Bundesanleihen
Japanische Verhältnisse am deutschen Anleihenmarkt

Nullzinspolitik der Notenbank schlägt voll durch. Erstmals bringen zehnjährigen Bundesanleihen weniger Rendite als japanische Staatsanleihen. Japanische Verhältnisse drohen.
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FrankfurtDie Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen lag bei Handelsbeginn in Europa erstmals unter der Verzinsung von zehnjährigen japanischen Staatsanleihen.

Die deutschen Papiere mit zehn Jahren Laufzeit rentierten wenig verändert zum Vortag bei 0,31 Prozent, während die Rendite zehnjähriger japanischer Bonds um sieben Basispunkte auf 0,355 Prozent stieg.

Die Rendite der Bundesanleihen, die als Benchmark für Euroraum-Staatsanleihen gelten, ist kräftig gesunken, nachdem Anleger aus Besorgnis um eine mögliche Deflation verstärkt die als besonders sicher geltenden Bundesanleihen erworben hatten.

Unterstützung kommt auch von dem beschlossenen Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank. Hinzu kommen die politischen Turbulenzen in Griechenland, wo die neue Regierung eine Neuverhandlung der Schuldenlast mit den offiziellen Gläubigern anstrebt.

Die geplanten Wertpapierkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) treiben die Kurse der Bundesanleihen von einem Hoch zum nächsten. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel am Dienstag erstmals unter diejenige der vergleichbaren japanischen Bonds. Die deutschen Papiere rentierten bei 0,323 Prozent und die JGBs bei 0,359 Prozent. Der japanische Anleihemarkt ist mit einem Volumen von umgerechnet 7,7 Billionen Euro der zweitgrößte der Welt. Deutschland folgt mit 1,8 Billionen Euro auf Platz fünf.

Ein Grund für diese Entwicklung war die enttäuschende Emission japanischer Anleihen am Dienstag. Japan konnte nur 99,42 Prozent der angebotenen Papiere im Volumen von 2,4 Billionen Yen (18 Milliarden Euro) losschlagen. Börsianer hatten dagegen mit einer 100-prozentigen Annahmequote gerechnet.

Außerdem kletterte der sogenannte "Tail" auf ein Zwölf-Jahres-Hoch von 0,45. Darunter verstehen Börsianer die Spanne zwischen dem durchschnittlichen und dem niedrigsten akzeptierten Gebotspreis. Dies deutet darauf hin, dass einige Investoren versucht haben, den Preis zu drücken.

Analysten zufolge sind die niedrigen Renditen ein Grund für die geringe Nachfrage. So drückten die seit Jahren anhaltenden, massiven Wertpapierkäufe der Bank von Japan die der zehnjährigen JGBs im Januar auf ein Rekordtief von 0,199 Prozent.

Nach diesem Vorbild will die EZB in den kommenden Monaten rund eine Billion Euro in die Finanzmärkte pumpen, um die schwächelnde Konjunktur der Euro-Zone anzukurbeln und die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, abzuwenden.

Darüber hinaus reagierten europäische Bond-Anleger erleichtert auf den Kompromiss-Vorschlag für eine Lösung des Schuldenstreits zwischen Griechenland und seinen Gläubigern.

In der vergangenen Woche hatte die Absage der neuen Athener Regierung an eine Zusammenarbeit mit der Geldgeber-Troika aus Europäischer Union, Internationalem Währungsfonds (IWF) und EZB sowie die Forderung nach einem Schuldenerlass für den Mittelmeer-Anrainer für Verunsicherung an den Finanzmärkten gesorgt.

Agentur
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Bloomberg / Nachrichtenagentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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