Bundesanleihe
Rendite sinkt auf neues Rekordtief

Es geht weiter bergab: Am Mittwoch gab die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe erneut nach und setzte ihren Kurs in Richtung Null-Prozent-Rendite fort. Derweil beginnt die EZB mit dem Kauf von Firmenbonds.

FrankfurtDie Zinsen am deutschen Anleihemarkt fallen immer tiefer. Am Mittwochvormittag erreichte die Rendite der am Markt besonders beachteten Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit ein neues Rekordtief. Im Tief fiel der Effektivzins auf 0,03 Prozent. Damit wurde nicht nur das am Vortag erzielte Rekordtief unterboten, auch der bisherige Tiefstand vom April 2015 von 0,05 Prozent wird mittlerweile klar unterschritten.

Negativ wie etwa in der Schweiz war der Zehnjahreszins in Deutschland allerdings noch nie.

Erst am Montag war die Umlaufrendite der Bundesanleihen mit einer Laufzeit von drei bis 30 Jahren zum ersten Mal in den negativen Bereich gefallen. Nach Angaben der Bundesbank rutschte die Umlaufrendite von plus 0,01 Prozent am Freitag auf minus 0,02 Prozent.

Fachleute nennen im Wesentlichen zwei Gründe für die fallenden Marktzinsen. Zum einen verweisen sie auf die zuletzt deutlich verringerten Zinserwartungen an die US-Notenbank Fed. Nach schwachen Arbeitsmarktdaten hatte sich Fed-Chefin Janet Yellen zu Anfang der Woche zurückhaltend zum geldpolitischen Kurs geäußert.

Zum anderen verweisen Experten auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese bleibt nicht nur auf absehbare Zeit extrem locker. Auch sorgen die hohen Käufe von Staatsanleihen für zunehmenden Zinsdruck. Anleihefachleute der Commerzbank sprechen von einer „sich selbst verstärkende Abwärtsspirale“.
Hinzu kommt als ein dritter Grund die Furcht vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft und den Folgen eines Brexit. Beides treibt immer mehr Anleger in den „sicheren Hafen“ Bundesanleihen.

Genährt wurde der Konjunkturpessimismus von enttäuschenden Konjunkturdaten aus China. Die Exporte der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft gingen im Mai überraschend stark um 4,1 Prozent zurück. Zudem senkte die Weltbank ihre Prognose für das globale Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf 2,4 von zuletzt 2,9 Prozent.

Unabhängig davon kauft die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin Staatsanleihen im Volumen von 80 Milliarden Euro monatlich. Am Mittwoch sammelte sie zudem erstmals Bonds von Großkonzernen am Kapitalmarkt ein.

Agentur
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