Bonds-Verkäufe
Krise der Euro-Länder spitzt sich weiter zu

Die Nervosität an den Märkten steigt. Renditen und Risikoprämien der Anleihen von schwachen europäischen Staaten schnellen nach oben. Besonders Irland und Portugal stehen unter Beobachtung. Das alles erinnert fatal an die Lage im Frühjahr.
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FRANKFURT. Die angeschlagenen Euro-Länder machen den Anlegern zunehmend Angst. Anleihebesitzer verkaufen seit Wochen wieder massiv Bonds der Staaten Irland, Portugal und Griechenland. Ein Ende des Ausverkaufs ist nicht abzusehen, obwohl die Renditen schon kräftig gestiegen sind. Analysten sind alarmiert: "Die Unsicherheit ist zurück, und das ist für Investoren das Schlimmste", sagt Elmar Völker, Anleihestratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Für die große Nervosität an den Märkten gibt es mehrere Gründe: So stehen in Athen die revidierten und höheren Schätzungen für das Haushaltsdefizit noch aus, auch die niedrigen Steuereinnahmen machen Sorgen. In Irland wird derweil über den neuen Staatshaushalt verhandelt. Dabei ist die Regierung in Dublin wegen der höher als erwartet ausgefallenen Geldspritzen für das marode Bankensystem gezwungen, noch mehr zu sparen. In Portugal konnte die Regierung den neuen Sparhaushalt nur nach zähen Verhandlungen mit der Opposition durchsetzen. Dazu kommt die politische Unsicherheit nach dem jüngsten EU-Gipfel. Die EU-Regierungschefs haben auf Druck von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy vergangene Woche einen dauerhaften Schutzschirm für schwache Euro-Länder beschlossen und den Weg für eine geordnete Insolvenz von Euro-Staaten vorbereitet. Dabei sollen auch private Gläubiger beteiligt werden.

Investoren dürften nervös bleiben

Wie genau dies aussehen wird, ist noch nicht klar. Die dafür nötigen Änderungen des EU-Vertrags sollen bis Mitte 2013 in Kraft treten, wenn die im Frühjahr beschlossenen Milliardenhilfen für Griechenland und andere Euro-Staaten auslaufen. "Das kam nicht überraschend, reicht aber, um die Investoren noch längere Zeit nervös zu machen", meint Cagdas Aksu, Zinsstratege bei Barclays Capital. Quentin Fitzsimmons, Leiter für Staatsanleihen und Devisen beim Fondshaus Threadneedle, ergänzt: "Selbst die Diskussionen darüber, ob nicht irgendwann doch ein Land die Euro-Zone verlassen wird, könnten wieder hochkochen."

Das alles erinnert fatal an die Lage im Frühjahr. Damals beherrschte die Unsicherheit über etwaige Hilfen die Märkte, und die Anleiherenditen der Krisenländer sprangen in die Höhe. Kurz bevor die Hilfen für Griechenland beschlossen wurden, rentierten zehnjährige griechische Staatsanleihen mit 8,5 Prozent - jetzt liegt die Rendite noch 2,5 Prozentpunkte höher.

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  • leute abwarten!
    pulver trocken halten!
    nicht alle leute bekloppt machen!
    nicht auf die börsengurus hören und auf die banken!
    konservativ bleiben!
    dann kommt jeder durch !!

  • Die Politiker versuchen nach wie vor, uns als dumm zu verkaufen. Das, was man uns seit Kohls Zeiten mit dieser EU und dem Euro eingebrockt hat, wird man noch in 1000 Jahren in den Geschichtsbüchern lesen können. Nun will Tante Merkel auch noch den steuerfinanzierten unrechtmässigen EU-Rettungsschirm mit Änderung des Lissabon-Vertrags legalisieren lassen. ich habe keine Lust mehr, ständig für die Fehler der Politik und der banken zu bezahlen. Wann endlich hat dieser "alternativlose" Ausverkauf der deutschen Steuerzahler ein Ende???

  • Wie dumm muß ein Volk schon geworden sein das unseren bangstern und Politmafiosis noch irgendetwas glaubt. Wir werden noch sehr teuer für die Rettungspakete und der es geht , es ging , es war nicht anders möglich Politik bezahlen. Die Ganoven haben das gesetzlich sehr schön eingerichtet um für ihr Handeln nicht belangt werden zu können. Es ist zum Kotzen. Wir brauchten einen Sondergerichtshof.

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