Bundesanleihen
Deutschland leiht sich Geld für umsonst

Deutsche Anleihen sind bei Investoren nach wie vor beliebt. Für zweijährige Bundesschatzanweisungen musste der Bund keine Zinsen zahlen. Doch Experten erwarten, dass die Zeit des billigen Geldes bald vorbei sein wird.
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Der deutsche Staat hat mit einer Null-Zins-Anleihe erneut Milliarden bei Anlegern eingesammelt. Die Auktion von Bundesschatzanweisungen mit zweijähriger Laufzeit spülte am Mittwoch vier Milliarden Euro in die Kasse, teilte die mit dem Schuldenmanagement des Bundes beauftrage Finanzagentur mit. Die Nachfrage nach den Papieren zog an: Sie übertraf das angebotene Volumen um das 1,9-Fache. Im Mai war die Versteigerung der mit einem historischen niedrigen Zinskupon von null Prozent ausgestattete Anleihe 1,7-fach überzeichnet gewesen.

Dänemark war am Dienstag erstmals das Kunststück gelungen, beim Schuldenmachen Geld zu verdienen. Bei der Aufstockung einer Staatsanleihe mit zweijähriger Laufzeit nahmen Investoren eine negative Rendite von 0,08 Prozent in Kauf, um in den Besitz der als ausfallsicher geltenden Papiere zu kommen. Auch deutsche Anleihen werden von Anlegern als sicherer Hafen gesucht, weshalb sie deutliche Abschläge bei der Rendite hinnehmen.
Viele Anleger rechnen allerdings, dass die deutsche Zinsen kräftig steigen werden angesichts der milliardenschweren Risiken, die Deutschland für die Rettung von Krisenstaaten wie Griechenland und Portugal übernommen hat. "Deutschland verliert durch die zunehmenden Risiken an Qualität", sagte der Fondsmanager und Deutschland-Chef des Vermögensverwalters Pimco, Andrew Bosomworth. Mehr als die Hälfte der auf einer Branchenkonferenz in Monaco befragten Hedgefonds-Manager geht davon aus, dass sich die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen binnen eines Jahres verdoppeln werden, berichtete die "Financial Times".


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  • Das zeugt doch von nichts anderem als der Tatsache, dass das gesparte Kapital keine Wertschätzung mehr findet.

    Dieses Desaster haben nicht die Sparer, nicht die Spekulanten sondern die EZB angerichtet.

    Wie stellen sich die Verantwortlichen eine Altersvorsorge, das Geschäftsmodell einer Lebensversicherung oder einer Bank für die Zukunft vor?

    Wenn es für die Kapitalanlage keine Zinsen mehr gibt und von dieser Null auch noch die Verwaltungskosten abgezogen werden, wie soll dann der Sparer, der "Altersvorsorge" dann noch sein eingesetztes Kapital zurückerhalten. Dass er um die Inflation betrogen wird, daran hatte er sich ja schon gewöhnt. Aber das jetzt, das ist der Gipfel.

    Wollte man sich gegen vorgenannte "Null"-Erfolgsaussichten wehren, dann bleibt nur noch zocken. Um diesen Ausweg auch noch zuzustellen, wollen die Politiker auch noch obendrein die TOPIN-Steuer, die sogenannte Finanztransaktionssteuer einführen. So perfers können nur Leute denken, die sich um ihre eigene Altersicherung keine Gedanken machen müssen - die Pensionäre.

    Auch an dieser Stelle muss einmal Klartext geredet und der Gleichbehandlungsgrundsatz durchgesetzt werden.

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