Bundesanleihen Die Deutschland-Wette

Nach den Wahlen in Frankreich und Griechenland verzeichnen die deutschen Bundesanleihen weitere Kursgewinne. Die Anleger spielen Krisenszenarien durch und wappnen sich mit Bundesanleihen und Kreditausfallversicherungen.
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Anleger wappnen sich mit Bundesanleihen. Quelle: dpa

Anleger wappnen sich mit Bundesanleihen.

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Frankfurt/LondonDie Angst vor einem Kollaps der Währungsunion hat die Märkte wieder fest im Griff. Sie hat inzwischen auch den deutschen Anleihemarkt erfasst und zu einer scheinbar widersprüchlichen Reaktion geführt. Noch immer greifen Anleger zu deutschen Staatsbonds, weil die Papiere nach wie vor als besonders sichere Anlage gelten. Am Montag nach den Wahlen in Frankreich und Griechenland haben die deutschen Bundesanleihen weitere Kursgewinne verzeichnet.

Die Rendite der zehnjährigen Bundespapiere lag zuletzt bei 1,56 Prozent zwei Basispunkte niedriger und erreichte damit ein Rekordtief. Der Terminkontrakt Bund-Future stieg um 27 Basispunkte auf 142,32 Prozent. Auch bei den 30-jährigen Bundesanleihen sank die Rendite mit 2,28 Prozent auf ein Allzeittief. Weitere Impulse für die Anleiehen könnten aktuelle Konjunkturdaten bringen. In Deutschland steht der Auftragseingang in der Industrie für März an. Gegenüber dem Vormonat wird ein Anstieg um 0,5 Prozent erwartet.


Frankreich-Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren verzeichneten nach den Präsidentschaftswahlen, die zu einem Sieg des Sozialisten Francois Hollande führten, ebenfalls Kursverluste. Die Rendite stieg um fünf Basispunkte auf 2,86 Prozent.


Investoren setzen jedoch nicht nur auf Bundesanleihen, sondern sichern sich verstärkt auch mit Kreditausfallversicherungen, sogenannten Credit Default Swaps (CDS), gegen eine deutsche Staatspleite ab. Diese Investoren rechnen mit einer Zuspitzung der Euro-Krise und fürchten, dass die Misere auch die bislang als grundsolide eingeschätzten deutschen Staatsanleihen treffen könnte.

Die Angst der Investoren

Berlin müsse im unwahrscheinlichen, aber nicht völlig auszuschließenden Fall eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone hohe Verluste hinnehmen, warnen Anleger wie Koen Van de Maele, der den Anleihebereich bei Dexia Asset Management leitet: "Dass man deutsche Bonds als Absicherung gegen eine Abschaffung des Euros betrachten kann, ist deshalb mehr als fraglich", stellt er fest.

"Es ist klar, dass die politischen Risiken zu einer immer größeren Herausforderung werden", warnt auch Mark Burgess, Chef-Stratege der Fondsgesellschaft Threadneedle. Burgess fürchtet, dass Griechenland innerhalb der nächsten zwölf Monate den Euro aufgeben muss, was zumindest kurzfristig zu Chaos an den Finanzmärkten führen werde. Neben Griechenland bereiten Spanien und seine Banken den Investoren derzeit die größten Sorgen: "Wir sehen, dass das Grundproblem in Europa wieder verstärkt wird - die wechselseitige Abhängigkeit von Staaten und Banken", sagt Jochen Felsenheimer, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Assénagon Credit Management.

Doch für Anleger ist Deutschland offenbar immer noch die sicherste Burg. Seit März sind die Risikoprämien für Bundesanleihen rasant gefallen. Die sich gegenläufig zum Kurs entwickelnden Renditen sackten am Freitag auf neue historische Tiefs von unter 1,6 Prozent für zehnjährige und 0,5 Prozent für fünfjährige Papiere ab.

Parallel dazu stieg jedoch Ende April das Netto-Volumen der Deutschland-CDS auf 19,8 Milliarden Dollar und liegt damit nahe am Rekordhoch. Vor einem Jahr hatten sich Investoren unter dem Strich nur mit 16,7 Milliarden Dollar gegen eine Pleite Deutschlands abgesichert. Das beweisen Daten des Abwicklungshauses DTCC.

Für die scheinbar widersprüchliche Reaktion der Investoren gibt es zwei Erklärungen: Einerseits fürchten nach der Rekordjagd der deutschen Staatsbonds immer mehr Investoren zumindest mittel- und langfristig einen Rückschlag und sichern deshalb ihre Bestände über den CDS-Markt ab. "Sollte sich die Krise in der Währungsunion weiter zuspitzen und Kapital in großem Umfang aus der Euro-Zone abfließen, würde das auch die Bundesanleihen unter Druck bringen", meint Threadneedle-Stratege Burgess.

Anleger spekulieren auf Gewinne

Gleichzeitig nutzen die Anleger die Kreditderivate auf Bundesanleihen nicht nur, um sich gegen deutschlandspezifische Risiken abzusichern, sondern vor allem auch, um sich damit günstig gegen eine Zuspitzung der Situation in den Krisenstaaten zu wappnen - oder um auf eine solche Zuspitzung zu spekulieren. "Angst um Deutschland spiegelt der CDS-Markt schon allein deshalb nicht wider, weil die Kosten für die Absicherung dazu viel zu gering sind", meint Felsenheimer von Assénagon. In der Tat sind die Prämien für die Ausfallversicherung auf Deutschland zwar auf 0,84 Prozent der zu versichernden Summe gestiegen und liegen damit deutlich höher als Mitte März. Aber: Für alle anderen Euro-Länder sind die CDS-Prämien viel höher - für Spanien und Italien liegen sie mehr als fünfmal mal so hoch.

"Eben weil die CDS auf Deutschland noch relativ günstig sind, nutzen Investoren sie, um ihr Engagement in der Euro-Zone abzusichern", erklärt Marco Ryll, Kreditstratege bei der Landesbank ?Baden-Württemberg. Das funktioniert, weil Anleger mit CDS Gewinne machen können, wenn deren Prämien steigen. Wer die Kontrakte schon früh gekauft hat, kann sie dann zum Beispiel teurer an andere Investoren verkaufen. "Das ergibt Sinn, weil die CDS-Prämien auf Deutschland anziehen dürften, wenn sich die Krise im Euro-Raum zuspitzt", so Ryll.

Das gilt auch für Anleger in den USA. Dort haben einige Hedge-Fonds ihre Wetten gegen die Euro-Zone aufgestockt und dabei die CDS der Kernstaaten - neben Deutschland auch die von Frankreich und den Niederlanden - als Hebel genutzt. Prominentester Fall ist der US-Hedge-Fonds-Star John Paulson, der zuletzt in einem Brief an Investoren mitteilte, dass er CDS kaufe. Berichten zufolge setzt er dabei auch auf eine sinkende Bonität Deutschlands.

Londoner Banker berichten, dass sich einige US-Investoren auf CDS der Kernländer der Währungsunion konzentrieren, weil es wegen der hohen Risikoprämien auf Dauer zu teuer wird, solche Positionen für unmittelbar von der Krise betroffene Staaten zu halten. Sollte sich die Krise tatsächlich zuspitzen, würden die deutschen Risikoprämien prozentual stärker steigen als die der Krisenstaaten - und damit höhere Gewinne versprechen, lautet das Kalkül.

Gewinnen aus den CDS-Wetten stünden Kursverluste von Bundesanleihen gegenüber. Wegen dieses Kursrisikos findet es Felsenheimer verständlich, dass Investoren ihre Positionen über CDS absichern. "Das hat aber nichts mit der Angst um einen Zahlungsausfall Deutschlands zu tun, sondern ist eine Spekulation darauf, mit CDS Gewinne zu machen", betont er.

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7 Kommentare zu "Bundesanleihen: Die Deutschland-Wette"

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  • @ What,
    wenn das wirklich so ist, warum unterzeichnen so viele gutgläubige Menschen auf Euro lautende Bundesanleihen mit nur 1,5% Verzinsung? Um vielleicht in 10 Jahren nur Spielgeld zu bekommen mit einer lächerlichen Verzinsung dazu!

  • Das ist doch schon alles geplant. Frau Lührmann - SPD-Abgeordnete im BT - hat den Lastenausgleich unter großem Beifall von Rot-Grün schon gefordert. Mal bei youtube suchen - da kann man das live erleben.
    Wer die Zeichen an der Wand immer noch nicht lesen kann, der ist blind oder doof. Letzteres stimmt meistens!

  • Die von ökonomischem Wissen unbelasteten *Juristen* nicht vergessen. Oder Historiker mit Doktortitel in Birnenform wenn sich an den noch jemand erinnert (auch "großer Europäer" genannt). Oder Physiker(innen). Oder solche mit gefälschten Doktortiteln (okay die werden gerade weniger). Wäre doch nur einer dabei mit einem gefälschen Doktor in Wirtschaftswissenschaften. Man würde ihm vergeben

  • Ich waere da auch vorsichtig mit Bundesanleihen. Wenn D jetzt die Reissleine ziehen wuerde kaemen sie mit Glueck vielleicht noch ohne Staatsbankrott aus der Sache raus, aber das wird von Tag zu Tag unwahrscheinlicher. Der Euro geht sausen und mit ihm alle Guthaben die auf Euro lauten. Ich wauerde mich nicht wundern wenn anschliessend der Lastenausgleich, Kapitalkontrollen und aehnliche Schweinereien kommen. Die verzweifelten "Euroretter" werden auf alles zuueck greifen was der dumme Michel so angespart hat. Holzauge sei wachsam.

  • Jedenfalls wird auch für die eher nicht so Schnellen immer deutlicher, dass das Euroabenteuer mit dem deutschen(!) Staatsbankrott enden wird.
    Da können die Euromantiker noch so viel trommeln und noch so viel Durchhalteparolen funken. Es ist übrigens schon zu spät - ohne Bankrott kommt Deutschland nicht mehr raus.
    Dafür quatschen die deutschen Politiker verträumt von den "Vereinigten Staaten von Europa" - aber wer will die denn? Keiner! Es reicht ja auch völlig aus, wenn der Michel gemolken wird. Schade, dass die Deutschen so doof sind. Aber so geschieht ihnen das recht. Immer schon weiter die Blockparteien wählen - und dann wird es schon nicht so schlimm kommen. Die Lehrer und Beamten im Bundestag, die Hilfsarbeiter und Studienabbrecher, die die deutschen Geschicke lenken, haben alles im Griff. *LOL*

  • Wenn die Anleihe auf Euro lautet, in Euro.

    Pacta sunt servanda.

  • Kein Kommentar aber eine Frage: sollte Deutschland die Währungsunion verlassen und die DM wieder einführen, in welcher Währung würden die in EURO lautende Bundesanleihen zurückgezahlt?
    In EURO oder in DM?

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