Bonds
Einige Gläubiger der Anglo Irish Bank müssen zahlen

Die irische Regierung erwartet von Besitzern nachrangiger Anleihen, dass sie sich finanziell an der Sanierung der Anglo Irish Bank beteiligen. In der Finanzkrise kamen Eigner solcher Papiere bisher ungeschoren davon.
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FRANKFURT. Die irische Regierung bittet bei der Anglo Irish Bank als erstem Kreditinstitut in Europa alle Besitzer nachrangiger Anleihen zur Kasse. Er erwarte von diesen Gläubigern einen "deutlichen Beitrag", um sich an den Kosten der Sanierung der Anglo Irish Bank zu beteiligen, betonte Irlands Finanzminister Brian Lenihan. Betroffen sind Wertpapiere im Volumen von rund 2,4 Mrd. Euro. Diese Entscheidung ist ein Meilenstein in der Behandlung von Gläubigern.

In der Finanzkrise kamen bislang die Besitzer von Anleihen der Kategorie Lower Tier 2, die Banken zum Teil auf ihr Ergänzungskapital anrechnen können, ungeschoren davon. Das Geld für diese Anlageklasse gibt es gemäß den Vertragsbedingungen - wie bei herkömmlichen Bonds - nur dann nicht komplett zurück, wenn der Schuldner pleitegeht. Dabei werden Inhaber der Lower-Tier-2-Papiere erst dann ausgezahlt, wenn die anderen Gläubiger ihr Geld bekommen haben.

Eine Ausnahme gab es lediglich im Mai 2009. Damals mussten die Besitzer der Lower-Tier-2-Anleihen der ebenfalls nach einer Schieflage verstaatlichten britischen Bausparkasse Bradford & Bingley auf Zinszahlungen verzichten. Dies hatte damals die britische Regierung ausdrücklich erlaubt.

"Für die Gläubiger der Anglo Irish Bank wird es noch dramatischer, weil sie damit rechnen müssen, dass das Rückzahlungskapital deutlich herabgesetzt wird", sagt Alexander Plenk, stellvertretender Leiter des Researchs für Bankenanleihen bei der Unicredit. Alternativ könnte die Anglo Irish Bank die Papiere vorher zu sehr niedrigen Preisen zurückkaufen. Investoren fürchten einen solchen Schritt schon länger. Nachrangige Anleihen der Anglo Irish Bank notieren nur noch zwischen 20 bis 30 Prozent ihres theoretischen Rückzahlungswerts von 100 Prozent. Die Ratingagenturen haben die Bonität der Papiere zuletzt auf die untersten Stufen gesenkt.

Plenk geht davon aus, dass sich die Auswirkungen auf den Gesamtmarkt für Lower-Tier-2-Papiere in Grenzen halten werden. Schließlich sei Anglo Irish ein Einzelfall. Claudia Vortmüller, Analystin für Bankenanleihen bei der Commerzbank, erwartet keine größeren Auswirkungen auf den Gesamtmarkt, weil Lower-Tier-2-Anleihen unter Basel III eine "aussterbende" Refinanzierungsquelle für die Banken seien. Dies sollte aufgrund des Seltenheitswerts prinzipiell den Markt stabilisieren.

Verlustbeteiligungen werden üblich

Unter den als Basel III bekannten künftigen aufsichtsrechtlichen Kapitalregeln für Banken gibt es nur noch Bonds, die Banken auf ihr Kernkapital (Tier 1) oder ihr Ergänzungskapital (Tier 2) anrechnen können. Bei beiden sind bei neuen Papieren Verlustbeteiligungen der Gläubiger vorgesehen.

Positiv ist laut Experten, dass die Regierung in Dublin ausdrücklich die Besitzer von vorrangigen unbesicherten Anleihen der Anglo Irish Bank über 16 Mrd. Euro nicht in die Pflicht nimmt. Anleger hatten gefürchtet, dass Finanzminister Lenihan selbst mit diesem Tabu bricht.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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