Bonds in Bewegung
Die Anleihemärkte beruhigen sich

Im August konnten Anleiheinvestoren etwas aufatmen. Mitte Juni erreichten die Kurse der Staatsanleihen in den USA zwar kurzfristig neue Jahrestiefs und die Renditen im Gegenzug neue Hochs, doch unter dem Strich haben sich die Renditen im August kaum verändert.

TOKIO/FRANKFURT. Das gilt auch für die Bonds der Euro-Zone, für die im zehnjährigen Bereich die Bundesanleihen maßgeblich sind. In der vergangenen Woche reagierten die Anleihen zum Teil nicht einmal mehr auf positive Konjunkturdaten wie den besser als erwartet ausgefallenen Geschäftsklimaindex des Münchener Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung oder den über den Erwartungen liegenden Index des US-Verbrauchervertrauens der Universität Michigan am Dienstag. Dabei schaden in der Regel positive Konjunkturdaten den Bonds, weil Investoren bei besseren Wirtschaftsaussichten risikofreudiger werden und ihr Geld lieber in mehr Gewinn versprechende Aktien als in sichere Staatsanleihen anlegen.

„In den Renditen ist eine sich verbessernde US-Wirtschaft und eine durch die begleitende Geldpolitik der USA möglicherweise leicht steigende Inflationsrate eingepreist“, sagt Edward B. Marrinan, Chef-Corporate-Bond-Stratege bei JP Morgan in New York. Er geht davon aus, dass die positiven Zeichen eines wirtschaftlichen Aufschwungs in den USA anhalten werden. Europa entwickele sich – mit einer Zeitverzögerung – in dieselbe Richtung. Marrinan erwartet aber nicht, dass die Renditen mittelfristig weiter so stark nach oben klettern werden wie von Mitte Juni bis Ende Juli.

Diese Meinung teilen andere Experten, wobei weitgehend Konsens besteht, dass die Renditen zunächst noch einmal sinken werden. „Die Aufwärtsbewegung der Renditen ist eindeutig, aber aus fundamentaler Sicht sind die Kapitalmarktzinsen – zumindest in den USA – schon zu stark gestiegen“, sagt etwa Christoph Balz, Volkswirt bei der Commerzbank in Frankfurt.

Nach Berechnungen des britischen Forschungsinstituts Consensus Economics rechnen Ökonomen im Durchschnitt damit, dass 10-jährige US-Staatsanleihen in den nächsten drei Monaten 4,30 % Rendite abwerfen werden und damit weniger als heute. In einem Jahr sollte die Rendite dann bei 4,80 % liegen. Für 10-jährige Bundesanleihen lauten die Prognosen auf 4,00 bzw. 4,40 %.

Es gibt aber auch Stimmen, die davor warnen, dass der Konjunkturoptimismus, der die Renditen so stark anziehen ließ, extrem übertrieben sei. „Für eine nachhaltige Erholung der US-Wirtschaft fehlt die fundamentale Basis“, sagt John Butler, Leiter der Anleihestrategie bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. So hält er die Verschuldung der Unternehmen nach wie vor für sehr hoch. „Die Firmen haben zwar Schulden abgebaut, aber das Verhältnis von Netto-Verschuldung zu Netto-Vermögenswerten hat sich noch nicht gebessert, weil die Unternehmen viele Assets verkauft oder abgeschrieben haben“, sagt Butler. Von daher seien die Risiken der Unternehmen sehr hoch. Die Unternehmen würden bessere Cash-Flows nutzen, um ihre Kosten weiter zu senken, statt zu investieren oder neue Arbeitsplätze zu schaffen. Auch das seien keine positiven Zeichen. Butler rechnet damit, dass die Bondrenditen beiderseits des Atlantiks bis zum Ende des Jahres unter 4 % fallen und sich danach seitwärts bewegen werden.

In einem sind sich Experten aber weitgehend einig. Die Entwicklung der Kapitalmarktzinsen ist keine Gefahr für die Entwicklung der Wirtschaft. Das gilt zumindest für die USA und für Europa, denn historisch betrachtet sind die Renditen immer noch niedrig. „Trotz des jüngsten Renditeanstiegs können sich Staaten und Unternehmen immer noch zu sehr attraktiven Bedingungen am Anleihemarkt refinanzieren“, sagt Marrinan von JP Morgan.

Das gilt auch für Japan, wo sich die Rendite zehnjähriger Staatsbonds von Mitte Juni bis Ende August mehr als verdreifachte. Beim aktuellen Renditeniveau von 1,46 % sehen Experten aber auch hier zunächst das Ende des Renditeanstiegs. Der Markt habe sich auf Vorjahresniveau normalisiert, meint Richard Jerram, Chefvolkswirt von ING in Tokio. Die Wirtschaftserholung in Japan sei voraussichtlich nicht stark genug, um Japan aus der Deflation zu ziehen.

Doch auch in Japan sind die Meinungen gespalten. Jesper Koll, Chefvolkswirt von Merrill Lynch Japan, sieht das Land am ökonomischen Wendepunkt, unter anderem deshalb, weil die Überkapazitäten in der Industrie deutlich abgebaut wurden. Auch ein Ende der Deflation hält er für absehbar.

Solange Japan vom anhaltenden Preisverfall befallen ist, hat die Notenbank zugesichert, die Quasi-Nullzinspolitik beizubehalten. Eine offizielle Abkehr von dieser Politik würde die Renditen in Japan in die Höhe schnellen lassen. Abzusehen ist das aber zumindest derzeit noch nicht.

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