Bundesschatzbriefe
Bund will Privatanleger loswerden

Eine Schildkröte sollte Anleger für Bundesanleihen begeistern. Jetzt begräbt der Bund seine ehrgeizigen Pläne und steigt aus dem Geschäft mit privaten Kunden aus. Was mit den Konten passieren soll, ist noch unklar.
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Berlin/Frankfurt/DüsseldorfGünther Schild darf sich bald ausruhen. Die grüne Werbe-Schildkröte - angeblich mindestens 115 Jahre alt und Aushängeschild für die Privatkundenoffensive der Finanzagentur - wird demnächst nicht mehr benötigt. Noch wirbt das Reptil mit grüner Schleife und Brille zwar noch für Anleihen des deutschen Staates. Nach Informationen des Handelsblattes steigt der Bund aber aus dem Geschäft mit privaten Kunden aus. Nur noch bis Ende 2012 können Privatkunden ihr Geld über die Finanzagentur direkt in Bundesschatzanweisungen, Bundesobligationen und Bundesanleihen investieren.

Danach ist der Erwerb nur noch über Kreditinstitute möglich. Über diese einschneidende Veränderung, die mit zu hohen Kosten begründet wurde, informierte das Bundesfinanzministerium (BMF) die Mitglieder des Bundesfinanzierungsgremiums, einem Unterausschuss des Haushaltsausschusses, in einem Brief. Dieser liegt dem Handelsblatt vor.

„Nicht leicht“ sei dem BMF diese Entscheidung gefallen, heißt es in dem Brief. Monatelange Untersuchungen wurden angestellt. Alternativ wurde die Option durchgespielt, das Privatkundengeschäft auszubauen, um es profitabel zu gestalten. „Nach gründlicher Prüfung sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass die … damit verbunden Kosten und der möglicherweise zu erwartende Nutzen in keinem ausgewogenen Verhältnis zu den damit verbundenen wirtschaftlichen Risiken stehen“, heißt es in dem Brief.

Zuletzt soll das Geschäft mit Privatkunden weniger als zwei Prozent zur Refinanzierung des Staates beigetragen haben. Derzeit halten private Kunden rund 8,5 Milliarden Euro auf gut 330.000 Konten. Was mit diesen Konten passiert, ist bislang unklar. Auf harsche Kritik stößt die Entscheidung bei der Opposition. Der haushaltpolitische Sprecher der SPD, Carsten Schneider, hält sie für einen „schweren Fehler“. Die Bundesregierung hatte einst noch eine andere Strategie und warb etwa ab dem Jahr 2008 in TV-Spots mit der Schildkröte Günther Schild für die Finanzierungsschätze des Bundes.

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Banken hatten Angebot scharf kritisiert

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  • Der Staat will keine Zinsen mehr bezahlen und jetzt auch noch die Kosten für die Kontenführung sparen. Die Bürger, sprich die Kleinsparer, sollen Staatspapiere bei den Banken gegen Gebühren kaufen und dort ins Depot legen. Bei der negativen realen Verzinsung macht das kaum mehr Sinn. Außerdem ist das Vertrauen in Staatspapiere erheblich beschädigt. Wer sich weiter informieren will kann den nachstehenden LINK klicken oder wer sich trotzdem noch für die Bundeschatzbriefe stark machen will, kann sich dort beteiligen: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2012/_07/_05/Petition_25686.html

  • Wir reden über 8.8 Milliarden EURO die den Banken zugespielt werden sollen. Der nächste Coup nach Riester und Co. Alleine die Neuanlage dieser gewaltigen Summe wird den Banken zwischen 88 bis 440 Millionen Euro einbringen. Es ist schließlich nicht jeder 35 und widerstandsfähig genug, um mit geschulten Hochfrequenzrednern konfrontiert zu werden ohne hinterher wieder ein Stück ärmer zu sein. Der Bundesschatzbrief und das Schuldbuchkonto war das optimale Instrument für die sichere Geldanlage und es wäre überhaupt kein Problem das Ganze für eine noch breitere Masse attraktiv auszugestalten, z.B. mit steuerbefreiten Wertpapiertypen für den langfristigen Vermögensaufbau. Aber die Bankenlobby hat den Staat wieder einmal erfolgreich erpresst. Überlegt zweimal, was ihr mit euren ausgebuchten Beträgen anfangt. Hier steckt deutlich mehr dahinter, als eine bedeutungslose Randnotiz.

  • Frage:
    Würden Sie jemanden Geld geben, der mehr als 2.000.000.000.000 Euro im Minus ist?

    Und wenn ja, ist es auch egal, ob Sie es direkt machen oder über einen Dritten.

    Neben den Steuern, die ich zahle, muss ich nicht noch Kredite geben.

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