Bonds profitieren vom Rückzug des Übernahmeangebots von Philip Green – Verschuldung des Warenhauskonzerns nimmt zu
Papiere von Marks & Spencer steigen

Die Anleihen des britischen Kaufhauskonzerns Marks & Spencer standen in den vergangenen Wochen im Blickpunkt des Bondhandels. Seit der Milliardär Philip Green Ende Mai angekündigt hatte, er wolle das britische Traditionshaus übernehmen, sanken die Kurse der Anleihen deutlich und ihre Renditen stiegen.

FRANKFURT/M. Die Aktien profitierten dagegen von der Übernahmephantasie. Jetzt hat sich das Blatt gewendet. Green zog sein Angebot vergangene Woche zurück. Seitdem gehen die Aktien auf Talfahrt, und die Kurse der Bonds steigen.

Der Grund für die höheren Anleihekurse ist, dass mit Greens Rückzug auch sein Plan einer größtenteils fremdfinanzierten Übernahme – ein so genanntes Leveraged Buy-Out – vom Tisch ist. „Dadurch hätten sich die Schulden des Konzern mindestens verfünffacht“, sagt Carmen Hummel, Analystin für Unternehmensanleihen bei der Hypo-Vereinsbank (HVB). Die Ratingagenturen setzten die Bonitätsnoten von Marks & Spencer schon nach der Ankündigung der Übernahme deutlich herunter. Bei einem Leveraged Buy-Out wären die Ratings im spekulativen Bereich der so genannten Junk-Bonds (Schrottanleihen) gelandet. Zwar ist dies nun nicht mehr zu befürchten, aber die Verschuldung der Warenhauskette wird dennoch steigen. Denn den Aktionären versprach Marks & Spencer eine Sonderausschüttung von 2,3 Mrd. Pfund. Die wird nur zu einem Teil durch den geplanten Verkauf der Finanzsparte Marks & Spencer Financial Services an die britische Großank HSBC für 762 Mill. Pfund finanziert. Deshalb beließen die Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch die Ratings auf den herabgestuften Noten „BBB“, „Baa2“ beziehungsweise „BBB+“.

Die 2006 fällige Anleihe von Marks & Spencer rentiert derzeit mit 3,42 Prozent. Damit bietet sie immer noch fast einen halben Prozentpunkt mehr Rendite als gleich laufende, ebenfalls im Bereich Dreifach-B eingestufte Anleihen der Handelskonzerne Metro oder Casino. Die Analysten von BNP Paribas halten Anleihen von Marks & Spencer wegen dieses Renditeaufschlags für attraktiv. Dresdner Kleinwort Wasserstein dagegen empfiehlt, die Bonds unterzugewichten, da das Risiko einer Übernahme noch nicht vom Tisch sei. In der Tat hat sich Green in seiner Rückzugserklärung vorbehalten, ein neues Angebot für Marks & Spencer abzugeben. Green, Besitzer der britischen Textilhäuser Arcadia und BHS, hatte schon einmal versucht, den Konkurrenten zu übernehmen.

Auch HVB-Expertin Hummel rät professionellen Investoren, Anleihen von Marks & Spencer angesichts der gestiegenen Verschuldung zu verkaufen. Außerdem sei in den vergangenen Wochen von seiten des Konzerns nicht einmal das Wort „Anleihebesitzer“ gefallen. Von daher geht Hummel davon aus, dass sich der Warenhausbetreiber nur um seine Aktionäre, nicht um seine Anleihehalter kümmern will. Die Strategie von Marks & Spencer sei auf aggressives Wachstum und weitere Verschuldung ausgerichtet. Von daher könnten die Anleihen noch deutlich unter Druck kommen. Attraktiv könnte aber der 2006 fällige Bond für Privatanleger sein, die ihn bis zur Fälligkeit halten und sich die aktuelle Rendite sichern wollten, meint Hummel. Denn dass Marks & Spencer in absehbarer Zeit in Liquiditätsschwierigkeiten gerate und die Anleihe nicht bediene, sei sehr unwahrscheinlich.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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