Bundesanleihen
Renditen im Sturzflug

Nicht nur Aktienanleger, auch Anleiheinvestoren blicken auf die morgige EZB-Ratssitzung. Vorab fallen die Renditen zwei- und fünfjähriger Bundesanleihen auf historische Tiefs. Wann ist der Boden erreicht?

Frankfurt An Minus-Zinsen haben sich Anleger schon länger gewohnt. Im Januar 2012 gelang es Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erstmals kurzfristige Geldmarktpapiere mit Gewinn zu verkaufen. Der Bund versteigerte Sechsmonatspapiere mit einer negativen Rendite von minus 0,012 Prozent. Das heißt: Wer die Papiere kaufte und bis zur Fälligkeit hielt, machte einen minimalen Verlust. Damals fürchteten Anleger noch um den Erhalt des Euro-Raums, und die Europäische Zentralbank stellte den Banken über Extra-Kredite günstig Milliarden zur Verfügung.

Der Euro-Zone geht es heute sehr viel besser, aber dennoch treibt der Minus-Kapitalismus größere Blüten als je zuvor. Die Anleihekurse steigen immer weiter, während die Renditen im Gegenzug sinken. Die Rendite der zweijährigen Bundesanleihe ist auf ein historisches Tief von sage und schreibe minus 0,44 Prozent gefallen, die der fünfjährigen auf minus 0,22 Prozent. Die Verzinsung der zehnjährigen Bundesanleihe ist auch erneut abgesackt, liegt mit 0,47 Prozent aber immer noch deutlich über ihrem historischen Tief von 0,05 Prozent, das sie Mitte April erreicht hatte.

Hauptgrund für den massiven Renditerückgang ist die Europäische Zentralbank (EZB). Sie kauft seit März diesen Jahres monatlich Anleihen über 60 Milliarden Euro, hat den Leitzins auf 0,05 Prozent und den Einlagenzins für Banken auf minus 0,2 Prozent gesenkt. Seither fallen die Anleiherenditen massiv – auch wenn es von Ende April bis in den Juni zu einer heftigen Gegenbewegung kam. Am morgigen Donnerstag erwarten Anleger noch weitere Schritte der EZB – im Gespräch ist eine Verlängerung des Anleihekaufprogramms über den September 2016 hinaus, eine Erhöhung der monatlichen Anleihekäufe und beziehungsweise oder eine weitere Senkung des Einlagensatzes.
EZB-Chef Mario Draghi hatte entsprechende Schritte schon bei der letzten Ratssitzung der EZB im Oktober mehr oder weniger unverhohlen angekündigt. Mit den Maßnahmen will die EZB die Wirtschaft in der Euro-Zone und die bei nur 0,1 Prozent vor sich hin dümpelnde Inflationsrate anheizen. Die EZB strebt eine Inflation um die zwei Prozent an.

Und nicht nur die Staatsanleihen Deutschlands, die als besonders ausfallsicher gelten, rentieren im Negativ-Bereich. Seit Draghis jüngsten Ankündigungen im Oktober sind selbst die Renditen von spanischen und italienischen zweijährigen Bonds ins Minus gerutscht. Insgesamt werfen nach Berechnungen der Landesbank Baden-Württemberg in der Euro-Zone inzwischen Staatsanleihen im Umfang von rund 2,4 Billionen Euro negative Renditen ab. Das entspricht mehr als einem Drittel aller Staatsanleihen der Euro-Zone. Geldmarktpapiere mit Laufzeit von bis zu einem Jahr, die bis auf Griechenland in allen Euro-Ländern im Minus liegen, sind hier gar nicht eingerechnet.

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