Bonds mit langen Laufzeiten sichern die Einnahmen von Institutionellen
50-jährige Staatsanleihen sind beliebt

Anleihen mit extrem langen Laufzeiten sind gefragt wie nie zuvor. Der britische Schatzkanzler Gordon Brown kündigte vor kurzem die Emission von Bonds mit 50-jähriger Laufzeit im ersten Quartal des Fiskaljahres an – Frankreich hat als erstes europäisches Land bereits Ende Februar Schuldtitel mit Fälligkeit im Jahr 2055 begeben.

Bislang lag die längste verfügbare Laufzeitvariante staatlicher Bonds bei 30 Jahren. Trotz des mageren Renditeaufschlags der französischen Ultra-Langläufer von drei bis vier Basispunkten gegenüber den 30-jährigen Staatsanleihen aus Frankreich war das Interesse institutioneller Investoren groß. Auch Italien und Deutschland denken über die Emission 50-jähriger Bonds nach.

Insbesondere Pensionsfonds und Versicherer in Ländern wie Großbritannien, den Niederlanden, Deutschland und Frankreich sind für die gestiegene Nachfrage nach Ultra-Langläufern verantwortlich. Nach Reformen der Rechnungslegungsbestimmungen sind institutionelle Investoren in einigen Ländern gezwungen, die Laufzeiten ihrer Vermögenswerte an ihre künftigen Zahlungsverpflichtungen anzugleichen. Ziel des verpflichtungsgerechten Vermögensmanagements ist es, Risiken zu minimieren und einen Rückgriff auf die Reserven des Anbieters bei unerwarteten Verlusten zu vermeiden.

Die Struktur der Zahlungsverpflichtungen ist stark von Marktentwicklungen und demographischen Faktoren abhängig. Bei sinkenden Geburtenraten und einer ständig steigenden Lebenserwartung ist etwa auf lange Sicht mit einem geringeren Wachstumspotenzial und niedrigeren Zinssätzen zu rechnen. Zudem müssen künftig immer weniger Erwerbstätige für immer mehr Rentner Ruhestandszahlungen und Gesundheitskosten erwirtschaften. Diese Entwicklungen bergen Risiken, die institutionelle Investoren bislang auf der Einnahmeseite mit konventionellen Bonds, Strips und inflationsindexierten Papieren nur bis zu einem Zeitraum von etwa 30 Jahren absichern konnten. 50-jährige Anleihen füllen nun die bislang bestehende Angebotslücke am langen Ende des Laufzeitspektrums.

Allerdings wird mit Ultra-Langläufern auch das derzeit niedrige Zinsniveau auf lange Zeit festgeschrieben. Ist zu viel Kapital langfristig an niedrige Kupons gebunden, dann mindert dies die Renditechancen eines Portfolios in Hochzinsphasen. Dafür verfügen Ultra-Langläufer im Vergleich zu Papieren mit früherer Fälligkeit über eine höhere Konvexität (Maß zur Messung der Kurssensitivität).

Erfüllung regulatorischer Anforderungen, Optimierung von Duration und Konvexität, Sicherung von Einnahmen auf lange Sicht – das sind die Vorteile der Ultra-Langläufer. Auf der Negativseite steht im derzeitigen Niedrigzinsumfeld die langfristige Zinsbindung der Papiere. Doch eine weltweite Umfrage des französischen Schatzamtes unter 550 institutionellen Investoren ergab, dass 49 Prozent der Befragten sich für die französischen Ultra-Langläufer interessieren.

Für den Erfolg der Ultra-Langläufer spricht auch, dass europäische Pensionsfonds derzeit einen hohen Anteil ihres Vermögens in Aktien investiert haben. Insgesamt beläuft sich ihr Aktienbesitz auf fast eine Billion Euro. Wenn nur 25 Prozent dieser Aktienanlagen in Anleihen mit längerer Laufzeit umgeschichtet würden, ergäbe sich ein Marktpotenzial von mehr als 200 Mrd. Euro.

Lionel Oster ist Leiter Staatsanleihen Europa bei F&C Management Asset Management plc in London.

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