Bund-Rendite fällt unter drei Prozent
Renditen der Anleihen sinken auf Rekordtief

Sorgen um die Entwicklung der Konjunktur treiben Investoren verstärkt in die sicheren Anleihemärkte. Die zehnjährige deutsche Staatsanleihe ist deshalb so gering verzinst wie noch nie. Experten rechnen mit weiteren Rückgängen. Schon seit einem halben Jahr rentieren deutsche Anleihen so niedrig wie im 19. Jahrhundert, unter drei Prozent lagen sie aber auch damals nicht.

FRANKFURT. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe rutschte am Donnerstag erstmals unter die psychologisch wichtige Marke von drei Prozent. Kurzfristig lag sie bei 2,997 Prozent. Ein so geringes Niveau hatten selbst Fachleute, die auf höhere Kurse und damit auf sinkende Bondrenditen gesetzt hatten, noch vor Monaten nicht für möglich gehalten.

„Wir erwarten zwar schon länger sinkende Kapitalmarktzinsen, aber das Ausmaß der Bewegung hat uns doch überrascht“, sagte Michael Krautzberger, Leiter des europäischen Anleihe-Teams der Fondsgesellschaft Merrill Lynch Investment Managers. Auch Lionel Oster, Fondsmanager bei F&C Asset Management in London, zählt sich zu den Bond-Optimisten, die schon länger auf fallende Renditen bei lang laufenden Anleihen setzen. Eine Verzinsung von unter drei Prozent hält er aber mit Blick auf die Entwicklung der Konjunktur für zu niedrig. Dennoch: „Jetzt, wo die Marke einmal geknackt ist, könnte es kurzfristig noch bis auf 2,75 Prozent heruntergehen.“ Gestern kletterte die Rendite nach dem Rekordtief zunächst wieder auf knapp über drei Prozent.

In diesem Jahr sinken die Kapitalmarktzinsen bislang stetig. Im Februar markierte die zehnjährige Bund-Rendite mit 3,45 Prozent das erste Rekordtief des Jahres. Auslöser für den Rückgang der Kapitalmarktzinsen waren immer wieder Sorgen über eine sich abschwächende Konjunktur in den USA und Europa. Eine schlechte Wirtschaftsentwicklung treibt Anleger prinzipiell in Staatsanleihen, bei denen das Ausfallrisiko gleich null und die Verzinsung zumindest bis zum Ende der Laufzeit kalkulierbar ist.

Am Donnerstag trieb unter anderem der Wirbelsturm „Rita“ die Anleger in festverzinsliche Wertpapiere. Wie schon vor einem Monat der Hurrikan „Katrina“ schürt das neue Unwetter Sorgen vor einem Einbruch der US-Konjunktur. Dazu treibt nach Meinung von Oster auch die unklare Situation über die deutsche Regierungsbildung die Anleger in deutsche Staatsanleihen. „Die dringend nötigen Reformen für die deutsche Wirtschaft werden jetzt wohl noch eine Zeit auf sich warten lassen. Das stützt die Nachfrage nach Bonds.“

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