Bundesanleihen

Deutschland meldet Rekord beim Schuldenmachen

Deutschland hat sich heute für zwei Jahre Geld an den Finanzmärkten geliehen – die Käufer sind bereit, dem Land fürs Schuldenmachen so viel zu zahlen wie nie zuvor.
Update: 18.11.2015 - 14:16 Uhr
16 Millionen Euro pro Jahr zahlen Käufer eines zweijährigen Staatspapiers dafür, dass sie Deutschland Geld leihen dürfen. Quelle: dpa
Geschenk für den Finanzminister

16 Millionen Euro pro Jahr zahlen Käufer eines zweijährigen Staatspapiers dafür, dass sie Deutschland Geld leihen dürfen.

(Foto: dpa)

FrankfurtEs ist ein Rekord der zeigt, wie die nahe null liegenden Leitzinsen, immer noch die Finanzwelt durcheinander rütteln. Über die Finanzagentur hat Finanzminister Wolfgang Schäuble heute Schulden über gut vier Milliarden Euro gemacht. In zwei Jahren muss die Summe zurückgezahlt werden – doch Zinsen fallen dafür nicht an.

Im Gegenteil: Die Anleger bereit, dem Bund Geld zu zahlen für seine Kredite. Die Papiere sind zum negativen Zinssatz von 0,38 Prozent an den Markt gebracht worden. Das heißt die Investoren sind bereit, jährlich 15,5 Millionen Euro zu zahlen, um Deutschland Geld zu leihen.

So macht der Bund Schulden
Schritt 1: Politische Entscheidung
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Die Haushaltsreferate der einzelnen Bundesministerien planen ihre Haushalte für die folgenden Jahre, der Finanzminister trägt die Vorhaben zusammen. Die Bundesregierung beschließt im Kabinett den Haushalt für den Bund – in der Regel im Sommer für das jeweilige folgende Jahr.

Brüssel gibt seinen Segen
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Mittlerweile müssen die nationalen Haushalte auch bei der EU-Kommission vorgelegt werden. Die Behörde in Brüssel prüft im Herbst, ob etwa die Höhe vorgesehener Schulden den Regeln der Europäischen Union entspricht.

Bundestag
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Das Parlament hat die Hoheit: Der Bundestag beschließt endgültig über den Haushalt des Bundes. Seit dem Jahr 2016 gilt dabei die sogenannte Schuldenbremse. Sie begrenzt die Nettokreditaufnahme auf 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Schritt 2: Finanzministerium
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Seitdem Finanzminister Wolfgang Schäuble 2014 die „Schwarze Null“ durchgebracht hat, spart sich der Bund die Netto-Neuverschuldung. Neue Kreditpapiere bringt der Bund trotzdem auf den Markt– um alte Kredite abzulösen.

Zur Fälligkeit muss der Staat den Nennwert begebener Anleihen und Geldmarktpapiere inklusive Kuponverzinsung an die Investoren zurückzahlen. Das Geld dafür beschafft er sich, indem er kurz vorher neue Anleihen begibt. An welchem Tag welche Bundeswertpapiere in welchem Umfang begeben werden legt die Finanzagentur – der oberste Schuldenmanager des Bundes – jeweils im Dezember für das Folgejahr fest.

Schritt 3: Finanzagentur
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„Ja, der Bund zahlt das Geld für Zinsen und Tilgung an die Käufer von Anleihen immer fristgerecht zurück“, heißt es bei der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur, die Detuschlands Schulden managt. Die Regierung könne kurzfristig eingreifen, ist seit Jahren liquide und werde von allen drei Rating-Agenturen regelmäßig mit einem „Triple A“ (AAA)-Status ausgezeichnet.

Rating für Deutschland
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Neben Standard & Poor's geben regelmäßig Moody's und Fitch Urteile über Deutschlands Kreditwürdigkeit ab. Wegen des Top-Ratings ist der deutsche Staat so beliebt im Geschäft mit Bundesanleihen. Nachdem das Finanzministerium entschieden hat, welche Anleihen-Art er genau begeben will, wird die Deutsche Finanzagentur tätig. Sie berät das Finanzministerium, wie es die Anleihen möglichst günstig und gleichzeitig kurzfristig auf dem Markt anbieten kann.

Bundesbank.
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Jens Weidmann ist der Präsident der Bundesbank, die in Schritt 3 des Schuldenmachens ein ausführendes Organ ist. Die Bundesbank organisiert gemeinsam mit der Finanzagentur die Bieterauktionen für die begebenen Schuldtitel.

Die Auktionen finden in der Regel zwei Mal die Woche statt, und zwar montags und dienstags oder montags und mittwochs. Montags werden kurzlaufende Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von sechs Monaten versteigert. Zweijährige Bundesschatzanweisungen gibt es einmal im Monat an einem Dienstag, fünf- zehn- und 30jährige Anleihen jeweils mittwochs. Dazu gibt es noch an bis zu zehn Dienstagen inflationsindexierte Wertpapiere des Bundes.

Für zweijährige Staatspapiere ist die Rendite von minus 0,38 Prozent ein Rekordwert, doch ungewöhnlich ist es in den vergangenen Quartalen nicht gewesen, dass Banken Staaten Geld fürs Schuldenmachen zahlen.

Denn die kurzfristigen Zinsen sind durch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank unter null gefallen – so sollen Kredite für Unternehmen attraktiver werden und Investitionen und damit das Wirtschaftswachstum angeschoben werden. Für den Finanzminister und die Steuerzahler bedeutet das eine Entlastung für den Bundeshaushalt.

Anm. d. Redaktion: In einer ersten Fassung war der Emissionsbetrag mit 4,37 Milliarden Euro angegeben, es sind etwa vier Milliarden Euro.

  • Bloomberg
  • mdo
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