Bundeswertpapiere
Anleger rennen dem Staat die Bude ein

Der Bund kann sich vor neuen Anlegern kaum retten Bei der Finanzagentur stehen die Telefone nicht still. Vor allem die neue Tagesanleihe boomt.

Die täglich neuen Schlagzeilen über die Finanzmarktkrise und die Gefahren für die Konjunktur lassen Anleger in Scharen zu sicheren Bundeswertpapieren greifen. Sie gelten als sichere Geldanlage, weil hinter ihnen der Bund mit seiner ganzen Wirtschaftskraft steht. „In der Spitze hatten wir bis zu 40 000 Anrufe von Anlegern pro Tag, dazu kamen 5 000 Briefe und 1 000 E-Mails“, sagt Boris Knapp, Sprecher der Deutschen Finanzagentur. Dies seien bis zu zehn Mal so viele Anfragen wie vor der Krise und bringe die Finanzagentur „an den Rand ihrer Kapazitäten“. Zuletzt arbeiteten die Mitarbeiter auch an den Wochenenden, um die aufgelaufenen Anfragen zu bearbeiten. Die Finanzagentur managt die Schuldenaufnahme und die Liquiditätsversorgung des Bundes.

Im September hat die Finanzagentur erstmals auch in Fernsehspots für Bundeswertpapiere geworben. Dies verstärkte den Zulauf zusätzlich. Über den Zeitpunkt der Fortsetzung der Fernsehspots will die Agentur noch entscheiden. „Die aktuelle Situation ist nicht geeignet, um noch stärker auf die Produkte des Bundes hinzuweisen“, sagt Knapp.

Besonders gefragt ist bei den Anlegern die neue Tagesanleihe, die es erst seit Juli gibt. Sie ist täglich verfügbar und wird mit einem Abschlag von 7,5 Prozent zum Interbanken-Tagesgeldsatzes Eonia verzinst. Derzeit rentiert sie mit knapp 3,5 Prozent.

Inzwischen haben Privatanleger schon rund 1,2 Mrd. Euro in die Tagesanleihe investiert. Damit hat die Finanzagentur ihr Ziel für das gesamte Jahr schon fast erreicht. Im Mai war sie noch davon ausgegangen, dass Anleger bis Jahresende 1,35 Mrd. Euro in der Tagesanleihe anlegen würden.

Aber auch andere Produkte des Bundes für Privatanleger boomen. Gefragt sind laut Knapp dabei vor allem Bundesschatzbriefe des Typs A und einjährige Finanzierungsschätze.

Bei Bundesschatzbriefen steigen die Zinsen im Zeitablauf. Typ A hat eine sechsjährige Laufzeit und die Zinsen werden jedes Jahr ausgeschüttet. Bei der aktuellen Ausgabe liegt die Rendite für sechs Jahre bei 3,70 Prozent pro Jahr. Finanzierungsschätze gibt es mit Laufzeiten von ein und zwei Jahren. Sie werden jeden Monat mit einem Abschlag vom Nennwert begeben, zu dem sie am Ende der Laufzeit zurückgezahlt werden. Einjährige Schätze rentieren derzeit mit 2,55, zweijährige mit 2,85 Prozent. Anleger können die Wertpapiere – wie auch fünfjährige Bundesobligationen – gebührenfrei bei der Finanzagentur kaufen. Alle Bundeswertpapiere können über ein Schuldbuchkonto bei der Agentur kostenlos verwaltet werden.

Privatanleger machen direkt nur einen kleinen Teil der Anleger des Bundes aus. Ende 2007 hatten sie 15 Mrd. Euro bei der Finanzagentur angelegt. Das entsprach 1,7 Prozent aller ausstehenden Bundeswertpapiere. Aktuelle Zahlen zu den Gesamtanlagen bei der Finanzagentur gibt es noch nicht.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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