Boom am Anleihemarkt
Wohin die Billionen Dollar fließen

Nie war das Volumen an Unternehmensanleihen so hoch wie derzeit. Auch das Anlagevolumen bei Anleihefonds hat einen neuen Höchststand erreicht. Aber wird der Boom auch in den kommenden Monaten anhalten?
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FrankfurtUnternehmensanleihen von Europa über die USA und bis nach Asien haben in diesem Jahr ein neues Rekordvolumen von nun 3,9 Billionen Dollar erreicht. Der alte Höchststand von 2009 wurde übertroffen, nachdem die Kreditkosten auf den niedrigsten Stand der Geschichte sanken.

Im vergangenen Jahr waren weltweit Bonds im Volumen von 3,29 Bill. Dollar emittiert worden - und in 2010 rund 3,23 Bill. Dollar, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht.

Nachdem die Notenbanken die Leitzinsen überall auf der Welt niedrig halten, um die Wirtschaft anzukurbeln, haben Investoren in diesem Jahr gleichzeitig die nie zuvor dagewesene Summe von 455,7 Mrd. Dollar in Anleihefonds gesteckt, zeigen weitere Statistiken von EPFR Global.

Die Renditen von Unternehmensanleihen waren am 6. Dezember dieses Jahres laut Indexdaten von Bank of America Merrill Lynch auf das Allzeittief von 3,33 Prozent gefallen.

“Warum sollte jemand, der als Emittent auf den Markt kommen will, bis zum nächsten Jahr warten, wenn eine Menge von Unbekannten hinzukommen könnte?”, sagte Kevin Flanagan, leitender Festverzinslichen-Stratege bei Morgan Stanley Smith Barney, im Telefoninterview. “Warum sich nicht stattdessen dieses Zins-Umfeld zunutze machen, das in diesem Jahr sehr freundlich für Emittenten ist?”

In Deutschland sorgt das Dauer-Rekordtief bei den Zinsen für gemischte Gefühle. Lebensversicherer wissen kaum noch, wo sie die Kundengelder investieren sollen, um die versprochenen Zinsen und Gewinne zu erwirtschaften. Andererseits können sich große Industrieunternehmen wie Siemens oder Daimler günstig wie nie Geld auf dem Anleihenmarkt beschaffen.

Siemens konnte im August eine 400-Millionen-Euro-Anleihe mit zwei Jahren Laufzeit für gerade einmal 0,375 Prozent Zinsen platzieren. Bei der Anleihe mit siebeneinhalb Jahren Laufzeit gaben sich die Anleger mit 1,5 Prozent zufrieden. Die Liste lässt sich fortsetzen: Daimler, Volkswagen oder auch der Brauereikonzern Heineken fanden alle Anleihenkäufer, die sich mit Zinsen von deutlich unter einem Prozent begnügten. Neben der Flucht der Investoren etwa aus Staatsanleihen oder dem schwankenden Rohstoffmarkt, profitieren große Unternehmen von ihrem Ruf als solide Schuldner.

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