Bundesanleihen Wann ist Deutschland dran?

Bislang ist Deutschland in der Euro-Krise glimpflich davongekommen. Das könnte sich bald ändern. Die ersten Investoren zweifeln daran, ob die Bundesrepublik wirklich so sicher ist wie gedacht.
64 Kommentare
Noch überschütten die Investoren Deutschland mit Geld - aber wie lange noch? Quelle: dapd

Noch überschütten die Investoren Deutschland mit Geld - aber wie lange noch?

(Foto: dapd)

DüsseldorfDeutschland hat von der Krise der anderen Europäer profitiert. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik konnte sich ein deutscher Finanzminister so günstig verschulden wie in den vergangenen Monaten. Die Investoren überschütten Deutschland geradezu mit Geld. Einzig die deutschen Schuldtitel gelten am Markt als sicher. Bis jetzt. Doch das könnte sich bald ändern.

Die ersten Investoren hinterfragen, ob es wirklich so schlau ist, dem deutschen Staat fast zum Nulltarif Geld zu leihen. Unter den Skeptikern: Bill Gross von Pacific Investment Management Co (Pimco) , einer der prominentesten Geldmanager der Branche. „Deutschland stellt für mich ein Kreditrisiko dar. Es ist kein attraktiver Markt“, sagt Gross. Am Markt für deutsche Staatsanleihen habe sich eine Blase gebildet. „Ich wäre bei Bundesanleihen misstrauisch, da nur wenige Szenarien bestehen, in denen sie sich gut entwickeln könnten“, erklärt er.

Gross wird in der Branche ehrfurchtsvoll als „Bond-König“ betitelt. Sein Wort hat Gewicht. Er verwaltet den größten Anleihefonds der Welt. Was den großen Investor misstrauisch macht: Die Verpflichtungen, die Deutschland in der Staatsschuldenkrise übernimmt, werden immer größer. Zwar hätten die deutschen Staatspapiere von der Krise profitiert - die Renditen zweijähriger Papiere sind deutlich unter die Marke von Null gefallen - doch nun sei wenig Raum geblieben, sagte Gross im Interview mit Bloomberg. Die Folge: Pimco hat den Anteil an deutschen Staatsanleihen im Portfolio reduziert.

Deutschland ist der größte Einzahler in die Rettungspakete für Griechenland. Sollte Griechenland pleitegehen und aus dem Euro ausscheiden, träfe das die Bundesrepublik hart. Experten schätzen die direkten Kosten, die ein Austritt nach sich ziehen könnte, auf 70 bis 100 Milliarden Euro.

Insgesamt haftet Deutschland mit Garantien in Höhe 211 Milliarden Euro für den Rettungsfonds EFSF. Hinzu kommen bald weitere Milliarden für den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Gleichzeitig droht ein Land nach dem anderen wegzufallen, das eigentlich in den Rettungsfonds einzahlen sollte. Nach Griechenland und Portugal ist auch Spanien auf Hilfe angewiesen. Danach könnte Italien von den Geberländern auf die Seite der Empfänger wechseln.

„Wenn es eine Fiskalunion gibt, zahlt Deutschland. Und wenn es eine Bankenunion gibt, zahlt Deutschland auch. Es ist nicht länger ein kein komplett sicherer Hafen“, sagte Bill Blain von Newedge Group in London. Die Investoren kalkulierten langsam den möglichen Schaden ein, den Deutschland erleiden könnte.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Auf die Wirtschaft ist kein Verlass mehr
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Bundesanleihen - Wann ist Deutschland dran?

64 Kommentare zu "Bundesanleihen: Wann ist Deutschland dran?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das Sie (die Redaktion spreche ich an!) den Beitrag gelöscht haben, finde ich äußerst schlecht. Jetzt kann ich ihn nicht mehr lesen.

  • @ hasstnicht

    Wir folgen gemäß ihrem Vorschlag dem Geld und finden:

    In Griechenland sind zwischen 2001 und 2011 die Gehälter der Staatsbediensteten um 71,7% gestiegen und die Sozialleistungen um 109%.

    In Irland sind zwischen 2001 und 2011 die Gehälter der Staatsbediensteten um 82,1% gestiegen und die Sozialleistungen um 151,2%.

    In Portugal sind zwischen 2001 und 2011 die Gehälter der Staatsbediensteten um 5,0% gestiegen und die Sozialleistungen um 109,5%.

    Alles ohne entsprechenden Anstieg der Produktivität - finanziert auf pump und durch EU-Stütze ("Kohäsionsfonds").

    Sonst noch Fragen?

    [eigene Berechnungen basierend auf den eurostat-Zahlen]

  • Kohl, Waigel, Schröder, Eichel, Merkel, Schäuble und alle ihre Abnicker in den Parlamenten haben die Zukunft und den Wohlstand unseres Landes ruiniert. Es ist an der Zeit sich die Schuldigen gut zu merken, damit sie hoffentlich schon bald von einer neuen deutschen Demokratie und dem Volk zur Rechenschaft gezogen wertden können.
    Aber auch Goldman-Sucks, Barroso, Junker und wie alle EU-Gauner heissen mögen, müssen bestraft werden.

  • @SayTheTruth

    Ich hatte keine lust alle Kommentaere zu lesen aber,

    Folge dem Geld und du findest die Interessen.

    Es hilft meistens die Dinge auf die Einfachheit herunterzubrechen. Große Konstrukte wollen verschleiern und dinge unverständlich zu machen so das es keiner mehr versteht.

    Am Ende der Nahrungskette stehen die Hintermännner der Banken. Kein griechisches oder spanisches oder italienisches Volk. Das ist irrglaube. Selbst wenn es kurzweilig den anschein macht.

    Hasst nicht sondern denkt.

  • Ich habe einen Vorschlag: Die Bundesbank verkauft ihre TargetII-Forderungen zum Barwert an die Bundesregierung. Die hinterlegt dann die Target-Forderungen als Sicherheit für den ESM. Eine sonstige Haftung der Steuerzahler für den ESM oder gar den EU-Bankensicherungsfonds wird ausgeschlossen. Da ja angeblich die Target-Salden völlig sicher sind, können sich unsere EU-Partner diesem Vorschlag kaum widersetzen, oder?

    Alternative: Die Bundesregierung verlangt, dass die Target-Salden einmal monatlich in Gold ausgeglichen werden oder aber mit inflationsgesicherten Grundpfandrechten der Schuldnerländer hinterlegt werden.

    Merkel ist angeblich eingeknickt, weil Monti mit Rücktritt gedroht hat. Warum hat Angie dann nicht mit Einführung einer Parallelwährung in Deutschland gedroht?

  • Wenn du im Jahr 20.000 € für Waren ausgibst, dann bezahlst du im Schnitt 40% der Schulden, die in die Warenpreise hineingerechnet worden sind, was, legen wir dieser Theorie 40% zugrunde, 8.000 € ergibt, die Sie für andere als Schuld abzutragen haben und auch tun. Somit sind Sie ein Verlierer des Geldsystems solange Sie nicht mindestens 320.000 € am Konto haben. Dafür müssen Sie aber, was die meisten nicht erhalten, weil auch die Zinsen von den Geldoligopolisten manipuliert werden, 2,5% Rendite (Zins ...) bekommen, weshalb, ich kenne ihre Vermögenslage ja nicht, ich vermute, dass Sie das komplette Gegenteil des "ultimative(n) Hedge(s)" sind, wie Sie es nennen. Alles klar?

  • Er ist die Erfolgsgeschichte der Reichen – der Hyperreichen, da gehören Personen, die einige Dutzend Millionen haben, allerdings nicht dazu. Und die Schuld tragen immer noch die, die das Zahlkraftprivileg haben: Das könnten Staaten sein, sind es aber nicht, weil die Politiker zu dumm, zu dumm, zu dumm dafür sind - sonst würde es in der Staaten Hände liegen!

    Also nochmals zum Zahlkraftprivileg: Das haben nicht die Staaten, das haben nicht die üblichen Banken, das haben nicht die Bürger, das haben nicht die Industrieellen ... Der, der es hat, ist der Verursacher jeder Form von Krise, der Kriege, der industriellen Umweltzerstörung, des dafür verantwortlichen Wachstumzwanges ... Somit müssen wohl auch Sie überdenken, was Sie mittels des Zitates "... linke Politiker, die die Zusammenhänge nicht begriffen haben ..." anderen vorhalten: Lernen, zu begreifen!

    Die Profiteure der Verschuldung lachen über diese Aussagen die wir hier machen, weil es den Geldherstellern egal ist, wer die Schulden hat und die Zinsen zurückzuzahlen versucht, was aus systemischen Gründen weder vorgesehen noch möglich ist.

  • @ Poldi 0824,

    Sie reduzieren der Grundgedanke der Europäische Union zu einer Freihandelszone, das ist der Fehler der viele Deutsche, vor allem aus der DDR, tun.
    Tun Sie dies mit der Bundesrepublik Deutschland werden Sie schnell innerhalb Deutschland die gleiche Probleme haben wie in der Europäische Union z.Z.
    Stellen Sie sich die BRD ohne Bundesfinanzministerium vor!!!!!

  • Das ist nicht richtig. In dem Jahr, in dem wir die höchsten Wachstumsraten seit der Wiedervereinigung hatten, in all den Jahren, in denen die Steuereinnahmen mehr oder weniger weit über den Steuerschätzungen lagen - in all den Jahren gab es Neuverschuldung. Kein Cent wird getilgt, im Gegenteil. Unser offiziellen Schulden liegen bei 80% des BSP, incl versteckten Pensionsverpflichtungen, Löchern in den Sozialsystemen etc. dürften wir uns auf der Ebene von Japan befinden - ca 250% des BIP. Die Kommunen schieben Kassenkredite vor sich her (eigentlich verboten) und können trotzdem keine Schlaglöcher stopfen. Für die Überalterung der Gesellschaft sind wir null gewappnet. Und jetzt haften wir mit Geld, das wir nicht haben, für die anderen mit...

  • Dass eine derartige Finanzierung Schwachsinn ist, wußte man schon vorher. Verantwortungsvolle Banken lehnen so etwas ab und werden dann von den Kunden als bevormundend beschimpft...

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%