Bonität der USA

Fitch malt den Teufel an die Wand

Verlieren die USA ihre Rating-Bestnote? Die Ratingagentur Fitch stellt die zukünftige Kreditwürdigkeit der USA in Frage. Ihr ist der Dauerstreit zwischen Republikanern und Demokraten ein Dorn im Auge.
Update: 29.11.2011 - 04:29 Uhr 13 Kommentare
Fitch senkt den Ausblick für die Kreditwürdigkeit der USA. Quelle: dpa

Fitch senkt den Ausblick für die Kreditwürdigkeit der USA.

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New York/WashingtonDie Ratingagentur Fitch hat wie angedroht den Ausblick für die Bewertung der Kreditwürdigkeit der USA auf negativ von zuvor stabil gesenkt. Weil der Schritt nicht überraschend kam, hielten sich die Auswirkungen an den Finanzmärkten in Grenzen.

Fitch begründete den gesenkten Ausblick am Montag mit dem anhaltenden Haushaltsstreit zwischen Demokraten und Republikanern. Zugleich forderte Fitch bis 2013 die Vorlage eines „glaubhaften Plans“ zur Eindämmung des Rekord-Schuldenbergs, der die 15-Billionen-Dollar-Schallmauer durchbrochen hat.

Damit steigt die Wahrscheinlichkeit einer Herabstufung der Bestnote „AAA“. Es gebe eine Chance von etwas mehr als 50 Prozent, dass die Bewertung in den kommenden zwei Jahren herabgestuft werde.

Noch bleibe die Bewertung auf Höchstniveau, weil die US-Wirtschaft auf starken Fundamenten gründe. Auch die Bonitätskennzahlen nenne Fitch dem „Wall Street Journal“ zufolge als Grund gegen eine sofortige Abwertung. Der US-Dollar und die Staatsanleihen blieben Referenzwerte in aller Welt, so die Ratingagentur. Dies verschaffe den USA den Vorteil minimaler finanzieller Risiken.

Der negative Ausblick reflektiert nach Angaben von Fitch die Unfähigkeit der Politik, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die öffentlichen Finanzen wieder auf einen tragfähigen Weg zu bringen. Die Ratingagentur verweist auf die gescheiterten Verhandlungen im US-Kongress über ein Konzept zum Schuldenabbau.

Den längerfristigen Ausblick sieht Fitch skeptisch. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte der US-Schuldenstand von derzeit rund 90 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bis auf 110 Prozent steigen. Ein solcher Wert wäre nicht mehr vereinbar mit der Bestnote. Ein solch hoher Schuldenstand würde eine Reaktion der US-Regierung auf künftige Krisen erschweren.

Fitch begründete die Entscheidung mit dem unsicheren Wachstumspotenzial der US-Wirtschaft. Solange die wirtschaftlichen Kapazitäten nicht ausgelastet würden und die Arbeitslosigkeit hoch bleibe, steige das Risiko, dass Produktionsverluste und Steuerausfälle höher als bisher erwartet ausfallen könnten.

Das Finanzministerium in Washington erklärte, die Entscheidung von Fitch mache die Notwendigkeit für den Kongress deutlich, das langfristige Defizit in ausgewogener Weise zu senken.

Auch andere Ratingagenturen sehen US-Zukunft negativ
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13 Kommentare zu "Bonität der USA: Fitch malt den Teufel an die Wand"

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  • Man braucht nur mal die Funktion Debt Clock time machine nutzen bei http://www.usdebtclock.org/ und man sieht, dass bei derzeitigen Wachstumsraten der Schuldenstand 2015 bei 134 % des GDP sein wird. Alle, die hier einen Lobgesang auf die amerikanische Wirtschaft im Gegensatz zu Europa machen, vergessen, dass in USA auch die privaten Haushalte verschuldet sind. Dies ist in Europa nicht der Fall

  • Rating-Bestnote für die USA: Eine Lachnummer die die Welt noch nicht gesehen hat!!!!

  • Fitch hat doch vollkommen recht. Ich verstehe nicht, warum sich Leute hier aufregen - schaut Euch doch nur mal die Schuldenentwicklung und das Affentheater von Demokraten und Republikanern an.

    Ich sehe in den Ratingagenturen die einzigen Schiedsrichter, die hier vielleicht die Holzköpfe in Washington noch zur Vernunft bringen können.

    Ohne sie hätten die USA wahrscheinlich 30 statt 15 Bill USD Schulden...

  • Warum immer der bange Blick zu Personen, die es bei den Banken zu nichts gebracht haben, und die deshalb für einen Bruchteil des Gehaltes bei Poststellen wie Fitch, Moodys oder S&P arbeiten, wo sie Dinge bewerten die sie nicht immer verstehen, oft nach Wunsch der ja geschäftlich verbundenen Banken?

  • naja. die usa haben nur einen entscheidenden vorteil. nicht eine so lästige bürokratie wie hier in europa. trotzdem hätten die ratings für die usa schon längst auf spanien-niveau liegen müssen. den agenturen sind die hände gebunden. ich denke, die halten sich so lange zurück, wie es möglich ist und spekulieren auf den zerfall der eurozone. dass dies die weltwirtschaft schädigen könnte, bezweifele ich stark, da deutschland gestärkt aus dieser krise gehen würde und als wachstumsmaschine alleine die krise dämpfen kann. das problem sind auch die zockerbanken, die immer noch viel zu lasch behandelt werden. ich hoffe ausser den, dass s&p ganz stark bluten muss für die lehmann-fehleinschätzung. genauso könnte es jetzt mit der staatenkrise sein.

  • Nicht ganz. Die USA ist eine der wenigen (einzige nennenswerte) Volkswirtschaften die alleine durch ihre Binnennachfrage das konjunkturelle Ruder herumreißen können.
    Des weiteren besitzt die USA eine solide Wirtschaft mit vielen innovativen Ideen für die breite Masse.

  • agreed: it may sound ridiculous and of course government parties and opposition should fight. On the other hand a RA has to refer on economic risks n not more or less they seem to do.

  • Der große und entscheidende Unterschied zur Euro-Zone ist aber, dass wir mittel- und langfristig die Grundlagen für solides Wirtschaften legen und Schulden nicht durch noch mehr Schulden bekämpfen (sollten).

    Die USA hat eben kein funktionierendes Vorbild. Bei so viel Verstand, Wissen und Wirtschftsmacht können sich die USA aber auch allein helfen ;-)

  • verschont uns von diesen Spekulationen!!!!
    Ich kanns nimmer hören!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Jeder vernünftige Mensch weiß das die Ratingagenturen Pro USA sind!!!!!!!!!
    Und somit werden außer Androhungen niemals Abstufungen folgen.
    Sonst hätten Die USA längst schon B+ oder B-.
    Der ihre Meinung ist nichts Wert, das hat die Vergangengheit oft genug gezeigt.
    Wer dennoch auf die hört: PP

  • Die entscheidenden Faktoren liegen in der strukturellen Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft und in den Verhaltensweisen des asiatischen Raumes, speziell China und Japan.

    Aus diesen Bereichen wird sich das Schicksal des US-$ mittelfristrig bestimmen.

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