Bundesländer geben Preis für Gemeinschaftsbond bekannt
Rekorddefizit in den USA stützt Europas Renten

Neben der Diskussion um das Defizit belastet auch die Terrorangst weltweit den Handel.

DÜSSELDORF. Am Markt für europäische und amerikanische Staatsanleihen bestimmten das US-Haushaltsdefizit und Terrorangst den Handel. Die USA wollen von Januar bis März die Rekord-Kreditsumme von netto 177 Mrd. Dollar aufnehmen, um das Haushaltsdefizit zu finanzieren. Der Fehlbetrag dürfte im laufenden Haushaltsjahr auf 521 Mrd. Dollar anschwellen.

„500 Mrd. Dollar dürften erst der Anfang sein, wenn wir tatsächlich auf den Mond, zum Mars und noch weiter wollen“, warnte Fondsmanager Bill Gross von der Allianz-Tochter Pimco. „Die Schuldenlast der USA dürfte das Wirtschaftswachstum abwürgen, wenn die Federal Reserve Bank beginnt, die Zinsen anzuheben. Falls die Zinsen steigen, wird der Schuldendienst bei steigenden Verbindlichkeiten wehtun“, schrieb Gross in seinem monatlichen Marktkommentar. Die Kreditnehmer müssten real mehr zahlen, und das habe gleichermaßen Auswirkungen auf den Konsum, den Bau und Kauf von Immobilien, die Investitionen der Unternehmen und das Haushaltsdefizit.

Von dem Rekorddefizit profitierte gestern vor allem der Euro mit einem Anstieg deutlich über 1,25 Dollar. Das stützte die europäischen Staatsanleihen. Zudem profitierten sie – wie auch die US-Papiere – von ihrem Status als sicherer Anlagehafen in politisch unsicheren Zeiten. Auslöser für den Kursanstieg war die Nachricht, dass in einem Gebäude des US-Senats in Washington am Montagabend das tödliche Gift Ricin gefunden worden. „Die Terrorismus-Sorgen sind wieder auf der Tagesordnung“, sagten die Analysten der HelabaTrust.

Der Bund-Future kletterte bis zum späten Nachmittag um 16 Basispunkte auf 114,19 %. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sank zwei Basispunkte auf 4,20 %, die der gleichlaufenden US-Treasuries lag bei 4,13 % ebenfalls zwei Ticks unter Vortagesniveau.

Marktteilnehmer rechnen jedoch nicht mit einer nachhaltigen Bewegung des Bund-Future nach oben. „Bei 114,30 sollte Schluss sein“, sagte ein Händler. Vieles dürfte von der weiteren Entwicklung am Devisenmarkt abhängen: „Eine Trendentscheidung wird wohl kaum ohne den anstehenden Cocktail aus der anstehenden EZB-Sitzung, den US-Arbeitsmarktdaten am Freitag, dem G7-Treffen am Wochenende und der halbjährlichen Anhörung von Fed-Chef Alan Greenspan vor den Kongressausschüssen in der kommenden Woche fallen“, glauben die Experten von HelabaTrust.

Am Markt für neue Anleihen zurrten die Bundesländer Bremen, Hamburg, Mecklenburg- Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schles- wig-Holstein und Thüringen die Konditionen für ihren Länderjumbo im Volumen von 1,5 Mrd. Euro fest. Der Renditeaufschlag gegenüber Bundesanleihen mit vergleichbarer Laufzeit liegt bei 13,5 Basispunkten (0,135 Prozentpunkten). Das Papier mit einer Laufzeit von fünf Jahren hat einen Kupon von 3,5 % und einen Ausgabekurs von 99,873 %. Konsortialführer sind Crédit Agricole, Citigroup und WestLB.

Die Europäische Investitionsbank (EIB)begab ihre erst am Vortag angekündigte Anleihe über 1 Mrd. Dollar. Das Papier mit Laufzeit von fünf Jahren wurde mit einem Spread von 30 Basispunkten über entsprechenden US-Staatsanleihen gepreist. Das Mandat teilten sich Credit Suisse First Boston und HSBC.

Am Mittwoch werden unter anderem die neue Euro-Globalanleihe der KfW Bankengruppe über 5 Mrd. Euro und ein mit Hypotheken gedeckter Covered Bond der britischen HBOS erwartet.

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