Carl Heinz Daube: „Deutschland ist der sicherste Hafen“

Carl Heinz Daube
„Deutschland ist der sicherste Hafen“

Deutschland kommt trotz rekordhoher Verschuldung so günstig an Kredite wie kein anderes Land in Europa. Warum das so ist, wie die Aussichten für die europäischen Krisenländer sind und wie der Bund sein Geld anlegt, erklärt Carl Heinz Daube, Deutschlands oberster Schuldenmacher, im Handelsblatt-Interview.
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Herr Daube, die Finanzagentur besorgt in diesem Jahr über 300 Milliarden Euro an Krediten, damit Schulen gebaut, Lehrer bezahlt und Forschungsprojekte finanziert werden. Wie fühlt man sich als wichtigster Mann im Staat?

Diese Frage stelle ich mir nicht. Es ist für alle Mitarbeiter der Finanzagentur eine große Verantwortung, ein ganzes Land immer rechtzeitig und zu günstigen Konditionen mit frischem Geld zu versorgen. Gerade in der aktuellen Finanz- und Schuldenkrise kann ich mir keinen spannenderen Job vorstellen, als die Geldbeschaffung für den Bund.

Verliert man das Gefühl für Dimensionen, wenn man im Schnitt Kredite über eine Milliarde. Euro am Tag aufnimmt oder leben Sie auch privat so auf Pump wie der Staat?

Nein, als Privatmann achte ich sehr darauf, dass die Kasse stimmt. Auch als Geschäftsführer der Finanzagentur vergesse ich nicht, dass diese Summen ja Steuerzahlergeld sind, die Größenordnungen muss man aber ausblenden. Wenn ich die ständig im Blick hätte, könnte ich die Arbeit wohl nicht besonders gut machen.

Welcher Banker stellt sich schon gerne solche Fragen?

Als Bankier und Bürger mache ich mir schon meine Gedanken über die Verschuldung des Landes. Schließlich zahlt der Steuerzahler die Zinsen für die Staatsverschuldung.

Der Fall Griechenland hat gezeigt, dass Investoren nicht beliebig Staatspapiere kaufen wollen. Beunruhigt Sie das nicht?

Nein. Deutschland ist das kreditwürdigste Land in Europa, das wettbewerbsfähige Strukturen aufgebaut hat, über eine enorme Wirtschaftskraft und eine Super-Bonität verfügt. Unterm Strich ist für Anleger das Risiko extrem gering, in deutsche Staatspapiere zu investieren. Deshalb sind Bundesanleihen überdurchschnittlich gefragt Das zeigt sich auch daran, dass die Rendite der zum Beispiel zehnjährigen Bundesanleihe mit aktuell 2,3 Prozent außerordentlich niedrig ist. Trotz der hohen Staatsverschuldung gilt Deutschland unangefochten als sicherster Hafen in Europa. Investoren wollen zur Zeit Sicherheit und akzeptieren dafür geringere Renditen.

Kann man das Schuldenspiel auf Dauer weitertreiben?

Die Frage muss letztlich die Politik beantworten. Die Märkte beantworten Fragen nach Risiko, Rendite und Handelbarkeit. Als Agentur des Bundes stellen wir uns aber schon die Frage, welchen Preis man für Bundesanleihen zahlen heute und künftig muss. Aber auch da bin ich im Vergleich zu anderen Ländern in Europa oder in Übersee sehr optimistisch, dass wir Investoren mit niedrigeren Renditen von unseren Papieren überzeugen können.

Erwarten Sie, dass der Bund über kurz oder lang wieder eine höhere Rendite bezahlen muss , was am Ende ja höhere Zinskosten für den Bund bedeutet ?

Kurzfristig sehe ich das Problem noch nicht. Gleichwohl gehe ich davon aus, dass wir in der zweiten Jahreshälfte 2011 aus heutiger Sicht quer über alle Laufzeitbereich etwas höhere Zinsen sehen werden.

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