Bulle & Bär
Firmenanleihen: Vorsicht vor relativen Bewertungen

Relative Wertentwicklungen spielen am Rentenmarkt eine wichtige Rolle. Professionelle Investoren achten vor allem darauf, wie sich zum Beispiel die Renditen von Unternehmensanleihen im Vergleich zu denen von Staatsanleihen entwickeln. In dieser Hinsicht sind Firmenbonds in der Tat noch attraktiv - nicht mehr und nicht weniger.

FRANKFURT. Die tatsächlichen Renditen der Unternehmensbonds sind für Profis teils gar nicht so wichtig. Das liegt daran, dass sie ihre Portfolios oft an richtungweisenden Benchmark-Indizes ausrichten und sich deshalb stets an diesen messen müssen.

Konkret stehen im Fokus der Investoren die Risikoaufschläge oder Spreads - also die Unterschiede von Unternehmensanleihen im Vergleich zu deutschen oder US-amerikanischen Staatsanleihen. Die Staatsbonds gelten mit Blick auf Zins- und Tilgungszahlungen als ausfallsicher. Die Spreads zeigen, wie Investoren das höhere Ausfallrisiko der Firmenbonds entgolten wird.

Relativ gesehen sind Unternehmensanleihen in der Tat noch attraktiv. Die Risikoaufschläge für Firmenanleihen mit einem guten A-Rating sind zwar seit Februar um durchschnittlich einen Prozentpunkt auf 2,6 Prozentpunkte gesunken. Damit liegen sie aber immerhin noch auf dem Niveau kurz nach der Insolvenz der US-Bank Lehman Brothers Mitte September 2008.

Die tatsächlichen Renditen der Bonds von Firmen mit einem Rating im Bereich EinfachA- wie zum Beispiel Eon, France Télécom oder BASF liegen mit durchschnittlich 3,9 Prozent aber so niedrig wie vor drei Jahren. Das liegt unter anderem daran, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen so deutlich gesenkt hat. Das ließ die Renditen der Firmenbonds sinken. Die Spreads sind nur deshalb noch vergleichsweise hoch, weil seit Herbst die Renditen der Staatsanleihen noch stärker gefallen sind als die der Unternehmensanleihen.

Fazit: Per se sind Firmenbonds nicht mehr attraktiv, auch wenn viele Fondsgesellschaften die Anleger das mit Verweis auf die hohen Spreads glauben machen wollen. Die Zeit der Schnäppchen bei Unternehmensanleihen ist vorbei. Wer Renditen um die sechs Prozent will, muss schon zu riskanteren Anleihen wie zum Beispiel denen der Lufthansa greifen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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