Bonds mit Koppelung an zehnjährige Zinssätze beliebt
Strukturierte Anleihen bieten Renditeplus

Die Furcht vor steigenden Renditen lässt Anleger zunehmend zu variabel verzinsten Anleihen greifen. Bei diesen Papieren werden die Zinsscheine regelmäßig an einen geldmarktnahen Interbankenzinssatz wie den dreimonatigen Euribor angepasst. Der Euribor liegt derzeit bei 2,14 Prozent und damit sehr niedrig. Je nach Kreditwürdigkeit des Emittenten gibt es bei den so genannten Floatern einen kleinen Auf- oder Abschlag auf den Euribor.

cü FRANKFURT/M.Aussichten auf noch höhere Renditen verspricht eine neue Variante der Floater. Bei ihnen wird die Verzinsung statt an einen dreimonatigen an einen zehnjährigen Kapitalmarktzins angepasst. Staaten wie Frankreich, Italien oder Griechenland und staatsnahe Institutionen wie die Europäische Investitionsbank oder die KfW Bankengruppe richten sich bei der Verzinsung dabei nach dem so genannten Tec-10-Index, der die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen abbildet und bei etwa 3,14 Prozent liegt. Der Haken daran ist allerdings, dass die Anleihen mit einem Abschlag von meist einem ganzen Prozentpunkt zum Tec-10-Index begeben werden. Derzeit bringen an diesen langfristigen Satz gekoppelte Bonds also kaum mehr Rendite als an den Euribor gekoppelte Anleihen.

„Generell sind solche Anleihen vor allem für die Investoren geeignet, die auf eine steilere Zinskurve setzen, also davon ausgehen, dass die zehnjährigen Kapitalmarktzinsen in Zukunft deutlicher als heute über dem Dreimonatsgeld liegen“, erklärt Gerald Rücker, der bei BNP Paribas das deutsche Kapitalmarktgeschäft leitet.

Attraktiver als an den Tec-10-Index gekoppelte Bonds von Staaten oder staatsnahen Institutionen sind an so genannte Constant Maturity Swaps (CMS) gekoppelte Anleihen von Banken und Versicherern. Bei ihnen beträgt in der einfachsten Variante der Abschlag zum Zehn-Jahres-Satz im Schnitt nur um die 0,20 Prozentpunkte. Als Referenz gilt dabei der zehnjährige Swap-Satz von derzeit 3,20 Prozent. Swaps sind Interbankensätze zum Tausch fester gegen variable Zinsen. Bei komplizierteren Strukturen sind die Abschläge zu den CMS geringer.

Der Markt für an zehnjährige Sätze gekoppelte Bonds wächst „in atemberaubendem Tempo“, meint Jochen Mächtlinger, Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. Anleiheschuldner haben seit Jahresanfang allein unter MTN-Programmen neue Tec-10 oder CMS-Strukturen über rund 43 Mrd. Euro auf den Markt gebracht. Vor drei Jahren waren es gerade mal 2,6 Mrd. Euro. MTN-Programme setzen Rahmenbedingungen für Bond-Emissionen.

Der Markt wird Experten zufolge vor allem von der großen Nachfrage getrieben. „Im derzeit niedrigen Zinsumfeld sind Renditeaufbesserungsstrukturen besonders gefragt“, sagt Mächtlinger. Dabei gebe es auch von Privatanlegern immer größeren Zuspruch. „Angesichts der stetig sinkenden Renditen am langen Ende ist das Interesse insgesamt in jüngster Zeit jedoch etwas zurückgegangen“, beobachtet Rücker von BNP Paribas.

Die höchsten Renditen bieten CMS-Strukturen bei nachrangigen Hybrid-Anleihen von Banken und Versicherern, die außerhalb der MTN-Programme begeben werden. Das liegt an dem höheren Risiko. Hybrid-Anleihen sind Bonds, die Banken und Versicherer zum Teil auf ihr Eigenkapital anrechnen können. In der CMS-Variante bieten sie meist in den ersten ein oder zwei Jahren sehr hohe Kupons und danach einen Aufschlag von etwa 0,05 bis 0,15 Prozentpunkten auf den zehnjährigen Swap-Satz. Dafür haben die Bonds meist eine unendliche Laufzeit, und es ist ungewiss, ob die Emittenten sie nach einer gewissen Zeit freiwillig tilgen. Zudem können die Zinszahlungen in Jahren ausfallen, in denen der Anleiheschuldner keinen Bilanzgewinn erzielt. Im Konkursfall werden die Besitzer von Hybrid-Anleihen zudem erst nach anderen Gläubigern bedient.

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