. Der Offenmarktausschuss dürfte sich am Abend aber zur Konjunkturlage äußern, erklärten Händler. „Während wir in den USA keine Änderung der geldpolitischen Strategie der Fed sehen, dürfte das Kaufprogramm für US-Staatsanleihen von 600 Milliarden Dollar wie geplant bis Juni fortgesetzt werden“, erklärten die Analysten der Metzler Bank.

Die Notenbank veröffentlicht ihre Entscheidung um 20.15 Uhr (MEZ). Das Augenmerk gilt dabei dem Kommentar der Notenbanker zur Lage der Konjunktur. Der Bund-Future verlor bis zum Nachmittag 34 Ticks auf 123,63 Punkte. Die am Vortag platzierten fünfjährigen Anleihen des europäischen Rettungsfonds EFSF wurden Händlern zufolge wenig gehandelt. „Die will ja im Moment noch niemand aus der Hand geben“, sagte ein Börsianer.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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