Bonds
Versicherer jagen Unternehmensanleihen

Seitdem die Europäische Zentralbank den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,5 Prozent gesenkt hat, lechzen die Versicherer nach profitablen Anlagen. Die meisten stillen ihren Renditehunger mit Unternehmensanleihen.
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Angesichts rekordniedriger Zinsen in Europa setzen Versicherer und Rückversicherer immer stärker auf Unternehmensanleihen und Infrastrukturkredite. Laut Bloomberg-Daten haben die drei größten französischen Lebensversicherer Axa, CNP Assurances und Credit Agricole im vergangenen Jahr rund 25 Milliarden Euro in Unternehmensanleihen außerhalb des Finanzsektors umgeschichtet. Auf der Suche nach Rendite stecken auch die beiden weltgrößten Rückversicherer Munich Re und Swiss Re immer mehr Geld in solche Investments.

„Dieser Trend nimmt zu“, sagt Eric Vanpoucke von Financiere Meeschaert in Paris, die Anteile von Axa, Allianz und Swiss Re halten. Die Solvabilitätsvorschriften für Versicherer bevorzugten Anleihen gegenüber Aktien, so der Fondsmanager.

Versicherer, die Prämieneinnahmen investieren, um Versicherungsansprüche erfüllen zu können, sind traditionell große Käufer von Staatsanleihen. Da deren Renditen auf Allzeittiefs abgestürzt sind, lenken die Institute immer größere Summen in Unternehmensanleihen und Infrastrukturkredite.

Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen erreichte im Mai ein Rekordtief von 1,659 Prozent, die entsprechender deutscher Papiere stürzte auf 1,165 Prozent, nahe dem Juli-Rekordtief von 1,127 Prozent. Auch wenn die Renditen seitdem wieder angezogen haben, liegen sie noch immer bei weniger als der Hälfte ihrer Höchststände, seit es den Euro gibt. Im Mai senkte die Europäische Zentralbank ihren Leitzins auf ein Allzeittief von 0,5 Prozent.

Niedrige Zinsen sind für Versicherer das größte Risiko, danach folgt die Verschuldung von Staaten und Finanzinstituten, meldete die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung EIOPA am 12. Juni.

Die meisten Versicherungsmärkte zeigen ein „zunehmendes Rendite-Such-Verhalten”, heißt es in dem Finanzstabilitätsbericht der EIOPA zur Jahresmitte. „Es ist klar, dass angesichts des sich verschlechternden makroökonomischen Umfelds die Wahrscheinlichkeit einer verlängerten Periode niedriger Zinsen zunimmt.”

Munich Re erklärte bei der Vorstellung ihres Jahresabschlusses im März, dass sinkende Zinsen Auswirkungen auf die Rendite von Reinvestitionen hätten. Um diesem Trend entgegenzuwirken, wende sich das Institut Unternehmensanleihen und strukturierten Kreditprodukten zu.

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