Bundesanleihen Renditen fallen auf Rekordtief

An den Bondmärkten haben am Dienstag die Käufer das Heft in die Hand genommen. Die Renditen fielen auf breiter Front, die zehnjährige Bundesanleihe weist nur noch ein minimales Plus auf.
Die Euro-Skulptur leuchtet vor der Europäischen Zentralbank: Die EZB setzt mit ihrem Anleihenkaufprogramm die Bondmärkte unter Druck. Quelle: dpa
Eurozone

Die Euro-Skulptur leuchtet vor der Europäischen Zentralbank: Die EZB setzt mit ihrem Anleihenkaufprogramm die Bondmärkte unter Druck.

(Foto: dpa)

FrankfurtZunehmende Sorgen vor konjunkturellen und politischen Risiken in Europa treiben Anleger verstärkt in Bundesanleihen. Die Rendite der zehnjährigen Bonds fiel am Dienstag auf ein Rekordtief von 0,048 Prozent.

„Die wichtigsten Gründe, weshalb Anleger derzeit in Bundesanleihen flüchten, sind zunehmende politische Risiken und das Brexit-Referendum“, sagte Analyst Peter Chatwell vom Brokerhaus Mizuho. Nach einem möglichen Brexit, über den die Briten am 23. Juni abstimmen, könne es in mehreren Ländern Bestrebungen nach Unabhängigkeits-Referenden geben, sagte Chefvolkswirt Patrick Zweifel von Pictet Asset Management. Europa könne daher mehr leiden als Großbritannien.

Zusätzlichen Druck auf die Renditen der Bundesanleihen übe das Anleihe-Ankaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. Sie kaufte zuletzt vermehrt Staatsanleihen aus Deutschland, Italien und Frankreich. Mit dem auf 1,74 Billionen Euro angelegten Ankaufprogramm wollen die Währungshüter die Renditen von Staatsanleihen senken, um sie für Banken als Anlageobjekt unattraktiver zu machen. Die Geldhäuser sollen nach dem Willen der EZB mehr Geld an die Wirtschaft in Form von Krediten geben.

Bereits gestern ist erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ist die sogenannte Umlaufrendite in den negativen Bereich gefallen. Nach Angaben der Bundesbank rutschte am Montag die Verzinsung der im Umlauf befindlichen Staatspapiere mit einer Laufzeit von drei bis 30 Jahren von plus 0,01 Prozent am Freitag auf minus 0,02 Prozent.

„Die Fed und Brexit sind die größten treibenden Faktoren für die Bewegung am europäischen Anleihemarkt“, sagte Daniel Lenz, Marktstratege bei DZ Bank AG in Frankfurt. Als Ergebnis der Rede von Yellen am Montag sei eine Leitzinsanhebung der Fed im Juni klar vom Tisch, merkte Lenz an.
Die Renditen spanischer und italienischer Staatsanleihen sanken um rund drei und etwa vier Basispunkte auf zuletzt 1,44 Prozent und 1,47 Prozent. Spaniens Notenbank senkte am Dienstag den Inflationsausblick für 2016 auf minus 0,5 Prozent gegenüber der letzten veröffentlichten Prognose vom April von minus 0,1 Prozent.

Am Primärmarkt platzierte Deutschland 2026 fällige inflationsindexierte Anleihen über 789 Mio. Euro zu einer Rendite von minus 0,81 Prozent. Österreich begab zehnjährige Anleihen im Volumen von 600 Mio. Euro zu 0,448 Prozent Rendite gegen 0,525 Prozent Rendite bei der letzten Auktion. Vom Land Hessen kam ein zehnjähriges Papier über 1,125 Mrd €, die Rendite lag sechs Basispunkte unter dem mittleren Swapsatz. Die Niederlande begaben 4,812 Mrd. Euro an 2022 fälligen Anleihen zu minus 0,233 Prozent.

Auch am Markt für Unternehmensanleihen sorgte das ab Mittwoch in Umsetzung befindliche EZB-Anleihekaufprogramm für Unternehmenspapiere für nahezu beispiellose Renditetiefs.

So macht der Bund Schulden
Schritt 1: Politische Entscheidung
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Die Haushaltsreferate der einzelnen Bundesministerien planen ihre Haushalte für die folgenden Jahre, der Finanzminister trägt die Vorhaben zusammen. Die Bundesregierung beschließt im Kabinett den Haushalt für den Bund – in der Regel im Sommer für das jeweilige folgende Jahr.

Brüssel gibt seinen Segen
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Mittlerweile müssen die nationalen Haushalte auch bei der EU-Kommission vorgelegt werden. Die Behörde in Brüssel prüft im Herbst, ob etwa die Höhe vorgesehener Schulden den Regeln der Europäischen Union entspricht.

Bundestag
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Das Parlament hat die Hoheit: Der Bundestag beschließt endgültig über den Haushalt des Bundes. Seit dem Jahr 2016 gilt dabei die sogenannte Schuldenbremse. Sie begrenzt die Nettokreditaufnahme auf 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Schritt 2: Finanzministerium
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Seitdem Finanzminister Wolfgang Schäuble 2014 die „Schwarze Null“ durchgebracht hat, spart sich der Bund die Netto-Neuverschuldung. Neue Kreditpapiere bringt der Bund trotzdem auf den Markt– um alte Kredite abzulösen.

Zur Fälligkeit muss der Staat den Nennwert begebener Anleihen und Geldmarktpapiere inklusive Kuponverzinsung an die Investoren zurückzahlen. Das Geld dafür beschafft er sich, indem er kurz vorher neue Anleihen begibt. An welchem Tag welche Bundeswertpapiere in welchem Umfang begeben werden legt die Finanzagentur – der oberste Schuldenmanager des Bundes – jeweils im Dezember für das Folgejahr fest.

Schritt 3: Finanzagentur
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„Ja, der Bund zahlt das Geld für Zinsen und Tilgung an die Käufer von Anleihen immer fristgerecht zurück“, heißt es bei der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur, die Detuschlands Schulden managt. Die Regierung könne kurzfristig eingreifen, ist seit Jahren liquide und werde von allen drei Rating-Agenturen regelmäßig mit einem „Triple A“ (AAA)-Status ausgezeichnet.

Rating für Deutschland
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Neben Standard & Poor's geben regelmäßig Moody's und Fitch Urteile über Deutschlands Kreditwürdigkeit ab. Wegen des Top-Ratings ist der deutsche Staat so beliebt im Geschäft mit Bundesanleihen. Nachdem das Finanzministerium entschieden hat, welche Anleihen-Art er genau begeben will, wird die Deutsche Finanzagentur tätig. Sie berät das Finanzministerium, wie es die Anleihen möglichst günstig und gleichzeitig kurzfristig auf dem Markt anbieten kann.

Bundesbank.
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Jens Weidmann ist der Präsident der Bundesbank, die in Schritt 3 des Schuldenmachens ein ausführendes Organ ist. Die Bundesbank organisiert gemeinsam mit der Finanzagentur die Bieterauktionen für die begebenen Schuldtitel.

Die Auktionen finden in der Regel zwei Mal die Woche statt, und zwar montags und dienstags oder montags und mittwochs. Montags werden kurzlaufende Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von sechs Monaten versteigert. Zweijährige Bundesschatzanweisungen gibt es einmal im Monat an einem Dienstag, fünf- zehn- und 30jährige Anleihen jeweils mittwochs. Dazu gibt es noch an bis zu zehn Dienstagen inflationsindexierte Wertpapiere des Bundes.


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