Bonität Fitch straft Italien und Spanien ab

Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit von Italien und Spanien herabgestuft. Begründung: Die Regierungen hätten zu spät auf die Schuldenkrise reagiert. Der Euro gerät unter Druck.
Update: 07.10.2011 - 19:56 Uhr 18 Kommentare
Fitch hat die Bonitäten der beiden Länder gesenkt. Quelle: Reuters

Fitch hat die Bonitäten der beiden Länder gesenkt.

(Foto: Reuters)

New York/MadridDie Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit von Italien und Spanien herabgestuft. Die Bonitätswächter bewerten Italien nun mit „A+“. Der Ausblick wird negativ eingestuft. Fitch begründete die Senkung der Bonität des schuldengeplagten Landes mit der Verschärfung der Krise in der Euro-Zone. Zugleich schrieb Fitch der Regierung ein unzureichendes Verhalten in der Krise zu. Es sei zu spät auf die Ausweitung der Schuldenkrise reagiert worden, hieß es.

Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone und sitzt auf einem Schuldenberg von rund 1,9 Billionen Euro. Erst am Dienstag hatte Moody's die Kreditwürdigkeit Italiens auf „A2“ gesenkt. Damit stufen Moody's wie auch S&P die Bonität des Euro-Mitgliedstaates niedriger als Fitch ein.

Fitch senkte die Bonität Spaniens um zwei Stufen auf „AA-“. Auch dort sei das Risiko eines weiterhin schwachen Wirtschaftswachstums und eine hohe Schuldenlast verantwortlich für die Herabsenkung. Damit liegt die Bewertung auf einem Niveau mit Malta und der Slowakei. Der Ausblick ist negativ, was auf weitere mögliche Herabstufungen in der Zukunft hindeutet. Fitch rechnet damit, dass das spanische Wirtschaftswachstum bis 2015 weiter unter zwei Prozent liegt. Die Arbeitslosigkeit, die derzeit rund 20 Prozent beträgt, werde hoch bleiben. Trotz der gestiegenen Risiken stuft Fitch die spanischen Staatsanleihen weiter als sicher ein. Spanien leidet immer noch unter dem Zusammenbruch seiner Immobilienwirtschaft in Folge der Finanzkrise.

Analysten zeigten sich vor allem von der Herabstufung Spaniens verblüfft. „Die drei Ratingagenturen bringen ihre Bewertungen in Übereinstimmung und die Beweggründe sind ähnlich. Die wirkliche Überraschung heute ist Spanien, nicht Italien“, sagte Fabrizio Fiorini von Aletti. David Song von DailyFX erklärte: „Dies rückt die Staatsschuldenkrise wieder in den Fokus und die Herabstufung Spaniens Seite an Seite mit Italien erhöht die Risiken für eine Ansteckung.“ Der Euro könne in den kommenden Tagen unter die Marke von 1,30 Dollar fallen.

In einer dritten Entscheidung beließ Fitch den Ausblick für Portugal auf negativ. Weitere Schritte für die Kreditwürdigkeit Portugals will die Agentur im vierten Quartal 2011 mitteilten. Portugal, das bereits unter den Euro-Rettungsschirm EFSF geschlüpft ist, verfügt mit der Note „BBB-“ über eine wesentlich schlechtere Bonität als Italien und Spanien. Die Note liegt nur einen Schritt über dem sogenannten „Ramsch-Niveau“, mit dem Ratingagenturen besonders riskante Anlagen kennzeichnen.

Alle drei Entscheidungen teilte die Agentur am Freitagabend in einem Abstand von nur wenigen Minuten mit. An den Finanzmärkten kam der Euro spürbar unter Druck. In kurzer Zeit gab er mehr als einen Cent nach und stand zuletzt bei 1,3380 US-Dollar. Sichere Anlagen wie deutsche Staatsanleihen erhielten hingegen Zulauf.

Am Freitagmorgen hatte die Ratingagentur Moody's die Sorgen um Europas Banken bereits angeheizt. Die Analysten senkten den Daumen über die beiden Großbanken Royal Bank of Scotland (RBS) und Lloyds sowie etliche kleinere Institute.

  • dapd
  • rtr
  • dpa
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18 Kommentare zu "Bonität: Fitch straft Italien und Spanien ab"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ratingagenturen haben keinen Zugang zu Information, die ihnen nicht zugaenglich gemacht wird. Somit erfahren sie oft erst von einer Verschlechterung, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Vielleicht ist auch der Abstand zwischen AAA und Pleite zu kurz gewaehlt.

    Auch frage ich mich wie sie reagieren wuerden, wenn sie zumindest fuer falsche AAA-Ratings haftbar gemacht werden koennten. Also beispielsweise wenn eine AAA-Bewertung binnen eines Jahres pleite geht. Nun kann man sagen, dies kann immer geschehen. Sehe ich auch so. Aber was macht AAA dann fuer einen Sinn?

  • Wie arbeiten Ratingagenturen?

    Hier ein Artikel aus der SZ über S&P
    http://www.sueddeutsche.de/geld/wie-ratingagenturen-arbeiten-daumen-runter-panik-hoch-1.1125597

  • Die Agenturen werden viel zu ernst genommen. Wer etwas zu verbergen hat wird es wohl kaum denen auf die Nase binden. Und wenn die Agentur Probleme schon kennt, dann sind sie ohnehin schon fuer viele offensichtlich. Also ich denke, wir sollten deren Rating nicht so ernst nehmen. Da liegt das Problem, dass wir die ernst nehmen.

  • Nein, die Ratingagenturen haben _nicht_ recht. Sie behandeln unterchiedliche Staaten nach ganz unterschiedlichen Maßstäben.

    Weil aber die Entscheidungskriterien der Ratingagenturen nicht transparent sind und die Agenturen keine Verantwortung für ihre Bewertungen tragen müssen, können sie sich jegliches Urteil erlauben.

    Aber die durch die Ratings steigenden Zinsen der verschuldeten Staaten werden auf Dauer das Urteil bestätigen (erzwingen).

  • Sie haben ja Recht die Ratingagenturen. Andererseits sagen sie ja keine Neuigkeiten. Wer etwas beobachtet und nachdenkt, der kann sich auch selbst seinen Reim auf Griechenland & Co machen - dazu braucht es keine Agenturen. Auch wenn die Griechenland mit AAA bewerten wuerden, ICH wuerde keine Anleihen kaufen. Und genauso ist es umgekehrt. Wer das Problem rechtzeitig erkannte, hat schon laengst verkauft.

  • Jetzt rächt sich der Erweiterungswahn der Eurokraten, Länder in den Euroraum aufzunehmen, die nicht dazupassen.
    Aber unsere Politiker sind auf diesem Auge blind und müssen erst von außen aufgeweckt/aufgeschreckt werden.
    Und wie reagiert die Politik? Mit immer neuen und größeren Rettungsschirmen!
    Actio recta non erit, nisi recta fuerit!

  • @jneugebauer: Warum die ständigen Neubewertungen der einzelnen Länder?

    Weil ein Plan hinter der Vorgehensweise steckt.

    Es geht darum, einen kontinuierlichen Fluss von Attacken auf die Kreditwürdigkeit der südlichen Euro-Staaten zu erzeugen. Aus sicherer Entfernung schießen die Rating-Agenturen die Südstaaten sturmreif.

    Die Ratingagenturen sind die Artillerie des Dritten Weltkriegs. Am Ende werden Tote (wie viele?) durch Ausschreitungen und Bürgerkriege und bankrotte Staaten (welche?) stehen.

    Nicht mit Bomben, Panzern und Gewehren wird dieser Krieg ausgefochten. Das wäre angesichts der Existenz von Atomwaffen viel zu gefährlich.

    Der Krieg hat sich modernisiert. Die Resultate werden dennoch ähnlich wie in früheren Zeiten sein.

  • Absurdes Theater. Vor den Augen der Öffentlichkeit führen drei Ratingagenturen einen Kontinent an der Nase herum. Und ihnen wird weiterhin Glauben geschenkt.

    Die Ratingagenturen sind nicht der vor der Krise warnende Zeigefinger; sie sind der Mit-, wenn nicht gar der Hauptverursacher der Krise.

    Die Vorgehensweise ist so dreist wie offensichtlich: es werden konkrete Ziele ausgesucht, die dann reihum mit Abwertungen beschossen werden. Bevorzugt liegen diese Ziele im Süden Europas. Es sind ganze Staaten oder aber auch Banken, wenn mehr medienwirksame Geschosse abgefeuert werden sollen. Zwischendurch werden einige wenige Alibi-Abwertungen gegen angelsächsische Institutionen abgegeben.

    Griechenland als Opfer ist abgearbeitet. Dessen Staatsbankrott ist anscheinend beschlossene Sache. Jetzt wendet man sich den eigentlichen Zielen zu, Italien und Spanien. Staaten, die ein europäischer Rettungsschirm nicht auffangen kann.

    Euro-Land hat zwei Optionen zur Wahl, von denen man nicht weiß, welche schlechter ist. Entweder gehen die beteiligten Staaten sofort pleite oder aber Euro-Land vereinigt sich zu den „Vereinigten Staaten von Europa“ mit einer gemeinsamen Regierung und gemeinsamer Fiskalstruktur samt gemeinsamen Anleihen. Dann werden sich die beteiligten Staaten im Laufe der Zeit untereinander gegenseitig zerfleischen.

    In den Geschichtsbüchern wird man lesen, dass Europa aus eigener Schuld zu Grunde ging. Man hat sich gegenseitig ruiniert.

    Geschichte wiederholt sich.

  • Warum diese ständigen Neubewertungen der einzelnen Länder?

    Können die Ratingagenturen nicht einfach mal gründlich recherchieren und dann ein seriöses Rating festlegen das Bestand hat und nicht bei jeder Äußerung von Berlusconi wieder geändert werden muss?

  • [...]

    So ging der Kaiser unter dem prächtigen Thronhimmel, und alle Menschen auf der Straße und in den Fenstern sprachen: "Wie sind des Kaisers neue Kleider unvergleichlich! Welche Schleppe er am Kleide hat! Wie schön sie sitzt!" Keiner wollte es sich merken lassen, daß er nichts sah; denn dann hätte er ja nicht zu seinem Amte getaugt oder wäre sehr dumm gewesen. Keine Kleider des Kaisers hatten solches Glück gemacht wie diese.

    "Aber er hat ja gar nichts an!" sagte endlich ein kleines Kind. "Hört die Stimme der Unschuld!" sagte der Vater; und der eine zischelte dem andern zu, was das Kind gesagt hatte.

    "Aber er hat ja gar nichts an!" rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: ,Nun muß ich aushalten.' Und die Kammerherren gingen und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.

    Aus "Des Kaisers neue Kleider" von Hans Christian Andersen.

    http://gutenberg.spiegel.de/buch/1227/114

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