Bundesanleihen
Draghi befeuert heiteres Rendite-Raten

Nicht nur Bill Gross hat sich bei den Bundesanleihen vertan. Auch Top-Analysten wissen nicht, wie es mit den Renditen weitergeht. Die Prognosen unterscheiden sich enorm. Dank Mario Draghi wird die Unsicherheit bleiben.
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FrankfurtDie meisten Menschen wollen sich gerne an irgendetwas orientieren. Deshalb wäre es wohl undenkbar, dass Analysten keine Prognosen mehr abgeben. Doch derzeit ist es besonders schwer, Anlegern diese Orientierung zu geben. Das gilt vor allem für Vorhersagen zur Entwicklung der Kapitalmarktzinsen. Als Maßstab hierfür gilt im Euro-Raum die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe. Hier eine Prognose für das Jahresende 2015 abzugeben, mutet momentan wie ein großes Rätselraten an.

Laut Datenanbieter Bloomberg reichen denn auch die Schätzungen der Analysten von 0,05 Prozent bis 1,25 Prozent – im Schnitt liegen sie bei 0,56 Prozent. Eine eher niedrige Prognose gibt etwa die DZ Bank ab, die laut einer aktuellen Studie eine Bund-Rendite von 0,25 Prozent erwartet. Die Helaba sieht die Rendite beispielsweise bei 0,5 Prozent. Die Commerzbank rechnet dagegen sogar damit, dass die deutsche Staatsanleihe am Jahresende bei 0,7 Prozent rentiert.

Interessant ist in dem Zusammenhang auch eine Umfrage, die Jim Reid, Leiter der weltweiten Kreditstrategie bei der Deutschen Bank, in dieser Woche bei einer hauseigenen Konferenz in London durchführte. Die Antworten weisen eine noch größere Spannweite als die der Analysten aus: Einige der anwesenden Investoren sahen die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe am Jahresende unter der Nullgrenze, andere wiederum bei über 1,5 Prozent. Die Mehrheit der Befragten lag aber irgendwo in der Mitte. 30 Prozent gehen von Werten zwischen 0 bis 0,5 Prozent aus, die Hälfte von 0,5 bis ein Prozent.

Dass manche Prognosen inzwischen extremer ausfallen, ist aber kein Wunder: Schließlich haben die Schwankungen in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. Steuerte die Rendite der zehnjährigen Papiere vor kurzem noch auf die Nullgrenze zu, näherte sie sich in dieser Woche zeitweise wieder der Ein-Prozent-Marke. Selbst alte Hasen wie Starinvestor Bill Gross haben sich vertan.

Schuld ist die Europäische Zentralbank (EZB). Wegen ihres Anleihekaufprogramms über monatlich 60 Milliarden Euro, das die Notenbank Ende Januar angekündigt hatte, kannten die Kurse lange nur eine Richtung: Sie stiegen rasant an. Im Umkehrschluss sanken die Renditen. Die meisten Bond-Händler waren daher fest darauf eingestellt, dass die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe die Null-Prozent-Marke nach unten durchbricht.

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