Bonds aus Japan, Norwegen und Ungarn gelten noch als attraktiv
Analysten rechnen bis Jahresende mit Verlusten bei Staatsanleihen

Heute dürfte Alan Greenspan zum zweiten Mal in diesem Jahr die Leitzinsen in den USA erhöhen. Und nach Ansicht der meisten Analysten wird der Schritt moderat ausfallen. Sie erwarten vom Chef der US-Notenbank Fed eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent – obwohl der Ölpreis auf Rekordniveau liegt.

DÜSSELDORF. Und bis zum Jahresende werden nach Ansicht der Experten noch einige Zinsschritte folgen. Ralf Welge, Rentenstratege von Commerzbank Securities, rechnet bis dahin mit einem Leitzins in Höhe von 2,25 Prozent. Und bis zum Sommer 2005 dürfte der US-Schlüsselzins bis auf 3,25 Prozent steigen. Weil bei steigenden Leitzinsen neue Anleihen attraktiver werden, können sich die Investoren bei ausstehenden Bonds auf fallende Kurse und damit steigende Renditen einrichten, sagt Welge. Ein Kurscrash wie 1994, als die Fed überraschend stark die Zinsen erhöhte, sei aber nicht zu befürchten. Die Reaktion der Bondmärkte erinnere eher an die moderaten Zinserhöhungen in den fünfziger Jahren.

Welge erwartet deshalb, dass die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen bis zum Jahresende nur bis auf 4,9 Prozent steigen – bis Mitte 2005 bis auf 5,25 Prozent. Doch ob die Renditen tatsächlich in dieser Höhe steigen, werde im dritten und vierten Quartal sichtbar, wenn die Wirtschaft beweisen muss, dass das Wachstum an Fahrt gewinnt, sagt Welge. Nach den schwachen Daten vom vergangenen Freitag komme es dabei in erster Linie auf positive Arbeitsmarktdaten an, sonst seien das höhere Wachstum und damit auch die höheren Renditen nicht haltbar.

Sorge bereitet den Analysten zudem der hohe Ölpreis und damit der Konsum, der wegen der höheren Energie- und Benzinpreise wegzubrechen droht. „Die Preise sind auch schon stärker gestiegen als es die Fed zugibt, sagt Thomas Meißner, Rentenanalyst bei der DZ Bank. Meißner rechnet deshalb im Jahr 2005 mit stärker steigenden Zinsen als der Konsens der Analysten – in den kommenden zwölf Monaten bis auf 3,75 Prozent. „Und das muss nicht das Ende sein.“ Die zehnjährigen Renditen steigen seiner Meinung nach bis auf 5,75 Prozent bis Mitte 2005. Der Ölpreis dämpft aber eher die Wachstumserwartungen als dass er die Inflation entfachen würde, hält Welge dagegen. Und US-Volkswirt Kevin Logan verweist denn auch auf das Paradoxon, dass zwar die Energiepreise steigen, aber nicht die Inflationsrate. Moderate Zinserhöhungen der Fed blieben trotz des schlechteren Umfelds das wahrscheinlichste Szenario.

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